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Donnerstag, 19.10.2017
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Radon gefährlicher als gedacht?

BfS stellt neue Ergebnisse der deutschen Uranbergarbeiterstudie vor

Radon erhöht nicht nur das Lungenkrebsrisiko deutlich. Das radioaktive Edelgas kann auch die Gefahr geringfügig steigern, an anderen Tumoren zu sterben. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung der weltweit größten Bergarbeiterstudie durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Krebszellen

Krebszellen

Statistisch signifikant nachweisbar sei die Risikoerhöhung aber nur bei sehr hohen Gesamtradonbelastungen, wie sie heute im Bergbau nicht mehr auftreten, so ein Sprecher des BfS. Für einzelne Krebsarten lasse sich die Risikoerhöhung bislang statistisch aber nicht belegen.

Wismut-Studie liefert neue Erkenntnisse


Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Radon Lungenkrebs verursacht. Die jetzt in der Fachzeitschrift „British Journal of Cancer“ veröffentlichten Analysen gingen nun speziell der Frage nach, ob außer Lungenkrebs auch andere bösartige Krebserkrankungen durch das Einatmen von Radon verursacht werden können.

Bisherige Studien, darunter die gemeinsame Auswertung von elf Bergarbeiterstudien aus sieben Ländern, ergaben keine Hinweise für einen solchen Zusammenhang. Viele Studien waren aber zu klein oder in der Zusammensetzung der Bergleute zu heterogen, um aussagekräftig zu sein. Die Studie in dem ehemaligen ostdeutschen Uranbergwerk Wismut ist mit 59.000 Bergarbeitern in etwa gleich groß wie die anderen elf Studien zusammen. Die Wismut-Studie weist eine größere Bandbreite an Strahlenbelastungen auf, einen deutlich längeren Beobachtungszeitraum und eine größere Anzahl an Krebstodesfällen.


„Diese Studie stellt deshalb einen entscheidenden Fortschritt dar in der Bewertung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Radon und dem Risiko für bösartige Tumoren außerhalb der Lunge“, sagte der BfS-Sprecher.

3.000 Lungenkrebsfälle


Mit der Wismut-Studie hat das BfS 59.000 Männer erfasst, die zwischen 1946 und 1989 bei dem ehemaligen Uranerzbergbaubetrieb in Thüringen und Sachsen beschäftigt waren. Bis Ende 2003 wurden neben 3.000 Lungenkrebsfällen weitere 3.340 Todesfälle an anderen bösartigen Krebserkrankungen registriert.

Für diese anderen bösartigen Tumoren insgesamt stieg das Risiko proportional in Abhängigkeit von der Gesamtradonbelastung. Der beobachtete Risikoanstieg ist aber laut dem BfS relativ gering. Das Risiko für Lungenkrebs ist beispielsweise 15fach höher.

Statistisch signifikant nachweisbar ist die Risikoerhöhung für bösartige Tumoren außerhalb der Lunge insgesamt erst bei Gesamtradonbelastungen, die etwa zehnmal so hoch sind, wie die derzeit zulässige berufliche Lebenszeitdosis. Solche Radonbelastungen sind selbst in den frühen Jahren des Bergbaus nur relativ selten aufgetreten.

Risikoanstieg bei vielen Krebsarten registriert


Bei fast allen der 18 untersuchten spezifischen Krebsarten wurde nach Angaben des BfS ein Risikoanstieg beobachtet. Die höchsten Risiken gab es für Tumoren der Mundhöhle, des Rachenraums und der Leber. Unklar bleibt allerdings, ob die beobachteten Risikoerhöhungen für jede einzelne Krebsart im Bereich der normalen Zufallsschwankung liegen oder nicht.

Nach den Ergebnissen der Studie kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil Gefahr durch andere Belastungen wie Feinstaub, Quarzfeinstaub und Arsen erklärbar ist. Nachdem der Beobachtungszeitraum um weitere fünf Jahre bis Ende 2008 verlängert wurde, versprechen sich die Wissenschaftler in Bezug auf einzelne Tumorarten Ergebnisse, die belastbarer sind. Diese Resulate werden 2011 vorliegen.
(idw - Bundesamt für Strahlenschutz, 17.12.2008 - DLO)
 
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