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Samstag, 10.12.2016
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Biomarker für Migräne entdeckt

Membranlipide im Blut könnten künftig die Diagnose erleichtern

Anzeiger im Blut: Künftig könnte leichter erkannt werden, ob es sich bei Kopfschmerzen um Migräne handelt. Denn im Blut der Betroffenen ist der Gehalt gleich mehrerer Membranlipide verändert, wie sich nun zeigt. Je größer die Unterschiede zum Normalwert, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Mensch unter Migräne leidet – selbst wenn er gerade keine Kopfschmerzattacke hat. Diese Biomarker könnte die Diagnose künftig erheblich erleichtern, sagen die Forscher im Fachmagazin "Neurology".
Migräne verursacht wiederkehrende Kopfschmerz-Attacken

Migräne verursacht wiederkehrende Kopfschmerz-Attacken

Mehr als 300 Millionen Menschen weltweit leiden unter den wiederkehrenden Kopfschmerz-Attacken der Migräne. Inzwischen weiß man, dass das Gehirn der Betroffenen auch jenseits der akuten Anfälle verändert ist. Form und Dicke der Hirnrinde unterscheiden sich, aber auch die Aktivität der vernetzten Hirnareale. Auch genetische Auslöser für die häufigste Migräneform wurden bereits identifiziert.

Fahndung nach Anzeigern im Blut


Eine einfache Methode, eine Migräne auch außerhalb der akuten Anfälle eindeutig zu diagnostizieren, fehlt jedoch bisher. Jetzt könnten Lee Peterlin von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore und seine Kollegen einen solchen Biomarker gefunden haben.

Für ihre Studie analysierten sie das Blut von 56 Frauen mit episodischer Migräne und von 36 gesunden Kontrollpersonen. Dabei verglichen sie gezielt die Gehalte der Sphingolipide. Diese zu den Lipiden gehörenden Moleküle sind wichtige Bestandteile der Zellmembranen. In der Haut tragen sie zum Feuchtigkeits- und Fetthaushalt bei, im Gehirn spielen sie eine Rolle bei der Signalübertragung und bei Entzündungsprozessen.


Die Menge des Membranlipids Ceramid ist bei Frauen mit Migräne reduziert.

Die Menge des Membranlipids Ceramid ist bei Frauen mit Migräne reduziert.

Unterschiede bei drei Membranlipiden


Und tatsächlich fanden die Wissenschaftler auffallende Unterschiede: Die Teilnehmerinnen mit Migräne hatten nur gut halb so viel von dem Sphingolipid Ceramid im Blut. Während es bei ihnen im Durchschnitt nur 6.000 Nanogramm pro Milliliter waren, lag der Wert bei der Kontrollgruppe bei 10.500 ng/ml. Wie die Forscher berichten, gab es dabei auch einen klaren Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Für jede einer Standardabweichung entsprechende Zunahme des Ceramids im Blut sank das Migränerisiko der Probandinnen um 92 Prozent.

Zwei weitere Membranlipide aus der Gruppe der Sphingomyeline waren im Blut der Migräne-Patientinnen ebenfalls verändert. Sie kamen in bei ihnen in höheren Mengen vor als normal. Und auch hier zeigte sich ein Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit, dass diese Patientin an Migräne litt: Mit jedem Anstieg um eine Standardabweichung erhöhte sich das Risiko um das Zweieinhalbfache, wie die Forscher berichten.

"Weitreichende Folgen für die Diagnose und Behandlung"


Dass diese Lipide tatsächlich ein geeigneter Biomarker für Migräne sein könnte, belegte ein zusätzlicher Blindtest. Bei diesem analysierten die Forscher das Blut von 14 weiteren Personen, von denen sie nicht wussten, ob diese an Migräne litten oder nicht. Doch allein anhand der Ceramid und Sphingomylin-Werte konnten sie treffsicher vorhersagen, wer unter diesen Testpersonen ein Migränepatient war und wer nur eine Kontrolle.

"Unsere Studie belegt damit, dass Tests des Serum-Sphingolipide Frauen mit Migräne von solchen ohne Migräne unterscheiden können", konstatieren Peterlin und seine Kollegen. Damit könnten sich diese Moleküle als Biomarker für die Migräne eignen. Allerdings muss zuvor erst noch getestet werden, ob diese Auffälligkeiten auch bei männlichen Migräne-Patienten auftreten und ob sie Migräne sicher von Clusterkopfschmerzen und anderen Kopfschmerztypen unterscheiden.

Dennoch sieht auch Karl Ekbom vom Karolinska Institut in Stockholm in diesen Ergebnissen einen wichtigen Schritt nach vorne: "Diese Studie ist ein wichtiger Beitrag zu unserem Verständnis der Mechanismen der Migräne", schreibt er in einem begleitenden Kommentar. "Wenn diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt werden, dann könnte dies weitreichende Folgen für die Diagnose und Behandlung der Migräne haben." (Neurology, 2015; doi: 10.1212/WNL.0000000000002004)
(American Academy of Neurology, 11.09.2015 - NPO)
 
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