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Die Yanomami in Brasilien

Haben sie den Kampf gewonnen?

Als im Juli 1993 Goldsucher im Regenwald Brasiliens ein brutales Massaker an Indianern des Yanomamivolkes verübten, gingen die Nachrichten davon um die Welt. Die Brutalität mit der vier Garimpeiros Frauen, Kinder und Männer des Regenwaldvolkes zunächst gefoltert und dann hingerichtet hatten, schreckte die Menschen auf. Zum ersten Mal wurde öffentlich deutlich, was seit langem Realität war – die Unterdrückung und Vertreibung der Yanomami-Indianer in Südamerika.

Yanomami-Frau mit Kind © TARGET-Rüdiger Nehberg

Das letzte große Regenwaldvolk des Kontinents siedelt an der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela auf einer Fläche, die etwa der Größe Österreichs entspricht. Sie betreiben Gartenbau mit Bananen, Maniok, Zuckerrohr und anderen Pflanzen. Weitere Nahrung sichert die Jagd und das Sammeln von Pilzen und Früchten. Trotz des Fehlens moderner Technik brauchen die Yanomami täglich nur vier Stunden zur Beschaffung aller nötigen Gebrauchsgegenstände und Nahrungsmittel. Sie leben in Gruppen von 50-250 Mitgliedern weit verstreut im Regenwald. Etwa alle drei Jahre wird die Siedlung verlegt, um dem gerodeten Stück Wald eine jahrzehntelange neue Wachstumsphase zu verschaffen. Die Yanomami sehen sich als verkörperten Teil einer endlosen Geisterwelt, von der sie in Form von Pflanzen und Tieren des Waldes umgeben sind.

Erste Kontakte mit den Weißen gab es in den 70er Jahren, als die Regierung Brasiliens eine große Bundesstraße quer durch den Regenwald baute. Die Bauarbeiter schleppten unheilbare Krankheiten wie Grippe, Malaria und Masern ein. Viele Indianer starben. Der große Völkermord begann jedoch mit dem Goldrausch in den 80er Jahren. Bei Vermessungsarbeiten war der kostbare Bodenschatz entdeckt wurden.

Zehntausende Goldsucher strömten ins Land. Für ihre Flugpisten und Siedlungen zerstörten sie den Regenwald, vertrieben die Indianer und verseuchten die Flüsse mit hochgiftigem Quecksilber, das sie zur Gewinnung des Goldes benutzten. Schließlich standen 10.000 Yanomami etwa 80.000 schwer bewaffneten Goldsuchern gegenüber. Diese nahmen keine Rücksicht auf das Überleben der Regenwaldbevölkerung. Allein im Zeitraum 1991 bis 1993 starben 20 Prozent der Yanomami durch Krankheit oder Mord.

Nach dem Massaker vom Juli 1993 und den folgenden weltweiten Schlagzeilen, traten überall im Ausland Menschen für die Yanomami ein. Menschenrechts- und Umweltorganisationen führten Protestaktionen durch, an Schulen fanden Veranstaltungen zu Gunsten des Regenwaldvolkes statt – die Yanomami wurden zum Symbol für die Bedrohung der indigenen Völker. Die Regierung Brasiliens geriet unter Druck und leitete Maßnahmen ein. So wurden den Yanomami 60.000 Quadratkilometer Regenwald zugesprochen, die Goldsucher größten Teils verwiesen und das Gebiet bis 1996 unter militärischen Schutz gestellt. Inzwischen gibt es nur noch wenige Goldsucher in der Region. Der Lebensraum der Yanomami scheint gerettet, was wohl vor allem dem hohen Zuspruch und Protesten von ausländischer Seite zu verdanken ist.

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Doch eine neue Gefahr könnte entstehen, wenn die Regierung selbst einmal auf die Rohstoffreserven zurückgreifen will und hierfür auch die zugesprochenen Landrechte wieder aufheben würde. Es gibt nicht wenige Politiker, die der Ansicht sind, ein armes Land wie Brasilien könne es sich nicht leisten, auf die Rohstoffe dieses Gebietes ganz zu verzichten.

Ein großes Problem stellen weiterhin die sich ausbreitenden „fremden“ Krankheiten dar. Mit ausländischer Hilfe konnten in den letzten Jahren einige Krankenstationen errichtet werden, die den Yanomami, die nun notwendige medizinische Versorgung stellen. Im Jahr 2000 stellte auch die brasilianische Regierung erstmals Mittel für diesen Zweck zur Verfügung. Die Weltbank hatte dies als Auflage für neue Kredite gefordert. Doch auch solche Maßnahmen nehmen den Yanomami zwangsläufig ein Stück ihrer Unabhängigkeit.

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Stand: 26.11.2001

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Inhalt des Dossiers

Bedrohte Völker
Überleben zwischen zwei Welten

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