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Freitag, 10.02.2012
Keine Panik vor Giftalgen im Mittelmeer
WWF: Schaden primär für Meeresumwelt
Angesichts der aktuellen Algenpest vor der italienischen Küste warnt die Umweltorganisation WWF davor, unnötige Panik unter den Küstenbewohnern und Mittelmeer-Urlaubern zu schüren. Zwar seien die gesundheitlichen Auswirkungen giftiger Algenblüten nicht zu unterschätzen, allerdings sollte man nicht jeden Krankheitsfall voreilig auf die Algen zurückführen.

Mittelmeer
Mittelmeer
© NASA/GSFC
Statt spontaner Panikmache wie beim aktuellen Hepatitis-Alarm in Genua forderten die Umweltschützer sinnvolle und langfristige Präventivmaßnahmen gegen gefährliche Algen, die der Meeresumwelt schaden. „Die Gesundheit der Menschen sollte bei einer akuten Algenplage vorrangig sichergestellt werden. Algen sind aber keine Überträger von Hepatitis-Viren. Das ist absoluter Quatsch. Richtig ist, dass Abwässer, die ins Meer eingeleitet werden, Auslöser sowohl für Algenblüten als auch für Hepatitisfälle sind“, sagt Stephan Lutter, Meeresbiologe beim WWF Deutschland.

Nährstoffeinleitungen verringern
Ausgeprägte Frühwarnsysteme und vorübergehende Badeverbote sorgten in der Regel dafür, dass die Menschen an den Küsten vor leichteren Vergiftungen durch Algen sicher sind. Diese gehen meist mit Übelkeit, Durchfall und Schwindel einher, nachdem Algengifte beim Baden oder durch den Verzehr von Fischen und Muscheln in größeren Mengen aufgenommen wurden. Algenblüten schadeten in allererster Linie der Meeresumwelt, stellte der WWF klar.

Angesichts der immer häufiger auftretenden Algenteppiche müsse daher die massive Einleitung von Nährstoffen aus industriellen und kommunalen Abwässern sowie aus der Landwirtschaft gezielt bekämpft werden. Nährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff- und Phosphorverbindungen begünstigten besonders starke Algenblüten.

Auch Ostsee drohte Algenteppich
In den vergangenen Wochen fürchteten Meeresexperten, dass sich ein riesiger Blaualgenteppich, der vor der schwedischen Ostseeküste trieb, auch auf die deutsche Ostsee ausweiten könnte. Aufgrund einer Schlechtwetterfront mit viel Wind, Regen und niedrigen Temperaturen hatte sich der Algenteppich Ende letzter Woche jedoch weitgehend aufgelöst. Cathrin Münster vom WWF-Projektbüro zum Schutz der Ostsee in Stralsund: „Die Gefahren der meist giftigen Blaualgen für die Ostsee dürfen nicht unterschätzt werden.“ Die giftigen Stoffe würden von Fischen, Muscheln, Vögeln und Säugetieren aufgenommen und führten bei den Tieren zu Geschwüren, Lähmungen, Bewusstlosigkeit und Entzündungen. Bei früheren Blaualgenblüten war es dadurch zu einem Massensterben unter den Fischen gekommen.

Algenblüten sind eigentlich ein natürliches Phänomen. Kommen allerdings mehrere begünstigende Faktoren zusammen, wie extrem lange Hitzeperioden, Windstille, starke Sonneneinstrahlung und Nährstoffüberlastung des Gewässers, bilden sich an der Wasseroberfläche riesige und für das Ökosystem schädliche Algenteppiche. Beim Absterben wird extrem viel Sauerstoff verbraucht und giftiger Schwefelwasserstoff gebildet, der allen Organismen in der Ostsee schadet.
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