Das Fernrohr enträtselt den Himmel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Das Fernrohr enträtselt den Himmel

Wie Galilei die Astronomie voran bringt

Hätte es den deutschen Brillenmacher Hans Lipperhey nicht gegeben, wäre aus Galileo Galilei wohl kein berühmter Astronom geworden. Denn der ins niederländische Exil nach Middelburg emigrierte deutsche Linsenschleifer hat um das Jahr 1608 eine entscheidende Idee, die viele von Galileis Entdeckungen und Erkenntnissen erst möglich macht.

Das erste Fernrohr…

Aus einer konvex und einer konkav geformten Linse konstruiert er ein neues Wunderding der Wissenschaft, das erste Fernrohr. Am 25. September des gleichen Jahres meldet er es zum Patent an. Doch er ist nicht der einzige, der sich um den Ruhm des Teleskop-Erfinders bewirbt. Viele andere Linsenschleifer aus dem Mekka des Optikergewerbes in Middelburg tun es ihm gleich. Am Ende erhält keiner das offizielle Dokument, die Kunde von dem neuen erstaunlichen Gerät erreicht aber auch Galileo Galilei im tausende Kilometer entfernten Padua.

Schnell und findig wie er nun mal ist, macht er sich daran, das Prinzip zu kopieren und zu verbessern. Schon bald hat er von eigener Hand Linsen geschliffen, die eine 33-fache Vergrößerung ermöglichen. Galileo erkennt sofort den militärischen Wert seiner Weiterentwicklung, denn damit lassen sich beispielsweise herannahende Streitkräfte und ihre Strategie frühzeitig identifizieren. Er riskiert mit dem bereits überraschend leistungsfähigen Fernrohr aber nicht nur einen Blick waagerecht zum Horizont, sondern auch senkrecht nach oben in den Himmel. Genauer gesagt in den Nachthimmel.

Antlitz des Mondes © NASA

…ermöglicht Galileis Aufstieg

Schon bald verschreibt er sich ganz der Passion der Himmelsbeobachtung. In kürzester Zeit wird er dabei zu einem der wichtigsten Pioniere der Teleskop-Astronomie. Denn das, was er bei seinen emsigen Studien des Firmaments entdeckt, ist eine wissenschaftliche Sensation.

Zuerst knöpft er sich den guten alten Mond vor und studiert ihn ausgiebig. Einiges ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts über diesen Himmelskörper schon bekannt. So hatte bereits Hipparchos von Nicäa im 2. Jahrhundert vor Christus die Erde-Mond-Entfernung und den Mondradius ziemlich präzise bestimmt. Und auch, dass der Mond für jeden sichtbar dunkle und helle „Flecken“ besitzt ist nicht verborgen geblieben. Zeichnungen vom Mond sind jedoch bisher selten. Zudem galten alle Planeten und auch der Mond seit Aristoteles per se als makellos.

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Der Mond wie Galilei ihn sah und im NASA-Bild der gleichen Region © Galileo Galilei / gemeinfrei (Copyright expired) / NASA

Entdeckungen über Entdeckungen

Galilei jedoch sieht den Mond mithilfe seines Fernrohres mit ganz anderen Augen. Eine raue Oberfläche hat er, überzogen von Hügeln, aber offenbar auch von tiefen Tälern und riesigen „Meeren“. Fasziniert von diesem Anblick bringt Galilei das, was er sieht zu Papier und fertigt erste Zeichnungen der Mondoberfläche an. Darauf ist auch der so genannte „lunar terminator“, die Tag-/Nachtgrenze, enthalten.

Doch der Mond ist nur der Anfang. Mit seinem Fernrohr enthüllt Galilei in der Folge das neblige Band der Milchstraße als gewaltige Ansammlung von hell leuchtenden Sternen – eine weitere bahnbrechende Entdeckung. Das gleiche gilt für das ebenfalls neu beobachtete Ringsystem des Saturn, dessen wahre Natur Galilei aber noch nicht erkennt.

Jupitermond Ganymed © NASA/JPL

Unaufhaltsamer Aufstieg

Zu seinem Markenzeichen werden jedoch die zunächst drei, später dann sogar vier Jupitermonde – Kallisto, Io, Europa und Ganymed – denen Galilei von Anfang Januar bis Mitte März 1610 auf die Spur kommt. In weiser Voraussicht nennt er sie die Mediceischen Monde. Denn er hofft und spekuliert schon seit längerem auf eine Anstellung am Hof von Cosimo II. de’ Medici, seinem ehemaligen Schüler, der seit 1608 Großherzog von Toskana ist.

Galilei beschließt seine sensationellen Resultate öffentlich zu machen und stellt sie noch im gleichen Jahr in seinem Buch „Sternenbote“ (Sidereus Nuncius) vor. Die Reaktionen auf diese mittelalterliche Variante der heutigen Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ sind noch euphorischer als von Galilei selbst erwartet: Nahezu uneingeschränktes Lob prasselt auf ihn herab. Er ist von nun an ein berühmter und zu seiner Freude endlich auch ein gemachter Mann. Denn auch eine bestens dotierte Anstellung als Chefmathematiker und Philosoph bei Cosimo II. de Medici fällt für ihn ab.

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Stand: 30.04.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Galileo Galilei
Wissenschafts-Genie und Revolutionär

In den Krallen der Inquisition
Wie Galilei seinen Lehren abschwört

Karriere im Zick-Zack-Modus
Wie Galilei zum Forscher wurde

Galilei im freien Fall
Eine schiefe Ebene und noch viel mehr

Exkurs: Alles dreht sich – aber um was?
Geo- und heliozentrisches Weltbilder

Das Fernrohr enträtselt den Himmel
Wie Galilei die Astronomie voran bringt

Die Sonne im Visier
Galilei als Fan des heliozentrischen Weltbildes

Vom Forscher zum Ketzer
Galilei wird angeklagt

Showdown in Rom
Galilei vor Gericht

Galilei: ein Mythos bröckelt
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