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Mittwoch, 28.09.2016
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Besiedelung Amerikas: Küste statt Korridor?

Die eisfreie Passage nach Süden öffnete sich zu spät für die ersten Einwanderer

Passage versperrt: Die ersten Einwanderer nach Amerika müssen eine andere Route genommen haben als bisher angenommen. Denn der eisfreie Korridor, der von der Beringstraße in den Süden führte, war damals noch nicht passierbar, wie sich nun zeigt. Erst vor rund 12.500 Jahren hätten Menschen diese Route nehme können – und damit viel zu spät für die ältesten Vorfahren der Indianer, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten.
Die ersten Menschen kaman über die Bering-Straße nach Amerika. Bisheriger Annahme nach führte ihre Route sie dann durch einen eisfreien Korridor östlich der Rocky Mountains nach Süden.

Die ersten Menschen kaman über die Bering-Straße nach Amerika. Bisheriger Annahme nach führte ihre Route sie dann durch einen eisfreien Korridor östlich der Rocky Mountains nach Süden.

Die ersten Bewohner Nordamerikas zogen wahrscheinlich über die Beringstraße auf den neuen Kontinent. Denn am Ende der letzten Eiszeit verband dort eine 1.600 Kilometer breite und fast 5.000 Kilometer lange Landbrücke Asien und Nordamerika. Die Vorfahren der Indianer könnte sich auf dieser Landbrücke sogarlängere Zeit aufgehalten haben, wie Forscher herausfanden.

Route nach Süden unklar


Weniger klar ist jedoch, auf welcher Route diese ersten Siedler dann weiterzogen: Bisher als wahrscheinlichster Weg galt ein eisfreier Korridor östlich der Rocky Mountains, der sich vor gut 13.000 Jahren zwischen dem Kordilleren- und dem Laurentide-Eisschild auftat. Durch diese Passage könnten die ersten Vertreter der prähistorischen Clovis-Kultur nach Süden gezogen sein.

"Dieser Sichtweise widersprechen jedoch jüngste archäologische Funde, nach denen es schon vor mindestens 14.700 Jahren Menschen auf dem amerikanischen Kontinent gab, möglicherweise sogar noch mehrere Jahrtausende früher", erklären Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen. Zu jener Zeit aber war der Nord-Süd-Korridors wahrscheinlich noch vereist.


Proben aus dem Korridor


Hinzu kommt: Um die 1.500 Kilometer lange Wanderung durch diese Passage zu überleben, mussten die Menschen dort ausreichend Nahrung für Monate bis sogar Jahrzehnte finden. "Bisher hat aber niemand untersucht, wann sich in diesem Korridor überhaupt wieder Leben etablierte", sagt Willerslev. Genau dies haben er und seine Kollegen nun nachgeholt.

So sieht der Korridor zwischen den Urzeit-Eisschilden heute aus.

So sieht der Korridor zwischen den Urzeit-Eisschilden heute aus.

Für ihre Studie entnahmen die Forscher Sedimentbohrkerne aus zwei Seen zwischen 55 und 57 Grad nördlicher Breite. Sie lagen damals genau in der als letztes abgetauten Engstelle des Korridors. Aus den Pflanzenresten, Pollen, Tierknochen, der Bodenbeschaffenheit und der in den Bodenproben enthaltene DNA, haben Willerslev und seine Kollegen erstmals zeitlich aufgeschlüsselt, wann der eisfreie Korridor sich öffnete und wie er nach und besiedelt wurde.

Erst vor 12.600 Jahren passierbar


Das Ergebnis: Zwar wichen die Eischilde an dieser Engstelle bereits vor rund 14.000 bis 15.000 Jahren auseinander, dennoch blieb der Weg zunächst weiter versperrt. Der Grund: Ein großer Schmelzwassersee blockierte den Durchgang. Erst vor rund 12.600 Jahren zog sich das Wasser zurück und der Korridor begann, von Pflanzen und Tieren besiedelt zu werden. Erst kamen Gräser, dann bildete sich allmählich eine Steppe mit Blütenpflanzen und vereinzelten Birken und Weiden.

"Etwa vor 12.500 Jahren gab es im Korridor genügend Tiere und andere biologische Ressourcen, um die menschlichen Wanderer auf ihrem 1.500 Kilometer langen Zug zu ernähren", sagen Willerslev und seine Kollegen. Die Tierwelt in der Passage umfasste unter anderem Bisons, Elche, Hasen und verschiedene Vögel, wie DNA aus ihren Kotresten belegen.

Zumindest die frühesten Einwanderer müssen eine alternative Route gewählt haben - wahrscheinlich entlang der Küste.

Zumindest die frühesten Einwanderer müssen eine alternative Route gewählt haben - wahrscheinlich entlang der Küste.

Erste Einwanderer kamen auf anderem Wege


Das aber bedeutet: "Für die Gruppen, die schon vor 14.700 Jahren südlich der nordamerikanischen Eisschilde lebten, öffnete sich dieser Korridor viel zu spät", konstatieren die Forscher. Und auch die ersten Clovis-Menschen tauchten im Süden auf, bevor dieser Weg passierbar wurde. Die bisher gängige Annahme dieser Passage als erster Route durch das Eis kann daher für sie nicht stimmen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler lässt dies nur einen Schluss zu: "Die ersten Menschen, die in das Gebiet der heutigen USA, nach Mittelamerika und Südamerika zogen, müssen auf anderem Wege gekommen sein", sagt Willerslev. "Einige Belege sprechen dafür, dass sie entlang der Pazifikküste einwanderten – dies scheint nun das wahrscheinlichste Szenario." Spätere Besiedlungswellen dagegen könnten dann sehr wohl über den eisfreien Korridor erfolgt sein. (Nature, 2016; doi: 10.1038/nature19085)
(Nature/ Universität Kopenhagen, 11.08.2016 - NPO)
 
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