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Freitag, 21.09.2018
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Zecke mit Fleckfieber-Erreger nachgewiesen

Hyalomma-Zecken breiten sich in Deutschland aus und könnten Tropenkrankheiten übertragen

Beunruhigender Fund: Forscher haben in Deutschland erstmals eine mit einer Tropenkrankheit infizierte Zecke gefunden. Die bei uns bisher nicht heimische Zecke trug Bakterien in sich, die ein tropisches Fleckfieber verursachen. Bedenklich ist dies vor allem deshalb, weil sich – auch durch den heißen Sommer – offenbar immer mehr Zecken der Gattung Hyalomma bei uns etablieren und ausbreiten können. Diese aus Afrika und dem Mittelmeerraum stammenden Zecken jedoch können weitere, gefährliche Tropenkrankheiten übertragen.
Die tropische Zecke Hyalomma marginatum war bisher nicht bei uns heimisch - doch das könnte sich bald ändern.

Die tropische Zecke Hyalomma marginatum war bisher nicht bei uns heimisch - doch das könnte sich bald ändern.

Auch wenn es bei uns rund 20 Zeckenarten gibt. Bisher war die Zahl der Krankheiten, die diese Blutsauger durch ihren Biss übertragen können, relativ überschaubar. Doch das könnte sich bald ändern, denn schon seit Jahren warnen Zeckenforscher, dass mit dem Klimawandel und den milderen Wintern auch die Erreger tropischer Krankheiten und ihre Überträger zu uns kommen könnten. Schon Anfang dieses Jahres wiesen Wissenschaftler sechs mit dem Alkhurma-Virus infizierte Zecken bei heimkehrenden Zugvögeln im Mittelmeerraum nach.

Parallel dazu breiten sich auch Zeckenarten bei uns aus, die aus dem Mittelmeerraum und Afrika stammen und ursprünglich nicht bei uns heimisch waren. "Wegen der Klimaerwärmung ist bei uns grundsätzlich mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen", erklärt Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. "Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum beispielsweise hat sich inzwischen bis Dänemark ausgebreitet."

Hyalomma-Zecken jetzt auch bei uns


Jetzt haben die Forscher gleich mehrere Zecken einer bisher nicht bei uns etablierten Gattung nachgewiesen – und eine dieser Zecken trug den Erreger einer Tropenkrankheit in sich. Bei den Zecken handelt es sich um Angehörige der Gattung Hyalomma, die im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau gefunden wurden. Diese Zecken sind deutlich größer als der heimische Holzbock und gut an ihren auffällig gestreiften Beinen zu erkennen.


Deutlich größer: Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock.

Deutlich größer: Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock.

"Fünf der sieben Zecken haben wir zweifelsfrei bestimmen können, vier sind der Art Hyalomma marginatum und eine der Art Hyalomma rufipes zuzurechnen", berichtet Lidia Chitimia-Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. "Hyalomma-Zecken haben wir hier in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwartet. Bisher gab es lediglich zwei Einzelfunde in den Jahren 2015 bis 2017."

Erreger eines tropischen Fleckfiebers


Das Bedenkliche daran: Diese tropischen Arten gelten als wichtige Überträger gleich mehrerer gefährlicher Infektionskrankheiten. Zu diesen gehört das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber, das Arabisch-Hämorrhagischen Fiebers und eine tropische Form des Zecken-Fleckfiebers. Daneben sind sie wichtige Überträger tropischer Erkrankungen der Nutztiere.

Und tatsächlich: Ein Exemplar der jetzt untersuchten Hyalomma-Zecken trug ein gefährliches Bakterium in sich, Rickettsia aeschlimannii. Er ist der Erreger eines tropischen Zecken-Fleckfiebers. Diese durch juckende Ausschläge und Fieber gekennzeichnete Infektion war bisher vor allem in Nordafrika verbreitet. Mit der Nordwanderung der Zecken hat sich der Erreger jedoch auch in den Mittelmeerraum und jetzt offenbar auch bis zu uns ausgebreitet.


Eingeschleppt oder schon etabliert?


Die Forscher vermuten, dass der heiße, trockene Sommer die Ausbreitung der mediterranen Zecken und damit auch der in ihnen schlummernden Erreger bei uns begünstigt hat. "Diese Zecken bevorzugen eine geringere Luftfeuchtigkeit als die bei uns vorkommenden Zeckenarten. In diesem Jahr kommt die hiesige Witterung den Lebensbedingungen dieser Zecken daher sehr entgegen", sagt Mackenstedt. Die große Frage sei nun bei den beiden Hyalomma-Arten, ob es sich noch um einzelne eingeschleppte Exemplare handelt oder ob sich die Arten hier schon etabliert haben.

"Diese Zeckenarten könnten in Deutschland Einzug halten", befürchtet Mackenstedt. "Wir werden sie in diesem Jahr verstärkt im Auge behalten und bereiten uns darauf vor, ihr in den nächsten Monaten womöglich noch öfters zu begegnen." Immerhin eines ist tröstlich: Abgesehen von der Hyalomma-Zecke mit den Fleckfieber-Bakterien sind bisher bei uns noch keine Zecken gefunden worden, die Erreger der noch gefährlicheren hämorrhagischen Fieber in sich tragen.
(Universität Hohenheim, 15.08.2018 - NPO)
 
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