Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 04.02.2012
Gen-Schweine als Organspender?
Tierisches Gewebe vor menschlichen Abwehrzellen geschützt
Ein internationales Wissenschaftlerteam hat genetisch veränderte Schweine erzeugt, deren Zellen erstmals vor der Zerstörung durch natürliche menschliche Killerzellen, das sind wichtige Immunfaktoren, geschützt sind. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um in Zukunft Schweine als Organspender für Menschen einsetzen zu können. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Transplantation“.

Schwein
Schwein
© Dieter Lohmann
Eine neue Auswertung der Deutschen Stiftung Organtransplantation hat gezeigt, dass immer weniger Menschen im Todesfall ihre Organe spenden. Bundesweit starben deshalb im vergangenen Jahr rund tausend der Patienten auf der Warteliste, etwa 12.000 Menschen sind derzeit noch auf der Suche nach einem Spenderorgan. Eine Möglichkeit, diesen dramatischen Mangel zu kompensieren, könnte die Transplantation von tierischen Geweben oder Organen sein.

Schwein bester Spenderorganismus
Das Schwein gilt als der am besten geeignete Spenderorganismus, wobei auch hier wie bei jeder Übertragung von Gewebe zwischen verschiedenen Arten komplexe Abstoßungsmechanismen überwunden werden müssen.

Das Immunsystem des Menschen soll den Organismus vor Eindringlingen schützen. Deshalb wird auch transplantiertes Gewebe meist bis zur vollständigen Zerstörung attackiert. Vor allem nach einer Xenotransplantation, also der Übertragung artfremden Gewebes, kommt es zu einer überschießenden Reaktion der Körperabwehr. In erster Linie sind es die natürlichen Killerzellen, kurz NK-Zellen, die körperfremde oder auch infizierte Zellen schnell und effizient eliminieren.

Forscher „optimieren“ Schweine
Weltweit arbeiten im Moment mehrere Forschergruppen daran, Schweine durch gezielte Veränderungen im Erbgut als Organspender geeignet zu machen. Das internationales Team um Professor Elisabeth Weiss vom Biozentrum und Professor Eckhard Wolf vom Genzentrum der Universität München konnte nun genetisch veränderte Schweine erzeugen, deren Zellen vor der Zerstörung durch NK-Zellen geschützt sind. Die Aktivität dieser Immunzellen wird durch Rezeptoren an ihrer Oberfläche gesteuert.

So tragen gesunde körpereigene Zellen so genannte MHC Klasse-I-Moleküle an ihrer Oberfläche, die wiederum an hemmende Rezeptoren der NK-Zellen binden. Die Folge davon: Eine Aktivierung der Abwehrzellen wird verhindert, die gesunden Körperzellen werden nicht angegriffen. An der Oberfläche von Schweinezellen befinden sich ebenfalls MHC Klasse-I-Moleküle, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Molekülstruktur aber nicht an die hemmenden menschlichen NK-Rezeptoren binden können - und in Folge davon zerstört werden.

Transplantation tierischer Organe rückt näher
Die genetisch veränderten Schweine tragen an der Oberfläche ihrer Köperzellen aber das menschliche MHC Klasse-I-Molekül HLA-E. „Wir haben diese Zellen zusammen mit aktivierten menschlichen NK-Zellen kultiviert“, berichtet Weiss. „Sie sind zum größten Teil unversehrt geblieben. Normale Schweinezellen werden bei diesem Experiment dagegen fast vollständig zerstört.“

Professor Bruno Reichart, Sprecher der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe „Xenotransplantation“ sieht in diesem Ergebnis einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Transplantation tierischer Organe.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Schweine, Organe, Gewebe, Zellen, DNA, Gene, Erbgut, Tiere, Transplantation, Xenotransplantation, Medizin, Biotechnologie, Krankheiten
Weitere News zum Thema
La Nina förderte Influenza-Pandemien (17.01.2012)
Vier größte Grippewellen entstanden nach besonders starken Wetteranomalien
Antibiotika im Tierfutter aktivieren genübertragende Viren (29.11.2011)
Gentransfer erhöht die Gefahr der Resistenzverbreitung
Fast alle Masthähnchen bekommen Antibiotika (16.11.2011)
Studie: 96,4 Prozent der Tiere mit Medikamenten behandelt
Vitamin B12-Mangel erhöht Demenzrisiko (27.09.2011)
Forscher weisen Zusammenhang mit Schrumpfung des Gehirns und geistigem Abbau nach
Vitamin B12-Mangel erhöht Demenzrisiko (27.09.2011)
Forscher weisen Zusammenhang mit Schrumpfung des Gehirns und geistigem Abbau nach
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
DNS-Scanner
Genetik
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Molekulare Motoren
Protein-„Maschinen“ als Triebfeder des Lebens
News des Tages
DNA-Sensor alarmiert bei Erbgut-Invasion
Neues Elementarteilchen nachgewiesen
Gen-Schweine als Organspender?
Emiliania huxleyi ist Alge des Jahres
Keine Entwarnung beim Feinstaub
Rote Karte für Modedroge "Spice"
Bücher zum Thema
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Die Geschichte der Medizin
Von der Antike bis zur Gegenwart von Bernt Karger-Decker
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Die Genomfalle
Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen von Ursel Fuchs
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Pythons gefährden Säugetiere der Everglades
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Spinnen: Mehr Nachwuchs durch Selbst-Kastration
5. Light-Limonaden erhöhen Schlaganfall-Risiko