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Montag, 05.12.2016
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Neue Funde im Wrack von Antikythera

Vom Meeresgrund geborgene Luxusgüter zeugen vom Leben der römischen Elite

Ein Bronzethron, feinste Keramik und ein gläserner Spielstein: Der Frachter, der vor gut 2.000 Jahren vor der Insel Antikythera sank, hatte echte Kostbarkeiten an Bord. Taucher haben in dem berühmten Wrack neue Funde gemacht, die einen Einblick in das Luxusleben der römischen Elite geben. Aber auch weitere Teile des antiken Schiffs konnten die Unterwasser-Archäologen bergen.
Taucher am Wrack vor Antikythera stießen unter anderem auf eine intakte Amphore

Taucher am Wrack vor Antikythera stießen unter anderem auf eine intakte Amphore

Das Wrack von Antikythera gilt als eine Art Titanic der Antike. Der 65 vor Christus vor der griechischen Insel gesunkene Frachter riss zwar kaum Passagiere mit in die Tiefe, hatte aber unzählige wertvolle Objekte an Bord. Denn er sollte Schätze aus Kleinasien nach Rom bringen. Bekannt wurde das bereits 1900 entdeckte Wrack durch den bis heute rätselhaften Mechanismus von Antikythera, eine Art mechanischem Rechner für wichtige Himmelsdaten.

Woher stammte der antike Frachter?


Erst seit 2014 führen Spezialtaucher und Unterwasser-Archäologen wissenschaftliche Tauchgänge am Wrack durch. Dabei stellten sie nach einer umfangreichen Kartierung im letzten Jahr fest, dass das Wrack von Antikythera sogar das größte bekannte Schiffswrack der Antike sein könnte. In der diesjährigen Saison hatten die Forscher nun Gelegenheit, gezielter nach Überresten der Ladung des Frachters zu suchen.

Taucher und Unterwasser-Archäologen am Wrack von Antikythera

Taucher und Unterwasser-Archäologen am Wrack von Antikythera

In 61 Tauchgängen zum 55 Meter tief liegenden Schiffswrack förderten die Taucher mehr als 50 antike Artefakte an die Oberfläche. Zu diesen gehören zahlreiche Teile des Schiffs, darunter hölzerne Fragmente des Schiffsrumpfs sowie Teile von dessen Bleiauskleidung, zwei bleierne Ankerstöcke und Bronzenägel aus den Schiffsplanken. Die Forscher hoffen, durch Isotopenanalysen der geborgenen Bleiteile herauszufinden, wo das Schiff einst gebaut wurde, denn sein einstiger Heimathafen ist bisher unbekannt.


Luxus für die römische Elite


Besonders spannend aber sind die Alltagsgegenstände und Luxusgüter, die die der Frachter geladen hatte. Die Taucher stießen im Wrack auf unzählige Bruchstücke von feinster Keramik und eine Knochenflöte, die vielleicht einst einem Seemann gehörte. Erstaunlich ist auch die gläserne Figur eines Brettspiels, die den Untergang des Schiffs auf wundersame Weise unbeschadet überstand.

"Dieses Schiffswrack ist noch lange nicht ausgeschöpft", sagt der Kodirektor des Projekts, Brendan Foley von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI). "Jeder einzelne Tauchgang fördert fantastische Funde zutage und enthüllt, wie das obere ein Prozent zur Zeit Cäsars lebten." So entdeckten Taucher vor kurzem die bronzene Armlehne eines Throns inmitten der Schiffstrümmer. Sie zeugt davon, dass die Fracht für die Elite des damaligen Roms bestimmt war.

Chemische Analysen und 3D-Rekonstruktionen


Interessant ist auch eine noch intakte, verschlossene Amphore, die Taucher am Meeresgrund bergen konnten. Chemische Analysen sollen nun klären, was einst in diesem Gefäß enthalten war. Auch andere Keramikgefäße könnten noch Spuren ihres Inhalts enhalten und so enthüllen, welche Getränke, Lebensmittel und Kosmetika die römische Elite damals aus Kleinasien importierte.

Um die Verteilung der Ladung auf dem antiken Frachter zu rekonstruieren, haben die Forscher ein 3D-Modell des Wracks und aller bisher gemachten Funde erstellt. Das liefert wertvolle Informationen darüber, was wo an Bord verstaut war und wozu es genutzt wurde. "Wir hatten Glück, so viele Funde in ihrem Kontext bergen zu können", sagt der Unterwasser-Archäologe Theotokis Theodoulou. Die diesjährigen Tauchgänge sind Teil eines Langzeitprojekts, in dessen Verlauf alle Relikte des Wracks und seiner Ladung geborgen werden sollen. Die Archäologen hoffen, so die Geschichte des Schiffs und seiner letzten Reise rekonstruieren zu können.
(Woods Hole Oceanographic Institution, 29.09.2015 - NPO)
 
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