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Keine Entwarnung in Sicht…

Cäsium-137 mit Langzeitwirkung

Illegale Rückkehrer in die gesperrte Zone © GSF / Natalia Semiochkina

Eine langfristige Verseuchung von Nahrungsmitteln wurden insbesondere durch Cäsium-134 und Cäsium-137 verursacht. In Deutschland erreichten die Cäsium-Kontaminationen keine Werte, die Gegenmaßnahmen erforderlich gemacht hätten.

In den stärker belasteten Gebieten der Ukraine, Weißrusslands und Russlands führte die Ablagerung von Cäsium-137 auf dem Weidegras in den beiden ersten Jahren nach dem Unfall zu erhöhten Kontaminationen der Milch. Der Milchkonsum wurde somit zu einem wesentlichen Expositionspfad, dennoch wurden – zumindest in dieser Zeit – kaum Gegenmaßnahmen ergriffen. Darüber hinaus wurde die radioaktive Verseuchung über das Winterfutter bis zum Frühling 1988 verschleppt.

In den darauf folgenden Jahren waren Weidegras und andere Nutzpflanzen – wenn auch in geringerem Umfang – mit Cäsium-137 belastet, das über die Wurzeln aus dem Boden aufgenommen wurde. Zwischenzeitlich war jedoch das Problembewusstsein in den Folgestaaten der Sowjetunion gewachsen: Weideflächen wurden in großem Umfang gepflügt, gedüngt und mit Grassorten besät, die nur wenig Cäsium aufnehmen. Außerdem wurden dem Futter der Kühe Cäsium-Binder hinzugefügt. Jede dieser beiden Maßnahmen führte zu einer Reduzierung der Milchkontamination um etwa einen Faktor drei.

Armut erhöht Strahlenbelastung

In den späten 1990er-Jahren verarmte die Bevölkerung in den betroffenen Regionen jedoch zunehmend, die Intensität der Gegenmaßnahmen ließ nach und die Strahlenbelastung der Bevölkerung nahm wieder zu. Während in den ersten Jahren natürliche Prozesse – das Einwandern des Cäsiums in den Erdboden, seine Bindung an die Bodenmatrix und die damit verbundene geringere Pflanzenverfügbarkeit – die Verseuchung von landwirtschaftlichen Produkten relativ schnell verringerte, hat sie in den letzten Jahren nur noch um jährlich drei bis sieben Prozent abgenommen.

Gegenwärtig wird bei der Internationalen Atomenergie Organisation IAEO ein Programm entwickelt, das die Optimierung von Gegenmaßnahmen in den höher kontaminierten Gebieten der Ukraine, Weißrusslands und Russlands unterstützen soll.

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Pilze und Wildfleisch strahlen weiter

Verlassenes Haus © Andreas Strauß

Im Gegensatz zu den landwirtschaftlichen Produkten bleibt die Kontamination von Pilzen und Wildfleisch relativ konstant auf hohem Niveau. Dies ist vor allem deshalb von großer Bedeutung, weil diese Waldprodukte insbesondere in den ländlichen Gebieten der Ukraine, Weißrusslands und Russlands eine wichtige Nahrungskomponente darstellen. Als Gegenmaßnahmen wurden Nutzungsverbote ausgesprochen beziehungsweise Empfehlungen für die Zubereitung gegeben, die die Aktivität in der Speise verringern sollen, so zum Beispiel mehrfaches Kochen von Pilzen und Abgießen des Kochwassers.

Auch in Süddeutschland können immer noch erhebliche Kontaminationen in Waldprodukten auftreten. So wurden Werte von über zwei Kilobecquerel (kBq) Cäsium je Kilogramm Wildschweinfleisch oder Maronenröhrlinge nachgewiesen. Normales Putzen der Pilze reduziert den Cäsiumgehalt um einen Faktor zwei. Ein Wildschwein- oder Pilzgericht mit einer Gesamtaktivität von einem kBq Cäsium führt zu einer effektiven Dosis von 0,013 mSv, die so gering ist, dass man sich den Genuss einer solchen Mahlzeit nicht verderben lassen sollte. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenexposition beträgt im Mittel pro Jahr 2,0 mSv mit einem Schwankungsbereich von einem bis zehn mSv.

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Stand: 21.04.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Der Unfall von Tschernobyl
Eine Bilanz 20 Jahre danach

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