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Bio ist nicht gleich Bio

Ein Name zwei Varianten

Die Vorsilbe Bio steht normalerweise für etwas Natürliches. Vielleicht stellen wir uns darunter, die Möhre aus biologischer Landwirtschaft vor, die nicht mit Pestiziden besprüht wurde und die nicht gentechnisch behandelt ist. Aber wie passt das Präfix Bio dann zum Kunststoff?

Mit der Herstellungsart hat es zumindest nur indirekt zu tun, denn chemisch hergestellt wird der Biokunststoff nach wie vor. Kunststoffe dürfen aus anderen Gründen die Vorsilbe „Bio“ tragen. Denn sie sind entweder aus biologischen Rohstoffen erzeugt oder biologisch abbaubar.

Ob ein Kunststoff Bio ist oder nicht, kann ein Laie kaum erkennen. © Alexas_Fotos/ pixabay

Schnell wachsen versus schnell zersetzen

Im Supermarkt gibt es inzwischen schon Wasserflaschen aus Biokunststoff. Sie sehen aus wie normaler Kunststoff und lediglich ein grünes Logo vom Hersteller deutet darauf hin, dass es sich hier um ein besonderes Produkt handelt. Denn die Basis der Flaschen bildet nicht nur Erdöl, sondern zusätzlich noch Zuckerrohr. Weil die Flaschen teilweise aus erneuerbaren Rohstoffen bestehen, nennt man sie biobasiert.

Das Ausgangsmaterial für diese Art von Plastik sind meistens Pflanzen wie Hanf, Weizen oder Zuckerrohr, wobei der Anteil der nachwachsenden Rohstoffe nicht festgeschrieben ist. Biobasierte Kunststoffe können aber auch aus tierischen Produkten, wie zum Beispiel Milch bestehen, da sich diese ebenfalls regenerieren. Die biobasierten Kunststoffe müssen nicht biologisch abbaubar sein, teilweise sind sie sogar genauso lange haltbar wie herkömmlicher Kunststoff.

Lediglich der Hinweis auf Verpackungen macht deutlich, ob es sich hier um einen Biokunststoff handelt. © Christian Gahle, Nova Institut/ creative commons

Das genaue Gegenteil hiervon bilden die biologisch abbaubaren Kunststoffe. Deren Ausgangsmaterial spielt für den Namen keine Rolle. Sie müssen aber zu mindestens 90 Prozent biologisch abbaubar sein. Das heißt Mikroorganismen können diese Kunststoffe soweit in ihre Grundbestandteile zerlegen, dass am Ende fast nur noch Wasser, Kohlendioxid und Biomasse übrig bleibt. Eine DIN-Norm schreibt dazu genau vor, unter welchen Bedingungen und in welchem genauen Zeitraum sich der Stoff zersetzen muss, damit er als biologisch abbaubar gilt.

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Abbaubarkeit versus Langlebigkeit

Wenn ein Kunststoff eines dieser Kriterien erfüllt, gilt er als Biokunststoff. Es gibt aber durchaus Kunststoffe, die beides leisten – die aus erneuerbaren Rohstoffen bestehen und biologisch abbaubar sind. Das sind zum Beispiel Stärkechips, die man als Verpackungsmaterial oder Kinderspielzeug kennt. Sie werden meistens aus Mais hergestellt.

Von den meisten Kunststoffen wird aber im Vergleich zu den Stärkechips auch Langlebigkeit und Stabilität erwartet. Da dies im Widerspruch zur biologischen Abbaubarkeit steht, haben den höchsten Marktanteil momentan Biokunststoffe, die nicht biologisch abbaubar sind. Dazu gehört zum Beispiel das Bio-PET 30, das teilweise aus Bioethanol hergestellt wird.

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Hanna Diewald
Stand: 14.10.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wundermaterial Biokunststoff
Nischenprodukt oder Werkstoff der Zukunft?

Bio ist nicht gleich Bio
Ein Name zwei Varianten

Vom Lebewesen zum Kunststoff
Die wundersame Verwandlung der Pflanzen und Abfälle

Plastik für die Ewigkeit?
Von zu langer Haltbarkeit und plastikfressenden Bakterien

Umstrittene Ökobilanz
Tatsächlich Bio oder doch nur greenwashing?

Vielseitiger Biokunststoff
Mehrwert für spezielle Anwendungsgebiete

Der komplizierte Weg des Biokunststoff
In welcher Tonne soll er landen?

Renaissance des Biokunststoff
Eine alte Idee wird neu entdeckt

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TU-Chemiker stellen Kunststoffe aus Abfällen her

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