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Mittwoch, 07.12.2016
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Fünf Jahre Fukushima: Es ist noch lange nicht vorbei

Wälder und Natur noch Jahrhunderte verseucht

Fünf Jahre nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima ist die Katastrophe noch lange nicht vorbei. Im Kraftwerk selbst kämpfen Arbeiter nach wie vor gegen versuchtes Kühlwasser, und die umgebende Natur zeigt deutliche Spuren der radioaktiven Verseuchung, wie nun ein Bericht im Auftrag von Greenpeace aufzeigt. Demnach sind vor allem die Wälder um Fukushima mit radioaktivem Cäsium kontaminiert.
US-Experten begutachten die Arbeiten im Kraftwerk Fukushima Daiichi

US-Experten begutachten die Arbeiten im Kraftwerk Fukushima Daiichi

Es hat sich seit dem letzten Jahrestag kaum etwas geändert: Die Zustände im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi sind weiterhin eher traurig: Trotz intensiver Arbeiten hat es die Betreiberfirma Tepco auch in diesem Jahr nicht geschafft, Undichtigkeiten, Lecks und die ständige Verseuchung des Grundwassers in den Griff zu bekommen.

Noch immer wird Radioaktivität frei


"Aus den Fukushima-Reaktoren tritt immer noch Radioaktivität aus, gelangt in die Atmosphäre, das Grundwasser und den Ozean", sagte Hubert Weiger, Vorsitzender der Umweltorganisation BUND. "Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit mindestens rund 10.000 strahlenbedingten Krebsfällen, die Hälfte davon mit tödlichem Ausgang."

Erst vor wenigen Monaten wurde bei Erdarbeiten eine radioaktive Wolke frei, die Teile der Umgebung erneut starker Belastung aussetzte. Dennoch hat die japanische Regierung bereits die ersten Gebiete wieder für eine Rückkehr der evakuierten Bewohner freigegeben.


Warnschilder an einer Stelle mit erhöther Strahlenblastung im japanischen Kashiwa

Warnschilder an einer Stelle mit erhöther Strahlenblastung im japanischen Kashiwa

Bericht fasst Folgen für die Natur zusammen


Welche Folgen der Atomunfall auf die Natur in der Umgebung von Fukushima hatte und noch immer hat, hat die Umweltorganisation Greenpeace in einem aktuellen Bericht zusammengefasst. "Die Folgen von Fukushima werden noch Jahrhunderte andauern", sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. "Hunderttausende Menschen sind betroffen, weite Regionen an der Ostküste Japans bleiben radioaktiv belastet."

Wie die Untersuchungen ergaben, wurden beim GAU im März 2011 weiträumig langlebige radioaktive Elemente wie Cäsium 137 und geringe Mengen Strontium 90 freigesetzt, die von Pflanzen und Tieren aufgenommen wurden. Zwar sind die Strahlenwerte seit der Katastrophe gesunken, aber gerade die zahlreichen Wälder rund um Fukushima und ihre Böden sind weiterhin ein Reservoir für Radionuklide, so die Forscher.

Wälder und Holz noch kontaminiert


Um die Kontamination der Landschaft zu senken, beseitigen Arbeiter abgefallenes Laub, Erde und Unterholzpflanzen in 20 Meter breiten Streifen entlang der Straßen sowie rund um Wohnhäuser, die von Wald umgeben sind. "In Bezug auf die großflächige Dekontaminierung Fukushimas ist dieser Ansatz jedoch nutzlos", heißt es im Bericht. "Über 70 Prozent der Präfektur Fukushima besteht aus Wäldern, die nicht dekontaminiert werden können."

Weil sich das Cäsium in bestimmten Pflanzenteilen anreichert, weisen besonders Pollen von japanischen Zedern in diesen Wäldern sehr hohe Konzentrationen radioaktiver Teilchen auf. Tests mit roten Pinien, Eichen und Japanischen Zedern belegen zudem eine Kontamination von Rinde und Holz der Bäume. "Folglich dürfte die Holzernte vor allem der Zedern aus verseuchten Wäldern künftig stark belastet sein", so die Forscher.

Strahlenmessung in der Stadt Minamisoma in der Präfektur Fukushima.

Strahlenmessung in der Stadt Minamisoma in der Präfektur Fukushima.

Mutationen und Artenrückgang


Untersuchungen belegen, dass die radioaktive Verseuchung die Arbeit der zersetzenden Mikroorganismen in den Böden stört, wodurch Streu langsamer abgebaut wird. Tannen im Umfeld von Fukushima weisen zudem Mutationen auf, durch die sie weniger Haupttriebe ausbringen. Auch in Gras und in Schmetterlingspopulationen wurden Mutationen nachgewiesen, außerdem fanden Forscher Würmer mit DNA-Schäden und eine anhaltende Cäsium-Belastung in Süßwasserfischen.

Erst im letzten Jahr ergab eine Studie, dass die Zahl der Singvögel im Sperrgebiet seit dem Atomunfall stark zurückgegangen ist, einige einst häufige Arten sind fast verschwunden. Dieser Rückgang geschieht offenbar mit zeitlicher Verzögerung, denn er hat sich im den letzten Jahren sogar noch verstärkt, wie die Forscher berichteten.

"Radioaktivität wird zurückkehren"


Studien unter anderem in der Sperrzone von Tschernobyl deuten darauf hin, dass die radioaktive Kontamination einer Landschaft und ihrer Gewässer zwar anfangs deutlich abnimmt, sich dann aber auf einem Niveau einpendelt. Der Grund sind langlebige Radionuklide, die nur langsam zerfallen und damit die Belastung lange aufrechterhalten. Auch im Sperrgebiet von Fukushima ist dies daher höchstwahrscheinlich der Fall.

Zwar wurden bewohnte Gebiete und schmale Streifen entlang der Straßen und der Waldränder bei der Dekontamination gereinigt. Doch abseits davon bleibt noch eine beträchtliche Belastung erhalten. "Von den Bergen wird die Radioaktivität zurückkehren", sagt Smital. "Ein Super-GAU lässt sich nicht einfach wieder aufräumen." Hinzu kommt: Mehr als neun Millionen Kubikmeter Atommüll lagert noch an einigen tausend Standorten in der Region Fukushima.

Der Greenpeace-Report zu Fukushima zum Download (PDF, 2,7 MB)
(BUND, Greenpeace, 11.03.2016 - NPO)
 
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