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Dienstag, 30.05.2017
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Schwindende Regenwälder schaden auch den Bauern

Vorkommen nützlicher Insekten für Bestäubung und Schädlingskontrolle ist bedroht

Die Umwandlung tropischer Regenwälder in intensiv genutzte Agrarflächen verändert nicht nur den Lebensraum. Sie ruft auch dramatische Änderungen in den Nahrungsnetzen der Ökosysteme hervor. Bedroht ist damit auch das Vorkommen nützlicher Insekten, die mit der Bestäubung von Kulturpflanzen und der Schädlingsbekämpfung wichtige ökosystemare "Dienstleistungen" auch für die Landwirtschaft erbringen. Das berichten Wissenschaftler jetzt in der Zeitschrift „Nature“.
Der Agrarökologe Jason Tylianakis von der Universität Göttingen hat dazu gemeinsam mit Kollegen der Universität von Oxford in Ecuador mehrere tausend Bienen- und Wespennester untersucht. Dabei konnte er zum ersten Mal zeigen, wie sich die Wechselwirkungen zwischen diesen Organismen und ihren natürlichen Gegenspielern durch Landnutzung verändern..

Regenwald in Ecuador

Regenwald in Ecuador

Bauern abhängig von ökologischen „Dienstleistungen“


Wie Tylianakis erläutert, resultieren Nahrungsnetze aus den Interaktionen verschiedener Arten untereinander und mit ihrer Umgebung. Sie bilden die Basis für Struktur und Funktion von Ökosystemen. Wie sich diese Nahrungsnetze entlang unterschiedlicher Landnutzungssysteme verändern können, haben die Agrarökologen umfassend quantitativ beschrieben.

So zeigen ihre Forschungen, dass in unbeschatteten Landschaften wie beweidetes Grünland oder Reisanbauflächen eine Schlupfwespen-Art dominiert. Sie ist ein "Feind" der Bienen und Wespen, deren Bestand hier weitaus stärker gefährdert ist als im schattenreichen Kaffee-Agroforst oder Regenwald. "Viele arme Bauern in Ecuador sind abhängig von den kostenlosen ,Dienstleistungen' der Bienen und Wespen für Bestäubung und Schädlingskontrolle. Die Vernichtung der Regenwälder und das Aussterben nützlicher Insekten bedroht auch die landwirtschaftliche Produktion", betont Tscharntke.


Die Mischung macht’s


Der Göttinger Wissenschaftler fordert daher eine nachhaltige Landwirtschaft, die die zentralen Prozesse der Nahrungsnetze berücksichtigt: "Der Kaffeeanbau in Agroforstsystemen zeigt, dass eine Verknüpfung von landwirtschaftlicher Produktion und Naturschutz möglich ist." Nach den Worten von Owen Lewis darf dies jedoch kein flächendeckendes Instrument der Landbewirtschaftung werden.

"Obwohl Nahrungsnetze im Kaffee-Agroforst denen eines Regenwaldes ähneln, sollte die Naturschutz-Bedeutung solcher Landnutzungssysteme nicht überbewertet werden. Wie andere tropische Länder auch ist Ecuador gekennzeichnet durch eine bunte Mischung aus Regenwald-Resten und anderen Formen der Landnutzung. Wenn eine ganze Landschaft für Kaffeeanbau umgewandelt wird, kann dies dramatische ökologische Auswirkungen haben", warnt der britische Forscher.
(Universität Göttingen, 12.01.2007 - NPO)
 
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