Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Auch Urzeitfische hatten schon Finger
Finger keine Neuerfindung der ersten landlebenden Vierbeiner
Finger sind keine Neuerfindung von landlebenden Vierbeinern, wie bisher angenommen. Stattdessen besaßen auch die urzeitlichen Fische, aus denen die Tetrapoden hervorgingen, bereits rudimentäre Fingeranlagen in ihren Flossen. Dies haben neue Untersuchungen eines fossilen Fisches ergeben. Diese jetzt in „Nature“ veröffentlichten Erkenntnisse wiederlegen damit eine lange Zeit gültige Theorie.

Zebrafisch
Zebrafisch
© rechtefrei Zebrafisch
Die ersten vierbeinigen Landtiere, die Tetrapoden, entwickelten sich vor rund 380 Millionen Jahren aus Fischen. Sie gelten als die Vorfahren aller Vögel und Säugetiere und sind damit auch unsere „Urahnen“. Lange Zeit glaubten Wissenschaftler, dass diese Urfische zwar Flossen aber keine Finger hatten. Erst die ersten Tetrapoden, so die Hypothese, entwickelten fingerähnliche Extremitäten.

Keine Finger beim Zebrafisch
Ausgangspunkt dieser Annahme waren unter anderem genetische Analysen an Zebrafischen, die als entfernte Verwandte der Fischgruppe gelten, aus denen damals die Landtiere hervorgegangen waren. Wissenschaftler verglichen die Gene, die für die Zebrafisch-Flossen verantwortlich sind mit denen, die die Entwicklung der Extremitäten in Mäusen steuern. Dabei stellte sich heraus, dass den Fischen ein wichtiger Teil der genetischen Mechanismen fehlte, die für die Fingerentwicklung nötig sind. Aber hieß das auch, dass den unmittelbaren Vorfahren der Landgänger diese ebenfalls fehlten?

Zunächst schien die Untersuchung von fossilen Panderichthys, einem urzeitlichen Fisch, der als Bindeglied zwischen Fischen und Tetrapoden gilt, dies zu bestätigen, denn es wurden keine Ansätze von Fingerknochen in deren Flossen gefunden.

Urzeitfisch im Computertomografen
Doch eine neue Studie von Wissenschaftlern der Uppsala Universität in Schweden hat dies nun widerlegt. Mithilfe eines Computertomografen untersuchten sie erneut den fossilen Panderichthys und rekonstruierten ein dreidimensionales Abbild des Tieres. Dabei entdeckten die Forscher tatsächlich zuvor übersehene Rudimente von Fingern in den Flossen. Ähnliches wurde vor zwei Jahren auch für ein weiteres Zwischenglied, den bereits Tetrapoden-ähnlicheren Tiktaalik, nachgewiesen.

Zusammen mit der Tatsache, dass auch heutige, zu relativ ursprünglichen Fischgruppen gehörende Arten, Fingerrudimente besitzen, legt dies nach Ansicht der Autoren den Schluss nahe, dass Finger keine Neuerfindung der Tetrapoden gewesen sein können. „Dies war ein Schlüsselstück des Puzzles, das bestätigt, dass rudimentäre Finger auch schon in den Vorfahren der Tetrapoden präsent waren“, erklärt Catherine Boisvert, Hauptautorin der Studie.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Fische, Finger, Tetrapoden, Evolution, Fossilien, Vierbeiner, Zebrafische, Paläontologie, Gene, Landtiere, Mäuse
Weitere News zum Thema
Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten tiefer tauchen (09.02.2012)
Wärmeres Waser zwingt Robben zu verändertem Verhalten
Frühes Füttern fester Nahrung hält Kinder schlank (08.02.2012)
Vorliebe für gesunde Nahrung wird schon im Säuglingsalter geprägt
Modellvergleich soll Klimafolgen besser abschätzen (08.02.2012)
Besseres Fundament für Weltklimabericht 2014
Blick ins Hirn verrät Abschneiden im Reaktionstest (07.02.2012)
Hirnaktivität kann voraussagen, wie gut jemand ein Videospiel beherrscht
Übergewicht ist ein Risikofaktor für Krebs (03.02.2012)
Auswirkungen ähnlich stark wie beim Rauchen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Fossilien
Nobody is perfect
DNS-Scanner
Eisfische
Genetik
Dossiers zum Thema
Lebende Fossilien
Überlebenskünstler oder Auslaufmodelle der Evolution?
Eisfische
Rätselhafte Meeresbewohner „ohne Blut“
Spurensuche im Dinoreich
Neues über T.rex, Brachiosaurus & Co
Mammuts
Eiszeitgiganten zwischen Mythos und Wiedergeburt
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
Die Grammatik des Lebens
Wie fügt die Natur einzelne Teile zum Großen Ganzen?
Gott oder Darwin?
Der Kreationismus auf dem Vormarsch
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Gruppen, Rudel, Schwärme
Viele sind besser als einer
News des Tages
Auch Urzeitfische hatten schon Finger
Meeresspiegel der Ostsee steigt immer schneller
Alzheimer-Plaques machen Hirnzellen hyperaktiv
Menschheit lebt ab jetzt auf Pump
Bald neue Nano-Laser?
Savanne: Feuer wichtiger als Regen?
Käfer-Parasit mit ungewöhnlichen Genen
Bücher zum Thema
Der Fisch in uns
Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers von Neil Shubin
Abenteuer Evolution
Die Ursprünge des Lebens von Walter Kleesattel
Das ist Evolution
von Ernst Mayr
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Fantastisches Tierreich
Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Archaeopteryx
Der Urvogel von Solnhofen von Peter Wellnhofer
Expedition Tiefsee
von Gregor Rehder
Unter Wasser
von Bill Curtsinger
Das geheime Leben der Tiere
Ihre unglaublichen Fahigkeiten, Leistungen, Intelligenz und magischen Kräfte von Ernst Meckelburg
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes