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Hierarchie missbraucht

Wie erzeugt die Krebstammzelle Krebs?

Das Stammzellsystem der Blutzellen verstehen Forscher mittlerweile schon sehr gut. Es ist hierarchisch gegliedert: An der Spitze steht eine Langzeit-Stammzelle, die sich extrem selten teilt. Sie bringt Kurzzeit-Stammzellen hervor, die für das „Tagesgeschäft“ zuständig sind und so genannte Vorläuferzellen produzieren, aus denen schließlich die verschiedenen Blutzellen heranreifen. Andere Stammzellsysteme im erwachsenen Organismus könnten ähnlich gegliedert sein – auch das der Krebsstammzellen.

Das Stammzellsystem der Blutzellen ist bereits gut untersucht © NCI

Einnistung in „Stammzellhafen“

In den letzten fünf Jahren haben Andreas Trumpp und seine Mitarbeiter herausgefunden, dass es verschiedene MYC-Gen-Varianten sind, die sowohl die Zellhierarchie in der Nische als auch den Austritt der Tochterzellen in den Körper kontrollieren. Beim blutbildenden System sieht das so aus: Die Stammzellen des Blutes sitzen gut geschützt in Knochenhöhlen. „Sie sind dort verankert wie Schiffe im Hafen“, erklärt Trumpp.

Die „Anker“ sind Adhäsionsmoleküle. Sie halten die Stammzellen in der Nische, ihre Tochterzellen aber verlassen den sicheren Hafen, schwemmen ins Blut aus und tun als weiße oder rote Blutkörperchen ihren Dienst. Wenn sich jedoch die kontrollierenden MYC-Gene verändern, kann aus einer Langzeit-Stammzelle oder aus einer Vorläuferzelle eine Krebsstammzelle werden, die unentwegt bösartige Tochterzellen ins Blut entlässt – so lange, bis das Blut von entarteten Zellen überschwemmt und Blutkrebs entstanden ist.

Die bösartigen Tochterzellen kann man bekämpfen, wie man will, die Krebsstammzelle in ihrer Nische wird immer wieder für Nachschub sorgen. Daraus folgt: Um den Krebs zu besiegen, muss man die Krebsstammzelle töten. Die Frage ist, wie eine derart verschanzte Zelle aus der Deckung gebracht werden kann. Auch darauf liefert das Krebsstammzellkonzept eine Antwort. „Man muss Wirkstoffe finden, die zu den Krebsstammzellen in ihrer Nische vordringen“, sagt Trumpp, „oder man muss die Krebsstammzellen aus der Nische herauslocken.“

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Deutsches Krebsforschungszentrum, Magazin Einblick/ Claudia Eberhard-Metzger
Stand: 12.08.2011

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