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Leiden in Tierversuchen

Ethische Betrachtung von Tests an lebendigen Tieren

An Tierversuchen beteiligte Wissenschaftler betonen stets, dass die Tiere in den Versuchslaboren möglichst wenig Stress erfahren, weil sie nur so aussagekräftige Forschungsergebnisse liefern – und deshalb sei es auch im Interesse der Wissenschaft, dass es den Tieren den Umständen entsprechend gut geht.

Tierversuchsgegner und viele Organisationen kritisieren hingegen immer wieder, dass Tierversuche selbst mit Betäubungs- und Schmerzmitteln mit einem hohen Maß an psychischem Stress, Schmerzen und Leiden für die Tiere verbunden sind. Sie halten es nicht für gerechtfertigt, dass das menschliche Interesse Vorrang vor dem Leben der Mäuse, Schweine, Affen und Co. hat, die ebenso Schmerzen empfinden wie der Mensch.

Tierversuch
Mäuse und Ratten werden häufig als Forschungstiere verwendet. © Kolotylo Michael/ CC-by-sa 4.0

Leiden für die Forschung

Beispiele für solche leidvollen Tests deckten Tierschützer etwa bei Tierversuchen an Nagetieren auf: Dort saugten Forscher Ratten einen Teil des Gehirns ab, um herauszufinden, welche Nerven aktiviert werden, wenn Druck auf ihre Schnurrhaare ausgeübt wird. Des Weiteren wurden Mäuse in Versuchen zur Stressforschung monatelang bewegungsunfähig in enge Plastikröhren gesetzt und bekamen kaum zu Essen und Trinken. In anderen Tests sperrten Forscher sie mit aggressiven Artgenossen ein, die sie immer wieder attackierten.

Nicht nur mit Nagetieren, sondern auch mit Vögeln werden ähnliche Versuche durchgeführt: So entdeckten Tierschützer, dass den Tieren beispielsweise das Schädeldach aufgeschnitten wurde, um eine Substanz ins Gehirn zu injizieren. In anderen Experimenten wurde ihr Gehörsinn zerstört, indem die Wissenschaftler die Gehörschnecke aus dem Innenohr der Vögel entfernten, sodass sie sich nur noch eingeschränkt orientieren konnten.

Auch große Säugetiere betroffen

Affe
Manchmal müssen die Tiere etwa für Messungen der Hirnströme so gesichert werden, dass sie sich nicht bewegen können. © Alex Pacheco of PETA/ CC-by-sa 3.0

Und auch große Säugetiere sind von solchen Versuchen betroffen: Beispielsweise wurden Katzen in einem amerikanischen Forschungslabor eingefangen, fixiert und mit Fleisch gelockt, um ihre Reaktionen zu beobachten. Anderen Katzen implantierten Forscher Stahlringe in die Augen und schraubten einen Stahlbolzen in den Schädel, an dem die Tiere für Experimente fixiert wurden. Außerdem wurden den Vierbeinern auch Löcher in den Kopf gebohrt, um mit Elektronen die Hirnaktivität zu messen.

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Auch mit Hunden werden vielerorts solche Versuche durchgeführt. So zeichneten Tierschützer zum Beispiel auf, dass den Tieren mit einem Trichter Gifte eingeführt wurden und die Forscher danach stundenlang beobachteten, was mit den Tieren passierte. Zudem kam es auch schon vor, dass Hunden zur Erforschung einer Muskelkrankheit gezielt lähmende Muskelerkrankungen angezüchtet wurden, sodass sie nur unter großer Anstrengung gehen, schlucken und atmen konnten.

In Indien experimentierten Forscher auch mit Pferden: Ihnen wurden Gifte gespritzt, um anschließend die Stoffe aus ihrem Blut zu isolieren, die gegen die Giftstoffe wirkten. Tierschützer berichteten zudem von Experimenten mit Affen, denen über mehrere Wochen hinweg täglich medizinische Substanzen durch einen Schlauch eingeführt wurden, während die Tiere in einem Applikationsstuhl am Hals fixiert waren.

Zudem werden außerhalb von Deutschland auch immer noch Tierversuche an Menschenaffen gemacht, obwohl uns in ihren kognitiven und emotionalen Fähigkeiten sehr ähnlich sind. Ihnen werden zum Beispiel Elektroden ins Gehirn sowie eine Kopfhalterung in den Schädel implantiert. Damit fixiert müssen die Tiere dann etwa mehrere Stunden täglich Aufgaben an einem Bildschirm lösen. Damit die Primaten besser arbeiten, dürfen sie in manchen Fällen zudem nur als Belohnung etwas trinken und bekommen ansonsten kein Wasser.

Auch Haltung umstritten

Und nicht nur die Experimente, sondern auch die Haltung und der Transport der Versuchstiere sind ethisch umstritten, weil sie die Tiere ebenfalls unter Stress setzen. Denn obwohl sich in der Regel Tierpfleger und -ärzte um die Mäuse, Kaninchen und Co. kümmern, leben diese meist mit vielen Artgenossen in kleinen Käfigen – ohne ausreichende Bewegungsfreiheit.

Manche Tiere werden auch alleine isoliert in kleinen Käfigen gehalten und leiden dann unter dem fehlenden Sozialkontakt zu Artgenossen. In den Gehegen mangelt es zudem an Beschäftigungen für die Tiere. Insbesondere Hunde oder Affen entwickeln ohne genügend Aktivität in den Zwingern oft psychische Störungen, laufen rückwärts im Kreis oder springen immer wieder gegen das Gitter ihrer Käfige.

Ende mit dem Tod

Das oft starke Leiden der Tiere während der Versuche endet meist mit dem Tod, beispielsweise an der zugefügten Vergiftung, den Nebenwirkungen eines Medikaments oder an der künstlich erzeugten Erkrankung. Manche der Versuchstiere werden auch aufgrund schwerer Störungen infolge der Versuche getötet. Andere werden im Anschluss an die Experimente direkt umgebracht, um zum Beispiel ihre Gehirne zu untersuchen.

Tiere, die nicht umkommen oder getötet werden, leben bis zum Lebensende in Gefangenschaft. Denn da sich das Leid dieser Tiere oft über viele Jahre erschreckt, leiden sie danach meist an schweren Verhaltensstörungen und können nicht mehr in der Wildnis überleben.

All dies wirft die Frage auf, wie viel Tierleid man für den Erkenntnisgewinn in Kauf nehmen darf – und welche Forschungen und Ziele solche Experimente rechtfertigen. Nach Ansicht von Tierversuchsgegnern wiegen auch medizinische Errungenschaften und Durchbrüche das Leid der Tiere nicht auf.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kontroverse um Tierversuche
Medizinischer Bedarf oder Tierleid ohne Aussagekraft?

Zweck hinter Tierversuchen
Tiertests für den medizinischen Fortschritt

Vom Antrag zum Experiment
Genehmigungsverfahren für Tierversuche

Leiden in Tierversuchen
Ethische Betrachtung von Tests an lebendigen Tieren

Probleme der Übertragbarkeit
Warum Tierversuche risikoreich sein können

Alternativen zu Tierversuchen
Zellkulturen, Computermodelle und bildgebende Verfahren

Warum noch Tierversuche?
Alternativen noch nicht universal einsetzbar

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