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Sonntag, 11.12.2016
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Riesenhirsche überlebten die Eiszeit

In Süddeutschland gefundene Knochen entpuppen sich überraschend als Relikte des Megaloceros

Unerwartet langlebig: Offenbar verschwanden die letzten Riesenhirsche doch nicht schon in der Eiszeit aus Mitteleuropa. Stattdessen müssen mindestens einige Exemplare noch bis vor 12.000 Jahren überlebt haben. Das belegen Knochenfunde in zwei Höhlen der Schwäbischen Alb. Ursprünglich hielt man sie für Elchknochen, erst DNA-Analysen brachten ihre wahre Zugehörigkeit zum Vorschein, wie die Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten.
Der Riesenhirsch Megaloceros giganteus überlebte in Mitteleuropa länger als bisher gedacht

Der Riesenhirsch Megaloceros giganteus überlebte in Mitteleuropa länger als bisher gedacht

Der Riesenhirsch Megaloceros giganteus war einer der großen Pflanzenfresser des Eiszeitalters. Mit einer Schulterhöhe von zwei Metern und einem Geweih von bis zu 3,40 Metern Spannbreite war er eine imposante Erscheinung, die von unseren Vorfahren auch in vielen Höhlenbildern verewigt wurde. Doch mit dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit vor rund 20.000 Jahren verschwand der 1,5 Tonnen schwere Hirsch aus Mitteleuropa – so dachte man jedenfalls bisher. Nur im Nordwesten Europas hielten sich noch einige Vorkommen, vor rund 7.000 Jahren starb der Riesenhirsch dann endgültig aus.

Doch nun sind Johannes Krause von der Universität Tübingen und seine Kollegen bei Ausgrabungen in zwei Höhlen am Rand der Schwäbischen Alb auf fossile Knochen eines hirschähnlichen Tieres gestoßen. Datierungen ergaben, dass diese Relikte rund 12.000 Jahre alt sind. Weil zu dieser Zeit schon lange keine Riesenhirsche in dieser Gegend mehr vorkamen, hielt man die Knochen zunächst für die Relikte eines Urzeit-Elchs.

Unerwartete Überlebende


Um ganz sicher zu gehen, unterzogen die Forscher die in den Höhlen Hohle Fels und Hohlenstein-Stadel entdeckten Knochen einer genetischen Untersuchung. Es gelang ihnen dabei, mitochrondriale DNA aus den Knochen zu gewinnen und auf ihre Artzugehörigkeit zu analysieren. Das überraschende Ergebnis: Es handelte sich eindeutig um Knochen des Riesenhirschs Megaloceros giganteus.


Der Damhirsch (Dama dama) ist der nächste heute lebende Verwandte des Riesenhirschs

Der Damhirsch (Dama dama) ist der nächste heute lebende Verwandte des Riesenhirschs

"Diese unerwartete Präsenz von Megalocerus giganteus in Süddeutschland nach der Eiszeit deutet darauf hin, dass dieser Riesenhirsch länger hier überlebte als bisher angenommen", sagen die Forscher. Möglicherweise habe es auch in anderen Gebieten Mitteleuropas solche Überlebenden gegeben. "Es ist nicht leicht, Elch und Riesenhirsch anhand der Form kleiner Knochenfragmente zu unterscheiden", sagt Krause. "Es könnte daher durchaus noch mehr Knochen geben, die bisher dem Elch zugeordnet wurden, aber vom Riesenhirsch stammen."

Konkurrenz durch Rothirsch und Co


Die DNA half den Forschern auch dabei, die Verwandtschaft der Riesenhirsche näher zu bestimmen – und einen möglichen Grund für ihr Aussterben. Demnach ist der heutige Damhirsch und nicht der Rothirsch der engste noch lebende Verwandte des Riesenhirsches. "Anhand des Körperbaus wurde spekuliert, ob der Rothirsch am nächsten mit dem Riesenhirsch verwandt sei, dies können wir in unserer Studie klar widerlegen", sagt Erstautor Alexander Immel von der Universität Tübingen.

Sein riesiges Geweih war dem Riesenhirsch nach der Eiszeit eher hinderlich.

Sein riesiges Geweih war dem Riesenhirsch nach der Eiszeit eher hinderlich.

Der Rothirsch scheint dafür schon damals ähnlich wie die Rentiere ein Konkurrent des Riesenhirschs gewesen zu sein, wie Isotopenanalysen der Knochen nahelegten: "Vor der letzten Kaltzeit unterschieden sich die Werte von allen drei Arten, danach zeigte sich eine klare Übereinstimmung", erklärt Mitautorin Dorothée Drucker. "Das deutet auf einen kleiner werdenden Lebensraum hin oder auf eine sich überschneidende Ernährungsweise der Hirscharten."

Die Forscher spekulieren, dass sich die Riesenhirsche nach der letzten Kaltzeit den Lebensraum und die Nahrung mit anderen Hirscharten teilen mussten. Zudem war ihr bis zu 3,40 Meter breites Geweih wenig geeignet für das Leben im zunehmend bewaldeten Europa. Wahrscheinlich setzten dem Riesenhirsch die Konkurrenz mit anderen Arten sowie eine mögliche Überjagung durch Menschen zu, was letztlich zum Aussterben dieser imposanten Hirsche führte. (Scientific Reports, 2015; doi: 10.1038/srep10853)
(Eberhard Karls Universität Tübingen, 08.06.2015 - NPO)
 
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