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Im Dienste der Wissenschaft?

Inuit als Schauobjekte in vergangenen Jahrhunderten

Sie leben im unwirtlichen äußersten Norden der Erde, mit Dauerfrost und langen Monaten im Dunkeln. Die Inuit siedeln in Alaska, im Norden Kanadas, auf Grönland und in Sibirien. Trotz der Entfernung dieser Gebiete zueinander haben sie eine ähnliche Sprache und Kultur. Ihre genaue Herkunft ist nicht bekannt.

Inuitmutter mit Kind © NOAA

Forscher gehen aber davon aus, dass die Inuit während der letzten Eiszeit den Weg von Asien her nach Nordamerika auf der festen Eisdecke zurücklegten. Sie haben sich den Bedingungen ihres Lebensraumes angepaßt. Da in den Polarregionen kaum Pflanzen wachsen, steht die Jagd im Mittelpunkt des traditionellen Inuit-Lebens. Dabei schließen sich mehrere Familien zu Jagdgemeinschaften zusammen, die letztlich auch sehr wichtig für das gesamte soziale Leben sind.

Über viele Jahrhunderte hinweg lebten sie in völliger Abgeschiedenheit. Erst 1576 stieß Martin Frobisher auf der Suche nach einer Nordwestpassage auf die Inuit. Als Beweis nahm er einen von ihnen gefangen und führte ihn in England vor, wo dieser kurze Zeit später verstarb. Ähnliche Schicksale erlitten in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Ureinwohner aus den Polarregionen.

So bringt gut dreihundert Jahre später auch Robert Edwin Peary im Auftrag des Museum of National History von einer Expedition gleich sechs Inuit nach Amerika mit, darunter zwei Kinder. Am 30. September 1897 treffen sie in New York ein. Am nächsten Tag zahlen 20.000 Menschen Eintritt, um die Menschen aus dem hohen Norden zu besichtigen. Das Museum selbst ist auf die Inuit nur wenig vorbereitet.

Man bringt sie zunächst im Keller unter. Dort werden sie vermessen, fotografiert und interviewt. Die Ureinwohner tun sich schon bald schwer mit dem warmen New Yorker Klima. Bereits einen Monat nach ihrer Ankunft erkranken alle an Lungenentzündung. Vier von ihnen sterben kurze Zeit später, ein weiterer kehrt im Juli 1898 nach Grönland zurück. Nur Minik, ein achtjähriger Junge, der mit seinen Eltern nach New York kam und nun Waisenkind ist, bleibt in Amerika.

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Minik wird von einer New Yorker Familie aufgenommen, die ihn wie ihren eigenen Sohn behandelt. Zeitungen berichten noch vereinzelt über „Die Zähmung des kleinen Wilden“. Der Inuit-Junge passt sich dem amerikanischen Lebenstil an. Doch seine Pflegefamilie bricht nach einigen Jahren auseinander. Und schließlich erfährt Minik kurz vor seinem 18. Geburtstag, dass die Gebeine seines Vaters im Museum als Schauobjekt ausgestellt sind und nicht, wie er immer geglaubt hatte, nach den traditionellen Inuit-Riten begraben wurden. Er verlangt vergeblich die Herausgabe der Überreste. Letztlich beschließt er in seine Heimat zurückzukehren. Als er 1909 endlich auf einem Schiff nach Grönland mitfahren kann, sagt er gegenüber der Presse: „Ihr seid eine Rasse wissenschaftlicher Krimineller“.

In Grönland angekommen, muss Minik feststellen, dass er in seiner alten Heimat nicht mehr zurechtkommt. Er kann die Sprache nicht und ist nicht fähig sich zu ernähren. Der amerikanische Lebensstil hat ihn entwurzelt. Nach einigen unglücklichen Jahren kehrt Minik in die USA zurück, beantragt die amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitet bei einer Holzgesellschaft. Nur zwei Jahre später stirbt er 1918 an seiner vierten Lungenentzündung.

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Stand: 26.11.2001

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Inhalt des Dossiers

Bedrohte Völker
Überleben zwischen zwei Welten

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