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Pflanzen können zur Rohstoffgewinnung genutzt werden

Erzabbau 2.0

Die Hyperakkumulator-Pflanzen eignen sich nicht nur zu Sanierung von Böden: Wenn die Pflanzen schon Metalle aus dem Erdreich ziehen, warum verwertet man diese Rohstoffe dann nicht auch? Was nach einer abwegigen Geschäftsidee klingt, ist mancherorts schon Praxis. In Albanien beispielsweise pflanzen Landwirte im Zuge eines Pilotprojekts in der Nähe des Ohridsees Mauer-Steinkraut (Alyssum murale) auf ihren mit Schwermetallen belasteten Äckern an – und ernten Metalle statt Gemüse.

Mauer-Steinkraut
Aus der Asche dieses unscheinbaren Krauts wird in Albanien Nickel gewonnen. © Jerzy Opioła/ CC-by-sa 4.0

Das mit Nickel vollgesogene Kraut wird dafür einfach getrocknet, zu Asche verbrannt und verkauft. Aus der Asche lassen sich mithilfe chemischer Verfahren dann die interessanten Verbindungen herauslösen: Nickelsalze und -oxide, die bisher für Farben und Korrosionsschutzmittel verwendet werden, aber auch als Rohstoffe für Handy-Akkus genutzt werden könnten.

Von Nickel bis zu seltenen Erden

Der Gewinn durch extrahierte Metalle kann dazu dienen, Kosten für pflanzliche Bodensanierungen zu senken. Doch einige Wissenschaftler träumen auch davon, das sogenannte Phytomining eines Tages ganz gezielt zum Erzabbau einzusetzen. Schließlich lassen sich mit Hyperakkumulator-Pflanzen neben Nickel theoretisch auch Palladium, Platin oder begehrte seltene Erden wie Scandium und Neodym gewinnen.

Es gibt sogar Pflanzen, die das edelste aller Metalle aus dem Boden zu ziehen vermögen: Senf, aber auch Eukalyptusbäume und Akazien reichern Gold in ihren Geweben an. Die Pflanzen sind jedoch keine typischen Hyperakkumulatoren und der Ertrag sehr gering. Die Goldernte mit Pflanzen wird sich daher in Zukunft wohl eher nicht lohnen – im Gegensatz zu anderen Metallen.

Gold
Sogar Gold können manche Pflanzen aus dem Boden ziehen. © EBodnarchuk/ thinkstock

Wo lohnt es sich?

Forscher gehen davon aus, dass das Phytomining bestimmter Rohstoffe tatsächlich finanziell rentabel sein könnte. Interessant wäre diese Art des Abbaus vor allem dort, wo sich normale Minen nicht lohnen. Dies ist zum Beispiel in sehr abgelegenen Regionen der Fall oder auf Böden, in denen die Metalle nicht konzentriert, sondern gleichmäßig verstreut vorkommen.

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Bilden sich keine geklumpten Metallvorkommen aus, ist die bergmännische Gewinnung schwierig. Mithilfe von Pflanzen lassen sich solche Flächen hingegen problemlos bearbeiten. So funktioniert die pflanzliche Nickelernte beispielsweise schon ab einer Konzentration von 0,1 Prozent – bei traditionellen Abbauverfahren sind dagegen Erze mit der zehnfachen Nickel-Konzentration nötig.

Noch mehr Ertrag

Um noch mehr Ertrag erzielen zu können, arbeiten einige Forscherteams bereits daran, die biologische Verfügbarkeit der Metalle im Boden zu erhöhen. Stoffe wie Zitronensäure können unter anderem Verbindungen lösen, die seltene Erden enthalten – und die Elemente für die Hyperakkumulatoren so leichter zugänglich machen. Auch in diesem Zusammenhang könnten sich Pflanzen als nützliche Helfer erweisen: zum Beispiel die Lupine. Sie gibt Zitronensäure ab, um Phosphat im Boden verfügbar zu machen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Pflanzliche Metallsammler
Die faszinierende Welt der Hyperakkumulator-Pflanzen

Eine giftige Vorliebe
Hyperakkumulatoren stehen auf Schwermetalle

Bodensanierung mit Pflanzenkraft
Metallsammler reinigen verseuchte Gebiete

Erzabbau 2.0
Pflanzen können zur Rohstoffgewinnung genutzt werden

Warum die Metallvorliebe?
Anpassung könnte evolutionäre Vorteile gebracht haben

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