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Fast mapping

Wie Hunde dem "Ding" einen Namen geben

„David, bring mir mal den Textmarker vom Schreibtisch. Er liegt direkt neben dem Radiergummi.“ Diese oder eine ähnliche Szene zwischen Vater und Sohn spielt sich wohl in nahezu jedem Haushalt täglich ab. Selbst wenn Klein-David im Alter von sechs Jahren noch nicht weiß, was ein Textmarker ist und wie er aussieht, wird er ihn auf dem Schreibtisch finden und dem Papa bringen – wenn er denn Lust hat.

Doch der Sohn tut damit nicht nur dem Älteren einen Gefallen, er lernt auch etwas dabei. Durch „schnelles Zuordnen“ stellt er einen Zusammenhang zwischen einem unbekannten Gegenstand – hier der Textmarker – und dem dazu gehörigen Begriff her und gibt damit dem „Ding“ einen Namen.

Collie © IMSI MasterClips

Ab einem Alter von etwa zwei Jahren bauen Kinder durch dieses „fast mapping“ bis zu zehn neue Wörter pro Tag in ihren Wortschatz ein. Bisher glaubte man, dass nur Menschen(kinder) in der Lage sind die Bezeichnung von Gegenständen im Ausschlussverfahren zu erraten. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie haben im Juni 2004 dieses Dogma des Lernens zu Fall gebracht und die Fähigkeiten zum „fast mapping“ auch bei Hunden nachgewiesen.

Rico heißt der intelligente Bordercollie, der menschliche Worte mit Dingen aus seiner direkten Umwelt in Verbindung bringen kann. Schon 1999 hat der Hund in der ZDF-Sendung „Wetten, dass?“ gezeigt, dass er über ein Vokabular von 200 menschlichen Wörtern verfügt und die Begriffe den richtigen Gegenständen zuordnen kann.

Die Wissenschaftler wollten nun ausprobieren, ob er in der Lage ist, die Namen von neuen Gegenständen durch Ausschlussverfahren zu erlernen. Dazu zeigten sie ihm zehn Objekte, von denen ihm neun bereits bekannt waren. Zunächst forderten sie ihn dann auf, einige der bekannten Gegenstände auf ein akustisches Signal hin zum Tester zu bringen. Das konnte der Hund problemlos. Aber auch als das bis dahin „fremde“ Objekt aufgerufen wurde, lag Rico in 70 Prozent aller Fälle richtig.

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Die Forscher vermuten, dass dem Hund das „fast mapping“ gelungen war „entweder weil er wusste, dass die ihm bekannten Objekte bereits Namen hatten oder weil sie eben nicht neu waren“. Noch vier Wochen nachdem der Hund mit einem solchen neuen Gegenstand erstmals in Berührung gekommen war, erinnerte er sich an den Namen und konnten ihn auf Zuruf sicher apportieren.

„Diese kognitiven Fähigkeiten, die es einem Tier erlauben, eine Vielzahl von Klängen und Geräuschen richtig zu interpretieren, scheint sich also unabhängig und viel früher als die Fähigkeit entwickelt zu haben, diese akustischen Signale auch selber zu produzieren, also sprechen zu können“, erläutert Max-Planck-Forscherin Julia Fischer.

So erstaunlich die Ergebnisse der Forscher auch sein mögen, noch sind längst nicht alle Rätsel um das „fast mapping“ bei Hunden gelöst. Zunächst einmal müssen die Forscher beweisen, dass Rico kein Einzelfall ist sondern auch seine Artgenossen zum „schnellen Zuordnen“ in der Lage sind…

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Stand: 29.10.2004

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

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Zwischen Instinkt und Intelligenz

Von Kühen und Äpfeln
Was ist Intelligenz?

"Ding" oder Genie?
Auf der Suche nach schlauen Tieren

Schimpansen angeln Termiten
Revolution in der Verhaltensforschung

Sind Affen intelligenter als andere Tiere?
Die Sonderstellung "bröckelt"

Meermenschen
Der Mythos vom klugen Delfin

Ein großes Hirn ist nicht genug...
Delfine weniger intelligent als gedacht

Die Weisen der Meere
Clevere Kraken

Auch Vögel können schlau sein
Selbsterkennen und vorausschauendes Handeln

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