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Freitag, 26.05.2017
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Legendäres U-Boot-Wrack entdeckt

Deutsches U-Boot soll 1918 von einem "Seemonster" angegriffen worden sein

Wrack mit skurriler Geschichte: Beim Verlegen eines Seekabels haben Arbeiter vor Schottland das Wrack eines U-Boots aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt. Es könnte sich dabei um das 1918 versenkte deutsche Unterseeboot UB-85 handeln. Um dieses jedoch rankt sich eine seltsame Geschichte: Angeblich berichtete die Besatzung bei ihrer Gefangennahme, sie seien von einem "Seemonster" angegriffen worden.
Sonaraufnahme des vor Schottland entdeckten U-Boot-Wracks aus dem Ersten Weltkrieg

Sonaraufnahme des vor Schottland entdeckten U-Boot-Wracks aus dem Ersten Weltkrieg

Die Entdeckung war ein glücklicher Zufall: Arbeiter des schottischen Energiekonzerns Scottish Power waren dabei, ein neues Seekabel zwischen dem Südwesten Schottlands und dem Nordwesten Englands zu verlegen. Während einer vorbereitenden Sonarabtastung des Meeresgrunds stießen sie etwa auf Höhe der Stadt Stranraer in 100 Metern Tiefe auf eine auffällige Struktur.

U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg


"Die Bilder, die wir von den Meeresboden-Scans bekommen sind unglaublich detailliert", erklärt Peter Roper, Ingenieur bei Scottish Power. "Aber in all den Jahren, in denen wir Seekabel verlegen, ist dies die außergewöhnlichste Entdeckung." Denn die Sonaraufnahme enthüllte ein rund 45 Meter langes, erstaunlich gut erhaltenes U-Boot. Das Wrack ist trotz seiner fast 100 Jahre am Meeresgrund weitgehend intakt, nur am Heck klafft eine große Lücke im Rumpf.

Nähere Analysen der Sonaraufnahmen enthüllten, dass es sich um ein U-Boot der UB-III-Klasse handelte – einen von der deutschen Kriegsmarine im Ersten Weltkrieg häufig eingesetztes Unterseeboot. "Wir wissen, dass von diesem Typ damals mindestens zwei deutsche U-Boote in dieser Gegend versenkt wurden – die berühmte UB-85 und ihr Schwesterschiff UB-82", berichtet der Marinehistoriker Innes McCartney.


Fundort des Schiffs (schwarz) in der Irischen See, etwa auf Höhe der schottischen Stadt Stranraer.

Fundort des Schiffs (schwarz) in der Irischen See, etwa auf Höhe der schottischen Stadt Stranraer.

Angriff vom "Seemonster"


Um das U-Boot UB-85 rankt sich seit Jahren eine mysteriöse Geschichte. Am 30. April 1918 sichtete eine Patrouille der britischen Küstenwache dieses deutsche Unterseeboot, wie es am helllichten Tag an der Wasseroberfläche lag – mitten im feindlichen Gebiet. Bevor die Briten das Boot versenkten, nahmen sie die Besatzung gefangen und befragten sie.

Ab dann wird die Geschichte bizarr: Angeblich berichtete der deutsche Kapitän, ein Seemonster habe das Schiff angegriffen, als man nachts zum Aufladen der Batterien aufgetaucht war. Das "Biest" sei so groß gewesen, dass es das gesamte U-Boot auf die Seite zu drücken drohte. "Jeder Mann auf Wache begann auf das Monster zu feuern", so der Kapitän. Es sei damit zwar gelungen, das Seemonster zu verjagen, aber ein Teil der Deckplatten wurde zuvor so stark beschädigt, dass ein Abtauchen nicht mehr möglich war.

"Deshalb konnten Sie uns an der Oberfläche erwischen", erklärte der Kapitän laut Überlieferung. Bis heute ist unklar, ob die Besatzung wirklich von diesem Seemonster-Angriff berichtete, oder ob es sich um ein klassisches Seemannsgarn handelt.

Diese historishe Aufnahme zweigt zwei im Ersten Weltkrieg an der englischen Küste gestrandete U-Boote des gleichen Bautyps

Diese historishe Aufnahme zweigt zwei im Ersten Weltkrieg an der englischen Küste gestrandete U-Boote des gleichen Bautyps

Skepsis bei Historikern


Historiker McCartney jedenfalls ist eher skeptisch. Seinen Recherchen nach gibt es keine Hinweise darauf, dass die deutsche Besatzung diese Geschichte bei ihrer Vernehmung erzählte. Wie er erklärt, könnte das Seemonster einfach Teil der Mythen sein, die sich um die damaligen U-Boote rankten. "Ich weiß nicht warum, aber der erste U-Boot-Krieg hat solche Geschichten geradezu angezogen", so McCartney. "So soll auf UB-65 der Geist eines gestorbenen Besatzungsmitglieds gespukt haben und ein weiteres Unterseeboot, UB-28, soll ebenfalls von einem Seemonster angegriffen worden sein."

Auch der Scottish Power-Ingenieur Peter Roper glaubt nicht, dass seine Seekabel-Verleger Angst vor einem Monsterangriff haben müssen: "Ich glaube, dass es für die Gefangennahme des U-Boots eine einfachere Erklärung gibt als ein Seemonster", sagt er. "Der Spruch 'Ein Seemonster hat mein U-Boot angegriffen' ist sicher eine der abstrusesten Ausreden aller Zeiten."

Kann das Wrack die Antwort liefern?


Sollte es sich bei dem Wrack tatsächlich um die legendäre UB-85 handeln, könnte eine nähere Untersuchung zumindest Teile der mysteriösen Geschichte überprüfen. Bisher allerdings ist nicht klar, um welches der beiden nahezu baugleichen Schwesterschiffe es sich handelt. Die außen auf ihren Rumpf gemalten Nummern sind inzwischen längst nicht mehr lesbar.

"Bis ein Taucher nicht den Prägestempel der Werft findet, können wir nicht definitiv sagen, ob es sich um die UB-85 handelt", sagt McCartney. "Aber falls doch, kommen wir der Lösung des Rätsels um dieses Unterseeboot sicherlich näher - ob ein simples Mechanikproblem die Ursache war oder etwas, das sich weniger einfach erklären lässt."
(Scottish Power, 28.10.2016 - NPO)
 
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