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Umstrittene Ökobilanz

Tatsächlich Bio oder doch nur greenwashing?

Inwieweit Biokunststofftüten tatsächlich die Ökobilanz verbessern, ist umstritten. © VictorGroup_hofer

Weil Danone ihre Joghurtbecher als umweltfreundlich bezeichnete und Rewe und Aldi mit biologisch abbaubaren Kunststofftüten warben, mussten sie sich schon einigen Vorwürfen stellen. Die Werbung mit dem Einsatz von Biokunststoffen wird inzwischen häufig mit „greenwashing“ gleichgesetzt. Aber nutzen Biokunststoffe tatsächlich nur dem grünen Image der Firmen oder ist die Ökobilanz auch wirklich besser?

Obwohl nur die wenigsten Biokunststoffe zur Entmüllung der Meere beitragen, haben sie trotzdem umweltrelevante Vorzüge. Denn sie sparen Erdölreserven und werden als klimaneutral bezeichnet, weil bei der Verbrennung einer Verpackung nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanze beim Wachstum aufgenommen hat. In dieser Hinsicht werden die Biokunststoffe ihrer Vorsilbe also schon mal gerecht. Die neutrale oder gar positive Ökobilanz dieser Materialien ist trotzdem umstritten.

Monokulturen für die Bio-Flasche

In Brasilien, dem weltweit wichtigsten Lieferanten für Zuckerohr, wachsen die grünen Stängel auf über zehn Millionen Hektar Land. Damit ist die Gesamtgröße der Anbauflächen größer als ganz Portugal. Überwiegend in Monokulturen angebaut, bedeckt die Pflanze riesige Flächen, bevor sie von Hand oder mit Maschinen geerntet wird.

Die maschinelle Ernte und Weiterverarbeitung verschlechtert die Ökobilanz von Biokunststoffen. © charlesricardo/ pixabay

Obwohl der Anbau für Biokunststoff bisher einen geringen Anteil der Anbaufläche ausmacht, müssen sich die Produzenten mit ähnlichen Vorwürfen auseinandersetzen, wie die Biokraftstoff-Produzenten: Der Anbau konkurriert mit Nahrungsmitteln und die Ökobilanz ist schlechter als behauptet.

Denn der Anbau in Monokulturen gefährdet die Artenvielfalt und Ökosysteme. Umweltverbände kritisieren außerdem, dass die vielen Zuckerrohrfelder zum Teil Kleinbauern verdrängen, die dann in bewaldete Regionen ausweichen, wodurch auch der Regenwald indirekt gefährdet wird. Zudem wird auch für den Anbau, die Ernte und die Weiterverarbeitung in der Bioraffinerie Energie aufgewendet und damit CO2 ausgestoßen. Chemische Düngemittel sorgen außerdem dafür, dass Lachgas in die Atmosphäre abgegeben wird, das ebenfalls zum Klimawandel beiträgt. Komplett klimaneutral ist biobasierter Kunststoff also nicht.

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Der Bedarf wächst

Bisher wird zwar der Großteil der Pflanzen zu Zucker, Cachaça und Biokraftstoff verarbeitet, doch wenn der Biokunststoffanteil wie erwartet wächst, werden deutlich mehr Anbauflächen benötigt. Brasilien ist auch der Hauptlieferant des Großkonzern Coca Cola, der das Zuckerrohr zu Bio-PET 30 verarbeitet. Dieser verweist allerdings darauf, dass besonders zuckerrohrbasiertes Bio-Ethanol als ökologisch und nachhaltig gilt und dass Coca Cola ihre Pflanzen überwiegend auf bisher ungenutzten Agrarflächen anbaut.

Trotzdem sucht der Hersteller parallel nach anderen Pflanzen, die auch weltweit angebaut werden können. Denn auch der Bedarf des Konzerns wird wachsen, da das Unternehmen zusammen mit anderen Firmen an einer 100 Prozent biobasierten Flasche arbeitet.

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Hanna Diewald
Stand: 14.10.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wundermaterial Biokunststoff
Nischenprodukt oder Werkstoff der Zukunft?

Bio ist nicht gleich Bio
Ein Name zwei Varianten

Vom Lebewesen zum Kunststoff
Die wundersame Verwandlung der Pflanzen und Abfälle

Plastik für die Ewigkeit?
Von zu langer Haltbarkeit und plastikfressenden Bakterien

Umstrittene Ökobilanz
Tatsächlich Bio oder doch nur greenwashing?

Vielseitiger Biokunststoff
Mehrwert für spezielle Anwendungsgebiete

Der komplizierte Weg des Biokunststoff
In welcher Tonne soll er landen?

Renaissance des Biokunststoff
Eine alte Idee wird neu entdeckt

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