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Freitag, 09.12.2016
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Soziale Medien: Likes wirken wie Schokolade

Beliebtheit setzt im Gehirn von Jugendlichen Belohnungsmechanismen in Gang

Glücksgefühle durch Likes: Haben Teenager das Gefühl, dass ihre Posts in sozialen Medien beliebt sind, hat das einen durchschlagenden Effekt. Das Gehirn der Jugendlichen reagiert darauf wie auf ein Stück Schokolade oder einen Geldgewinn, wie eine Studie zeigt. Demnach ist die Anerkennung von Anderen auch in der Online-Welt für Heranwachsende extrem wichtig – und selbst nur virtuell bekannte "Freunde" haben einen weitreichenden Einfluss auf das Verhalten der Teenager.
Digitaler Belohnungseffekt: Likes geben Jugendlichen ein gutes Gefühl

Digitaler Belohnungseffekt: Likes geben Jugendlichen ein gutes Gefühl

Soziale Medien bestimmen die Freizeit von Millionen Menschen weltweit. Spätestens ab dem Teenager-Alter spielen Facebook, Twitter & Co heutzutage in der Regel eine tragende Rolle im Online-Alltag. Wie sich diese Entwicklung auf die Jugendlichen auswirkt, wird in der Wissenschaft intensiv diskutiert. So deuten Studien etwa darauf hin, dass die Jagd nach Facebook-Likes Teenager unter Stress setzt, der Austausch mit Freunden in sozialen Netzwerken andererseits jedoch auch entspannend wirken kann.

Wissenschaftler um Lauren Sherman von der University of California in Los Angeles haben nun erstmals untersucht, welche Prozesse bei der Nutzung sozialer Medien im Gehirn von Teenagern ausgelöst werden – und herausgefunden, dass der Einfluss der Online-Netzwerke überraschend weit reicht.

Likes aktivieren das Belohnungszentrum


Bekommen eigene Fotos viele Likes, aktiviert das einen wichtigen Teil des Belohnungssystems des Gehirns(grün)

Bekommen eigene Fotos viele Likes, aktiviert das einen wichtigen Teil des Belohnungssystems des Gehirns(grün)

Für ihre Studie testeten die Forscher, wie das Teenie-Hirn auf Fotos und Likes auf einer fiktiven, Instagram-ähnlichen Plattform reagiert. Dafür zeigten sie 32 Probanden zwischen dreizehn und achtzehn Jahren insgesamt 148 Bilder, die mit einer unterschiedlichen Anzahl von Likes versehen waren – darunter auch 40 Fotos, die die Teenager selbst mitgebracht hatten.


Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) beobachtete das Team, was beim Anschauen der Fotos im Gehirn der Jugendlichen vor sich ging. Dabei zeigte sich: Sahen die Teenager eines ihrer eigenen Fotos mit vielen Likes, aktivierte das etliche Hirnregionen. Besonders aktiv war den Wissenschaftlern zufolge dabei der sogenannte Nucleus accumbens im Großhirn, ein wichtiger Teil des Belohnungssystems.

Demnach versetzten die Likes die Jugendlichen in eine äußerst positive Stimmung: "Bei ihnen wurden dieselben Mechanismen in Gang gesetzt wie beim Genuss von Schokolade oder beim Gewinn von Geld", schreiben die Forscher. Daneben reagierten auch Regionen, die als das soziale Gehirn bekannt sind und solche, die für die visuelle Aufmerksamkeit zuständig sind.

Die Meinung der Anderen zählt


Wie wichtig in den sozialen Medien die Meinung von anderen ist, zeigte sich ebenfalls, als die Jugendlichen selbst aktiv werden und Fotos liken sollten. Denn je mehr Likes ein Bild bereits bekommen hatte, desto wahrscheinlicher vergaben auch die Probanden die wohlwollende Bewertung – unabhängig davon, was auf dem Bild zu sehen war. So bekamen die Teenies sowohl neutrale als auch risikobehaftete Bilder etwa mit Zigaretten oder Alkohol zu sehen. Ausschlaggebend schien jedoch nie das Motiv, sondern nur die Anzahl der Likes zu sein.

"Teenager reagieren auf eine Information ganz anders, wenn sie glauben, dass diese von vielen Gleichaltrigen befürwortet beziehungsweise empfohlen wird – selbst dann, wenn es sich dabei eigentlich um Fremde handelt", erklärt Shermann. Auch bei Unbekannten beeinflussen Gruppenzwang und das Streben nach Anerkennung demnach das Verhalten von Jugendlichen maßgeblich.

"Das zeigte sich sowohl im Gehirn als auch beim Entscheidungsverhalten der Teenager", so die Forscher. "Eltern sollten sich bewusst sein, welchen Einfluss Posts, Likes und Kommentare von Freunden in der Onlinewelt auf Jugendliche haben können – sowohl im Positiven als auch im Negativen", schließen sie. (Psychological Science, 2016; doi: 10.1177/0956797616645673)
(University of California Los Angeles, 01.06.2016 - DAL)
 
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