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Dienstag, 26.07.2016
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Weichmacher machen dick

Das Umwelthormon DEHP verändert Stoffwechsel und Hormonhaushalt

Nicht nur das Bisphenol A, auch die Weichmacher in Kunststoffen machen dick. Das haben Forscher nun am Mausmodell bestätigt. Demnach greifen schon geringe Konzentrationen des Phthalats DEHP in den Hormonhaushalt ein, und verändern den Glukosespiegel. Die Folge: eine deutliche Gewichtszunahme. Weil dieser Weichmacher in unzähligen Alltagsprodukten enthalten ist, könnte er an der Zunahme des Übergewichts mitschuld sein, so die Forscher im Fachmagazin "PLOS ONE".
Schön bunt, aber gesundheitsgefährdend: Weichmacher in Plastik können dick machen

Schön bunt, aber gesundheitsgefährdend: Weichmacher in Plastik können dick machen

Weichmacher wie Phthalate sind in allen Kunststoffen enthalten. Sie sorgen dafür, dass das Material flexibler, geschmeidiger und elastischer wird. Doch viele dieser Plastik-Zusätze sind mehr und mehr umstritten. Denn als sogenannte Umwelthormone können die Stoffe über die Atemluft, die Haut oder die Nahrung in unseren Körper gelangen und dort einiges durcheinanderbringen: Sie stehen unter anderem im Verdacht, Diabetes und Fettleibigkeit zu verursachen.

Die oft in Weichmachern enthaltene Chemikalie Bisphenol A (BPA) soll darüber hinaus sogar die Entstehung von Autismus begünstigen und Wachstumsprozesse stören können. Wie genau die Stoffe im Körper wirken, ist in vielen Fällen jedoch nicht bekannt.

Alltags-Weichmacher im Test


Forscher um Nora Klöting von der Universität Leipzig haben diese Zusammenhänge nun für den Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) genauer untersucht. "Menschen sind diesem Phthalat vielfach ausgesetzt, denn es ist in vielen Alltagsobjekten enthalten, darunter Kunststoffböden, Plastiktüten und Folien, Lebensmittelverpackungen, Kosmetik und Spielzeug", erklären die Forscher.


Für die Studie gaben die Wissenschaftler einer Gruppe von Mäusen Trinkwasser, das pro Tag 0,05 Milligramm DEHP pro Kilogramm Körpergewicht enthielt. Diese Dosis entspricht einer Menge, der auch Menschen im Alltag ausgesetzt sind. Nach einem Zeitraum von zehn Wochen untersuchten Klöting und ihre Kollegen dann verschiedene Stoffwechselfaktoren wie den Blutzuckerspiegel.

Gewichtszunahme bei weiblichen Mäusen


Tatsächlich stellten die Forscher fest, dass sich der Stoffwechsel unter Phthalat-Einwirkung veränderte: Der Anteil ungesättigter Fettsäuren im Blut nahm zu und der Glukosespiegel war gestört. Daneben war auch die Zusammensetzung von im Blut befindlichen Rezeptoren verändert, die für den Gesamtstoffwechsel wichtig sind und zu einer Umstellung des Stoffwechsels führen können.

"Einige Stoffwechselprodukte, die vom Fettgewebe gebildet werden, sind unter anderem auch als Botenstoffe aktiv und steuern Funktionen in anderen Organen", erläutert von Bergen. So fanden die Forscher etwa erhöhte Mengen des Rezeptors für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Die Konzentration eines Rezeptors, der unter anderem für den Glukosestoffwechsel sowie die Speicherung von Fettsäuren eine Rolle spielt, nahm dagegen ab.

Diese DEHP-abhängigen Veränderungen zeigten sich vor allem bei weiblichen Mäusen – und zwar auch äußerlich: Mäuse, die dem Weichmacher ausgesetzt waren, nahmen deutlich an Gewicht zu.

"Massiver Eingriff in den Hormonhaushalt"


Für die Wissenschaftler ist damit klar: "Phthalate greifen ganz offensichtlich massiv in den Hormonhaushalt ein. Bereits in geringen Konzentrationen führen sie zu deutlichen Veränderungen, wie beispielsweise der Gewichtszunahme." Wie sich die unterschiedlichen Effekte von Phthalaten auf den Stoffwechsel im Detail untereinander beeinflussen, sei aber noch nicht abschließend geklärt.

Die Forscher wollen die Wirkung von Phthalaten – auch auf den menschlichen Körper – deshalb weiter erforschen. Ihre Ergebnisse sollen künftig bei der Risikobewertung der Chemikalien helfen. Eine bessere Regulierung könnte sich auch in einer besseren Prävention von Übergewicht und in massiven finanziellen Einsparungen für das Gesundheitssystem auszahlen. Denn schon jetzt ist jeder zweite Erwachsene in Deutschland übergewichtig. Bei Kindern und Jugendlichen sind es rund 15 Prozent – Tendenz steigend. "Die Zahl der Menschen mit Übergewicht nimmt weltweit zu", so die Wissenschaftler. (PLOS ONE; 2015, doi: 10.1371/journal.pone.0143190
(Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung / PLOS ONE, 19.01.2016 - DAL)