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Sonntag, 23.07.2017
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Schwindende Nacht über dem Alpenraum

Alpine Nachtlandschaften der 1970er Jahre erstmals rekonstruiert

Die Nacht in den Alpen wird immer heller: Ein Vergleich von Satellitenbildern aus den 1970ern und aus dem Jahr 2000 hat die markante Zunahme der nächtlichen Beleuchtung in den Ballungsräumen am Alpenrand, aber auch in bis dahin kaum erhellten Gebirgsräumen aufgezeigt.
Nachthelligkeit der Alpen 1979

Nachthelligkeit der Alpen 1979

Die technischen Möglichkeiten, die nächtlichen Lichtquellen im Alpenraum zu erfassen, sind beschränkt. Einzig der Satellit des „Defense Meteorological Satellite Programms (DMSP)“, der Wettersatellit des US-amerikanischen Militärs, zeichnet Daten nachts im sichtbaren Bereich auf. Der DMSP-Satellit überfliegt Europa ein- bis zweimal pro Nacht. Um die durchschnittliche Beleuchtung des Alpenraums darzustellen, hat die Wissenchaftlerin Katia Maus im Projekt „Fiat Lux!“ des Schweizerischen Nationalen Forschungsprogramms „Landschaften und Lebensräume der Alpen“ die wolkenfreien Nächte bei Neumond herausgesucht und zusammengestellt und verglichen.

Mehr und helleres Licht


Da die Daten für die Nächte der 1970er-Jahre nur in Bildform, noch nicht digital vorlagen, bereitete Maus diese Bilder auf und erweiterte damit den Zeithorizont für die Auswertung entsprechender Daten um Jahrzehnte. So gelang es, ein Bild der nächtlichen Alpen Ende der 1970er-Jahre zu zeigen, wie es bisher nicht bekannt war. Gleichzeitig ermöglicht dieses Verfahren, auch die Entwicklung der alpinen Nachtlandschaft darzustellen und auszuwerten.

Es zeigte sich, dass die nächtliche Beleuchtung in den letzten beiden Jahrzehnten markant zugenommen hat. Die größten Veränderungen waren dabei in den Alpenrandgebieten, besonders in den Verdichtungszonen im Raum Mailand-Po-Ebene oder im schweizerischen Mittelland zu beobachten. Einst einzelne Inseln starker Beleuchtung sind zu ganzen Beleuchtungsteppichen zusammengewachsen. Die besonders stark beleuchteten Flächen haben sich im Zeitraum 1992-2000 verdoppelt. Zudem hat nicht nur die Grösse der beleuchteten Fläche zugenommen, sondern auch deren Intensität. Auch im Innern der Gebirgsräume ist die Nacht heller geworden. Gebiete, die früher nur punktuell oder gar nicht beleuchtet waren, sind im Jahre 2000 zusammenhängend flächenhaft erhellt.


Motorisierung und Dauerbeleuchtungen als Ursache


In der historischen Analyse des „Fiat Lux!“-Projekts zeichnete der Forscher Marco Marcacci die Kulturgeschichte der Beleuchtung im Tessin des 20. Jahrhunderts nach und identifizierte dabei die wichtigsten Faktoren, die zur Erhellung der Alpennacht beigetragen haben. Allein die Zahl der Straßenbeleuchtungen habe sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzehnfacht. Sie spiegelt zum einen die Motorisierung, die individuelle und kollektive Mobilität und die Ausdehnung der Siedlungen wider, zum anderen aber auch den Willen, mit der Beleuchtung Wohlstand und Fortschritt sichtbar zu machen.

Die kommerzielle Beleuchtung setzte seit den 1940er-Jahren ein und gewann seit 1960 mit intensiv und auffällig beleuchteten Tankstellen schnell an Bedeutung. Jüngeren Datums ist die permanente und integrale Lichtinszenierung von Baudenkmälern wie Kirchen, Burgen, Plätzen oder Altstädten sowie von Einkaufszentren und großen Baustellen. Im Sport- und Freizeitbereich sind es vor allem die Fussball- und Leichtathletikarenen, welche die Nachtbeleuchtung beherrschen. Hier hat vor allem das Fernsehen zur rasanten Entwicklung beigetragen, die seit 1970 mit der Einführung des Farbfernsehens die Anforderungen an die Ausleuchtung der Anlagen kontinuierlich erhöhte. Abend- und Nachtanlässe von Trendsportarten wie Nachtskifahren oder Snowboarden tragen speziell zur Beleuchtung in der alpinen Zone bei.
(Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, 14.11.2005 - NPO)
 
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