• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 29.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

"Raupe Nimmersatt" breitet sich aus

Invasive Zickzack-Blattwespe wandert von Osten nach Deutschland ein

Gefräßige Raupen auf dem Vormarsch: Die eingewanderte Zickzack-Blattwespe breitet sich rasch in Deutschland aus. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Insekt mit den charakteristischen Fraßspuren dabei Strecken zwischen 50 und 90 Kilometern im Jahr zurücklegen kann. Die Schädlinge können befallene Ulmen völlig kahl fressen und dadurch große Schäden anrichten.
Die charakteristischen Fraßspuren der Raupen der Zickzack-Blattwespe.

Die charakteristischen Fraßspuren der Raupen der Zickzack-Blattwespe.

Die Zickzack-Blattwespe heißt, wie sie frisst: Mal nach rechts, mal nach links beißen sich die Raupen der Blattwespenart Aproceros leucopoda durch die Blätter und erzeugen so ihre charakteristischen Fraßspuren. Die Insekten stammen ursprünglich aus Ostasien, wurden vor fünf Jahren aber erstmals in Deutschland gesichtet. "Damals waren die Tiere aber nur vereinzelt im südöstlichen Bayern zu finden“, erzählt Stephan Blank vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg.

Im Zickzack bis zum Kahlfraß


Vor zwei Jahren riefen die Senckenberg-Wissenschaftler die Bevölkerung dazu auf, Funde dieser Insekten zu melden. Damit wollten sie die weitere Ausbreitung der Blattwespe und ihrer Raupen weiter verfolgen. "Unsere aktuelle Untersuchung zeigt aber, dass sich die invasive Pflanzenwespe nun sowohl in Bayern als auch in weiten Teilen Ostdeutschlands ausgebreitet hat," sagt Blank.

Sorgen machen den Wissenschaftlern vor allem die Larven der Zickzack-Blattwespe: Die bis zu einen Zentimeter langen Raupen fressen ausschließlich an Ulmen. Bei einem Befall können die Raupen das Laub der Bäume völlig kahl fressen. So entstehen große Schäden, sowohl in Wäldern als auch an Zier-und Alleebäumen in Gärten und Ortschaften.


Larve der Zickzack-Blattwespe (Aproceros leucopoda)

Larve der Zickzack-Blattwespe (Aproceros leucopoda)

Kein Halt vor resistenten Ulmen


Ulmen sind in vielen Regionen Europas bereits vom sogenannten "Ulmensterben", einer aggressiven Pilzinfektion, betroffen. Gegen den Pilz resistente Züchtungen sollten diesem Sterben vorbeugen, diese Hybrid-Ulmen dienen häufig als Zierde entlang von Straßen oder in Parks. "Doch auch vor diesen Zuchtbäumen macht die Zickzack-Blattwespe nicht halt", sagt Blank. Mit einer Ausnahme: Die heimische Flatterulme (Ulmus laevis) bleibt von den nimmersatten Raupen meistens verschont. "Warum weiß bisher niemand", ergänzt der Insektenforscher.

Bei ihrer Ausbreitung legt die Zickzack-Blattwespe eine enorme Geschwindigkeit an den Tag: Zwischen 50 und 90 Kilometer können die nur rund sechs Millimeter großen Tiere im Jahr zurücklegen. Die Zickzack-Blattwespe kommt mittlerweile auch in Deutschlands westlichen Nachbarländern Belgien und den Niederlanden vor, rund 600 Kilometer vom Verbreitungsgebiet in Deutschland entfernt. Daher vermuten die Forscher, dass sie auch passiv durch den Menschen verschleppt wird.

"Ernstzunehmendes Schadpotential"


Die Insekten vermehren sich außerdem rasend schnell. Dies liegt unter anderem daran, dass sie keine Zeit mit der Paarung verschwenden müssen: Es sind nur Weibchen der Zickzack-Blattwespe bekannt, die sich parthenogenetisch vermehren. Ein Weibchen legt dabei unbefruchtete Eier, aus denen wiederum nur Weibchen schlüpfen. Das geht so schnell, dass die Blattwespe bis zu vier Generationen pro Jahr hervorbringen kann.

Die Zickzack-Blattwespe steht bereits als Schädling auf der Liste der Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO). "Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Zickzack-Blattwespe ernstzunehmendes Schadpotential an den europäischen Ulmenbeständen haben", fasst Blank zusammen und ergänzt: "Wir freuen uns über Einsendungen und Beobachtungen zur Zickzack-Wespe, um den eingewanderten Schädling auch weiterhin beobachten zu können." (Journal of Hymenoptera, 2015; doi: 10.3897/JHR.41.8681)
(Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 27.08.2015 - AKR)
 
Printer IconShare Icon