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Donnerstag, 23.03.2017
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Älteste Schädelfunde Europas datiert

Zähne halfen bei Radiokarbondatierung der Mladec-Fossilansammlung

Vor mehr als 100 Jahren wurden in den Mladec Höhlen in der Tschechischen Republik menschliche Schädelfragmente entdeckt. Klar war sehr schnell, dass es sich um Fossilien von Frühmenschen handelt, unklar aber, wie alt die Fragmente genau sind, denn es gab nur ungenaue Datierungen. Jetzt haben sich die Funde als die ältesten Schädelteile des frühen modernen Menschen in Europa entpuppt.
Frühmensch

Frühmensch

Ein Team des Museums für Naturgeschichte in Wien, der Universität Wien und der Washington Universität in St. Louis hat kürzlich die erste direkte Datierung des Materials durchgeführt und berichtet die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature. Verschiedene vorherige Versuche, die Mladec-Fossilien mithilfe der Radiokarbonmethode zu datieren, waren zuvor bereits fehlgeschlagen. Doch jetzt nutzten die Forscher die Zähne als Datierungsmaterial und waren erfolgreich.

“Die Datierungsergebnisse dokumentieren, dass diese Proben so alt sind, wie wir es vermutet haben”, erklärt Maria Teschler-Nicola vom Museum für Naturgeschichte in Wien. Die Mladec-Proben sind rund 31.000 Jahre alt und damit die älteste Ansammlung von Skelettteilen des frühen modernen Menschen in Europa. Nur zwei Funde von einem Ort in Rumänien sind mit 35.000 Jahren älter, umfassen aber weniger Knochenteile und Individuen. In Mladec handelt es sich nach Schätzungen der Wissenschaftler um die Relikte von mindestens fünf bis sechs Individuen darunter Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder mit Schädel-, Kiefer- und anderen Knochen.

Die Mladec-Funde spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Erforschung der Ursprünge des modernen Menschen und des Schicksals der Neandertaler. Die Knochenfunde werden allgemein als Relikte des frühen modernen Menschen angesehen, es gibt aber Diskussionen darüber, ob sie auch archaische Züge tragen und damit Hinweise auf zumindest einen Anteil von Neandertalervorfahren geben oder ob sie morphologisch allein den heutigen Menschen ähneln und damit eine Verbreitung des modernen Menschen über ganz Europa zeigen. Die Radiokarbon-Datierung der Mladec-Relikte bestätigt nun immerhin, dass die Knochen tatsächlich aus der Zeit des mittleren bis späten Aurignacian Zentraleuropas stammen.
(Washington University in St. Louis, 23.05.2005 - NPO)
 
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