Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Brücken, Dacher und Hallen mit Grips
Intelligente Bauten nach Vorbild der Natur
Es ist nicht die schiere Größe, die ihn in ihren Bann zieht, wenngleich auch er seine Brücke der Superlative geplant hat - die Ting-Kau-Brücke in Hong Kong, die mit 1177 Metern zu den längsten und schlanksten Schrägseilbrücken der Welt gehört. Was Mike Schlaich am Vorstoß in andere Dimensionen fasziniert, ist vielmehr, wie dieser mit neuen Technologien und Materialien erreicht werden kann.

"Bestehendes einfach nur hochskalieren, allein um des Monumentalen willen, ist wenig kreativ", sagt Prof. Dr. Mike Schlaich, der das Fachgebiet Massivbau an der TU Berlin lehrt. Bei der Hängebrücke von Messina zum Beispiel, die eine Spannweite von 3.300 Metern haben werde, beginne das Stahlseil an seine Grenzen zu stoßen, so Schlaich. Noch größere Spannweiten seien künftig wohl nur mit neuen Materialien wie faserverstärkten Kunststoffen möglich.

So beeindruckend das Messina-Projekt in Italien ist, bleibt es doch im Kern ein konventioneller Brückenbau. Mike Schlaich jedoch hat anderes im Blick - die intelligente Brücke, "die ihr Tragverhalten situationsabhängig ändert, um sich wechselnden Lasten anzupassen oder sich zusammenfaltet, wenn sie nicht mehr gebraucht wird". Schlaichs Vision ist jedoch nicht nur auf Brücken beschränkt, sondern gilt für Dächer, Türme, Hallen und Fassaden ebenso.

"Es wird in Zukunft darum gehen, aktive und wandelbare Bauten zu konstruieren. Aktiv in dem Sinne, dass sie sich verändernden Einflüssen anpassen, und wandelbar, um vielfältige Nutzungen zu ermöglichen." Stadien, die durch ein bewegliches Dach in eine Konzerthalle verwandelt werden, seien erst der Anfang.

Lösungsansätze für solche Konstruktionen sieht Schlaich in der Kombination von Leichtbau, Bionik und Mikrosystemen und definiert damit sogleich einen der Schwerpunkte seiner Forschung. Leichtbauten hätten aufgrund ihres geringen Gewichtes das Potenzial, sich anzupassen und zu bewegen, so Schlaich. Die Bionik wiederum, die die Zusammenhänge zwischen Biologie und Mechanik untersuche, könne aus Spinnennetzen, Muschelschalen und Blüten Ideen filtern für derartige Tragwerke.

Die Natur sei in dieser Hinsicht eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Und mit neuen Technologien wie den Mikrosystemen lasse sich zum Beispiel eine verbesserte Aerodynamik erzeugen. "So ist es denkbar, nicht nur an den Brückenköpfen hydraulisch einstellbare Flügel anzubringen, um das Flattern zu verringern", erklärt Schlaich, "sondern die gesamte Brücke mit kleinsten Flügeln zu überziehen, so dass sie wie eine Fischhaut umströmt wird."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Bauten, Brücken, Türme, Hallen, Bionik, Bauwerke, SChrägseilbrücken, Materialforschung
Weitere News zum Thema
In 24 Millionen Generationen von der Maus zum Elefanten (31.01.2012)
Forscher ermitteln maximale Wachstumsrate der Evolution bei Säugetieren
Forscher kreieren molekulares Legospiel (23.01.2012)
Komplexe Nanostrukturen bilden sich in gesteuerter Selbstorganisation
Ur-Ozeane: Algen waren Mangelware (16.01.2012)
Forscher untersuchen Leben in einem 1,1 Milliarden Jahre alten Lebensraum
Europäischen Gewässern droht eine Pestizid-Schwemme (08.12.2011)
Klimawandel wird Spritzmitteleinsatz bis 2090 verdoppeln
Exakte Kopie einer Stradivari-Geige erzeugt (28.11.2011)
Computertomografie ermöglicht Rekonstruktion bis auf das letzte Wurmloch
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Bionik
Lernen von der Natur
Wohnen der Zukunft
Was können die Häuser von morgen?
Künstliche Inseln
Von der Utopie zum aktuellen Trend?
News des Tages
Tollwut nach Organspende
Wenn Wespen auf Schmetterlingen trampen
„Eiswürfel“ sucht Geisterteilchen
Pipeline bedroht Wale
Glycerin im Tank
Deutsche: Kein Durchblick im Umweltschutz
Atome als Antennen
Brücken, Dacher und Hallen mit Grips
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway