• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 21.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Nanomotor mit „High-Speed“

Silber-Gold-Legierung macht Wasserstoffperoxid-getriebenes Nanostäbchen besonders schnell

Nanoroboter, die in den Körper geschleust werden, um Tumorzellen zu beseitigen oder verstopfte Arterien freizuräumen, sind keine Science-Fiction, sondern eine realistische Möglichkeit in einer nicht allzu fernen Zukunft. Um solche Nanomaschinen anzutreiben, werden jedoch leistungsfähige Nanomotoren benötigt. Ein amerikanisches Forscherteam hat nun extrem schnell schwimmende Nanostäbchen entwickelt.
Nanostäbchne aus Gold, eine Vorstufe zu den beschleunigten Nanomotoren

Nanostäbchne aus Gold, eine Vorstufe zu den beschleunigten Nanomotoren

Die Vorwärtsbewegung durch eine Flüssigkeit ist aber nicht so trivial, wie man annehmen mag. Eine mögliche Bauart für Nanomotoren, die dies beherrschen, sind Nanodrähte, die die Erzeugung ihres Treibstoffs selbst katalysieren. Es handelt sich dabei um nanoskopische Stäbchen, deren Enden aus zwei verschiedenen Metallen bestehen. Anders als makroskopische Motoren haben sie keinen Tank, sondern bewegen sich in einem Medium, das einen geeigneten Treibstoff enthält. Die „Klassiker" sind Gold-Platin- Nanostäbchen, die mit Wasserstoffperoxid als Treibstoff etwa 10 bis 20 Mikrometer pro Sekunde zurücklegen.

Silber-Gold-Legierung sorgt für Speed


Ein Team aus Wissenschaftlern um Joseph Wang von der University of California in San Diego und der Arizona State University hat die Nanostäbchen-Motoren nun dramatisch beschleunigt: Geschwindigkeiten oberhalb von 150 Mikrometer pro Sekunde werden erreicht, wenn die bisherige Gold-Hälfte durch ein Segment aus einer Silber-Gold-Legierung ersetzt ist. „Diese Nanostäbchenlegen etwa das 75fache ihrer eigenen Länge in einer Sekunde zurück," berichten Joseph Wang und seine Kollegen in der Zeitschrift Angewandte Chemie. „Damit nähern wir uns der Geschwindigkeit der effektivsten biologischen Nanomotoren an, zu denen zum Beispiel begeißelte Bakterien gehören."

Wie funktioniert dieser Nanomotor? Das Platin-Segment katalysiert die Spaltung des Wasserstoffperoxids (H2O2) in Sauerstoff (O2) und Protonen (H+). Es nimmt die überschüssigen Elektronen auf. Diese wandern in das Silber- Gold-Segment, wo sie die Reduktionsreaktion von H2O2 und Protonen zu Wasser anzukurbeln. Die Freisetzung von Sauerstoff und Wasser erzeugt eine kleine Strömung, die das Nanoröhrchen durch die Flüssigkeit treibt, die Platin-Seite voran. „Die Silber-Gold-Legierung sorgt dafür, dass die Elektronen rascher übertragen werden," erklärt Wang. „Damit läuft die Zersetzung des Treibstoffs schneller ab und das Stäbchen wird entsprechend stärker beschleunigt."


Anwendung für beschleunigten Wirkstofftransport


Die Geschwindigkeit der Stäbchen kann durch den Silberanteil der Legierung maßgeschneidert werden. „Treibstoffzusätze oder eine Variation des Platin-Segments werden die Stäbchen noch schneller machen," erwartet Wang. Erste einfache Anwendungen von Nanomotoren könnten der beschleunigte Transport von pharmazeutischen Wirkstoffen zu bestimmten Zielorten im Körper sein oder das Schleusen von Analytmolekülen durch die winzigen Kanäle von Diagnostiksystemen im Mikrochipformat.
(Angewandte Chemie, 03.11.2008 - NPO)
 
Printer IconShare Icon