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Sonntag, 24.07.2016
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Michelangelo litt unter Arthrose

Die ständige Arbeit an Fresken und Skulpturen verursachte schmerzhafte Deformationen der Hände

Der große Künstler Michelangelo hat für seinen Schaffensreichtum wahrscheinlich die Gesundheit seiner Hände geopfert. Denn wie Mediziner anhand von zeitgenössischen Portraits herausgefunden haben, litt der Künstler an fortschreitender Arthrose. Die intensive, anstrengende Arbeit an Fresken und Skulpturen hat diesen Verschleiß von Knochen und Gelenken gefördert. Gleichzeitig aber sorgte die ständige Beanspruchung dafür, dass die Hände nicht steif wurden.
Michealangelos Hände in zwei zeitgenössischen Portraits: Deutlich sind Deformationen und Schwellungen zu erkennen.

Michealangelos Hände in zwei zeitgenössischen Portraits: Deutlich sind Deformationen und Schwellungen zu erkennen.

Der Bildhauer, Maler und Dichter Michelangelo Buonarroti gilt bis heute als einer der ganz Großen der Kunstgeschichte. Seine Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom, darunter die berühmte "Erschaffung Adams" sind weltbekannt. In seinen Werken nutzt er komplexe dreidimensionale Perspektiven, stellt Bewegungsabläufe dynamisch dar und greift auf mathematisch-ästhetische Grundprinzipien wie den Goldenen Schnitt zurück.

"Das Schreiben bereitet mir Ungemach"


Doch wie sich jetzt zeigt, könnte Michelangelo seinen Erfolg mit Schmerzen und Deformationen seiner wichtigsten Werkzeuge erkauft haben: seinen Händen. "Aus der Literatur ist schon länger klar, dass Michelangelo an einer Gelenkerkrankung litt", erklärt Erstautor Davide Lazzeri von der Universität Florenz. In einem Briefen an seinen Neffen berichtet der Künstler 1552 von Schmerzen und Problemen beim Schreiben.

Welche Ursache diese mit dem Alter schlimmer werdenden Beschwerden hatten, blieb aber unklar. Einige Forscher schrieben die Symptome einer Gicht zu, andere vermuteten eine Bleivergiftung durch Farben. Lazzeri und seine Kollegen haben nun diese Frage erneut untersucht. Als Diagnosehilfe nutzen sie dabei drei Portraits, die zeitgenössische Malerkollegen von dem 60- bis 65-jährigen Michelangelo angefertigt hatten. In ihnen ist die linke Hand des Künstlers gut zu erkennen.


Seine letzte Skulptur: Die unvollendete Pietà Rondanini schuf Michelangelo mit über 80 Jahren.

Seine letzte Skulptur: Die unvollendete Pietà Rondanini schuf Michelangelo mit über 80 Jahren.

Nicht Gicht, sondern Arthrose


"Die Portraits zeigen, dass Michelangelos Hand von degenerativem Gelenkverschleiß betroffen ist", berichten Lazzeri und seine Kollegen. Darauf deuten Verformungen und Verdickungen der Fingergelenke hin. Am Daumen-Grundgelenk sind zudem deutliche Schwellungen zu erkennen. Typische Anzeichen für entzündliche Veränderungen, wie es für eine Gicht typisch wäre, fehlen jedoch, so die Forscher.

"Die Hypothese einer Gicht als Hauptgrund für die Handschmerzen in aufgrund dieser Symptome ausgeschlossen werden", konstatieren die Mediziner. "Stattdessen war die Ursache für sein Leiden eine degenerative Veränderung der kleinen Gelenke in den Händen – heute als Arthrose bezeichnet." Diese fortschreitende Zerstörung und Deformierung der Gelenke handelte sich Michelangelo wahrscheinlich durch die ständige Überlastung der Hände bei seiner Arbeit ein.

Arbeit trotz Schmerzen


Den großen Künstler hielten Schmerzen und Einschränkungen jedoch nicht davon ab, noch bis kurz vor seinem Tod weiter Fresken und andere Kunstwerke zu schaffen. Selbst als er schon keinen Stift mehr halten und keine Briefe mehr schreiben konnte, hämmerte der fast 90-Jährige noch weiter an Skulpturen für die Privatkapelle des Papstes.

"Die Diagnose einer Arthrose liefert einerseits eine plausible Erklärung dafür, dass Michelangelo im Alter die Beweglichkeit seiner Hände verlor", sagt Lazzeri. "Andererseits belegt sein Weiterarbeiten bis ins hohe Alter auch seinen Sieg über diese Behinderung." Die Mediziner vermuten, dass die anhaltende, intensive Arbeit trotz Schmerzen es Michelangelo erst ermöglicht haben könnte, überhaupt weiterzumachen: Die Beanspruchung verhinderte ein Steifwerden der Gelenke. (Journal of the Royal Society of Medicine, 2016; doi: 10.1177/0141076816630502)
(SAGE, 04.02.2016 - NPO)