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Mahnmal Tschernobyl

Erkenntnisse für den Katastrophenschutz

Die Ereignisse von Tschernobyl haben gezeigt, dass ein schnelles und effizientes Handeln im Ereignisfall nur dann möglich ist, wenn die Durchführbarkeit von Empfehlungen und Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt zuvor untersucht wurde. Es wurde deshalb ein umfassender Maßnahmenkatalog erstellt, der die Entscheidungsfindung im Ereignisfall erleichtern soll.

Besonders deutlich wurde, dass durch Kontamination der Umwelt mit radioaktivem Jod ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs besteht. Zuvor war von der Mehrheit der Experten angenommen worden, dass radioaktives Jod bei gleicher Dosis eine geringere krebserzeugende Wirkung hat als externe Strahlung – eine Annahme, die durch die epidemiologischen Untersuchungen nach dem Unfall nicht bestätigt werden konnte.

Tabletten verringern Jodaufnahme

Jod-Tabletten © GSF

Durch prophylaktische Einnahme von Tabletten mit stabilem Jod kann die Aufnahme von radioaktivem Jod in die menschliche Schilddrüse erheblich verringert werden. Unter dem Eindruck des Tschernobyl-Unfalls hat die Strahlenschutzkommission ihre Empfehlungen für Eingreifrichtwerte zur Verteilung von Jodtabletten geändert. Es wird davon ausgegangen, dass die Jod-131-Aufnahme mit der Nahrung durch Maßnahmen wie Vermarktungsverbote unterbunden wird. Mögliche Schilddrüsendosen durch Inhalation von radioaktivem Jod werden durch die Modelle in den Radioaktivitätsmesssystemen vorhergesagt.

Eine Einnahme von Tabletten mit stabilem Jod wird für Kinder und Jugendliche ab einer prognostizierten Schilddrüsendosis von 0,05 Sv und für bis zu 45-Jährige ab einer Dosis von 0,25 Sv empfohlen. Für ältere Personen wird die Einnahme von Jodtabletten wegen des geringeren Strahlenrisikos und möglicher Nebenwirkungen nicht empfohlen. Als vorbereitende Maßnahme für eine Verteilung im Ereignisfall werden gegenwärtig Packungen mit Jodtabletten in der Umgebung von Kernkraftwerken eingelagert.

Kaum signifikante Ergebnisse

Obwohl seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl bereits 20 Jahre vergangen sind, gibt es für viele Erkrankungen noch keine schlüssigen Antworten, ob erhöhte Raten aufgetreten sind. In den meisten Fällen liegt das daran, dass die Strahlenexpositionen zu gering waren, um sich statistisch nachweisbar von den Schwankungen der spontan auftretenden Fälle abzuheben.

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Für einige gesundheitliche Wirkungen könnte eine längere Beobachtungszeit und ein verbessertes Studiendesign zukünftig zu konkreten Ergebnissen führen. Dies gilt insbesondere für nicht-maligne Schilddrüsenerkrankungen und andere solide Tumoren wie Schilddrüsenkrebs. In Deutschland kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die Expositionen zu gering waren, um signifikante Effekte auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung haben zu können.

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Stand: 21.04.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der Unfall von Tschernobyl
Eine Bilanz 20 Jahre danach

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