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Freitag, 20.10.2017
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Klimawandel bedroht Wälder

Globale Erwärmung verändert Artenzusammensetzung

Die Wälder in Mittel- und Nordeuropa werden sich in den nächsten Jahren erheblich verändern. Nach Ansicht von Professor Hartmut Graßl vom Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften in Hamburg führt die globale Erwärmung und die damit verbundene Verschiebung der Klimazonen dazu, dass manche Waldflächen ganz verschwinden und andere durch andere Baumarten ersetzt werden.
Baumkronen im Laubwald

Baumkronen im Laubwald

„Die bevorstehenden globalen Klimaänderungen verursacht durch den Menschen radieren den jetzigen Standort einer bestimmten Baumart aus. Ganz schlicht, ist nicht überspitzt formuliert, denn sie werden, wenn sie nicht selbst eingreifen als Menschen bestimmte Baumarten in bestimmten Regionen nicht mehr halten können, da wo sie früher natürlicherweise als die Baumart vorgekommen sind“, so Graßl anlässlich eines Festkolloquiums zu seinem 65. Geburtstag in Hamburg.

Als Resumee seiner 40-jährigen Wissenschaftlerkarriere forderte Graßl die internationale Staatengemeinschaft auf, Klimaschutz endlich ernsthaft zu betreiben, zumal dies nach seiner Einschätzung ohne Einschränkung des Lebensstandards möglich sei.

Sogar der Prozess der raschen natürlichen Klimaänderungen in einem Jahrtausend wird durch den Einfluss den Menschen auf ein Jahrhundert und damit auf das zehnfache beschleunigt. Damit ist für bestimmte Pflanzenarten die Anpassung nicht mehr möglich, sagte Graßl.


Zustand der Wälder "alarmierend"


Die Forstwirte stehen international vor einer sehr schweren Aufgabe, denn niemand kann derzeit sagen, welche Baumart an welchem Standort in einem halben Jahrhundert angepasst sein wird. Alleine 25 Prozent der Fläche der Bundesrepublik sind von diesen Auswirkungen der Klimaänderung betroffen, so hat die Bundesregierung den Zustand der deutschen Wälder in ihrem jüngsten Waldschadensbericht als "alarmierend" eingestuft.

Nicht nur das Klima direkt, in Folge von am Ort veränderten Temperaturen und Niederschlägen, sondern auch daraus folgende Umweltveränderungen, wie Schädlingsbefall und veränderte Grundwasserpegel machen den Wäldern zu schaffen.

Die jährlichen Schäden durch "Globale Klimaänderungen" werden derzeit auf 100 Milliarden bis zu Billionen Euro geschätzt. Die Kosten für den Klimaschutz betragen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit zehn bis 30 Prozent nur einen Bruchteil der sonst anfallenden Schadenssummen.

Kyoto-Protokoll ist nicht genug


Nach Ansicht von Graßl hat die Menschheit bislang fast nichts für den globalen Klimaschutz getan außer der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls. Der Klimaforscher fordert deshalb eine "totale Reform des Energieversorgungssystems der Menschheit", um die Situation zu verbessern.

Vor allem fossile Brennstoffe würden dann mehr kosten, da die Schäden, die sie anrichten, von vorneherein im Preis enthalten wären. Dennoch ist Graßl überzeugt davon, dass diese massive Form der Ökosteuer unseren Lebensstandard nicht nachhaltig beeinträchtigen würde, weil ja andere Steuern dafür gesenkt werden müssten.
(idw - Max-Planck-Institut für Meteorologie, 04.04.2005 - DLO)
 
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