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Donnerstag, 28.07.2016
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Kinderzeichnungen können spätere Intelligenz verraten

Figurenbild kann die geistige Leistung als Jugendlicher vorhersagen - muss aber nicht

Verräterische Strichmännchen: Wie ein vierjähriges Kind Menschen malt, kann darauf hindeuten, wie intelligent dieses Kind mit 14 Jahren sein wird. Darauf deutet ein Zwillings-Experiment britischer Forscher hin. Allerdings müssen sich Eltern von wenig zeichnerisch begabten Kindern deshalb nicht sofort sorgen machen: Es gibt diesen Zusammenhang zwar, aber er ist nur einer von vielen Faktoren, die die Intelligenz bestimmen.
Wenn Vierjährige ein Kind zeichnen, sieht das in etwa so aus.

Wenn Vierjährige ein Kind zeichnen, sieht das in etwa so aus.

Ein krakeliger Kreis als Kopf, Striche als Arme und kleinere Knubbel als Hände oder Finger: Wenn vierjährige Kinder einen Menschen malen, dann kann das durchaus abstrakter Kunst oder kubistischen Portraits ähneln. Dennoch lässt sich an diesen krakeligen ersten Versuchen schon etwas ablesen, wie Psychologen glauben. Denn das Malen ist immer auch Ausdruck des Beobachtens und Verstehens der Zusammenhänge: Was sitzt wo und sieht wie aus.

"Zeichnen ist ein uraltes Verhalten, das weiter als 15.000 Jahre zurückgeht", erklärt Studienleiterin Rosalind Arden vom King’s College London. "Durch das Zeichnen versuchen wir anderen zu zeigen, was in unserem Kopf vorgeht. Diese Fähigkeit, Figuren zu reproduzieren ist eine einzigartige menschliche Fähigkeit und ein Zeichen der geistigen Leistung, ähnlich wie das Schreiben." Schon länger gilt daher die Aufgabe: "Zeichne ein Kind!" als Test für den geistigen Entwicklungsstand von Vierjährigen.

"Zeichne ein Kind!"


Arden und ihre Kollegen wollten jedoch wissen, ob dieser Test auch vorhersagen kann, wie gut sich die Intelligenz dieser Kinder zehn Jahre später entwickelt haben wird und ob es dabei eine genetische Komponente gibt. Für ihre Studie baten die Forscher vor gut zehn Jahren 7.752 Paare von ein- und zweieiigen Zwillingen, das Bild eines Kindes zu malen. Jedes Bild wurde danach bewertet, ob wichtige Körperteile wie Kopf, Augen, Nase, Haare, Mund, Finger etc. abgebildet waren und ob sie in der richtigen Anzahl gezeichnet wurden.


Es ging daher weniger um die künstlerische Begabung als vielmehr darum, ob die Kinder wussten, welche Körperteile zu einem Menschen gehören und diese auch darstellten. Anschließend unterzogen die Psychologen jedes Kind einem Test der verbalen und allgemeinen Intelligenz. Zehn Jahre später, mit 14 Jahren, baten sie die gleichen Kinder noch einmal ins Labor zu einem zweiten Intelligenztest.

Korrelation zur Intelligenz als Teenager


Das erste Ergebnis war zunächst wenig überraschend: Je vollständiger die Vierjährigen ihre Figuren gezeichnet hatten, desto besser schnitten sie auch im anschließenden Intelligenztest ab. "Da der 'Zeichne ein Kind'-Test' erdacht wurde, um die Intelligenz der Kinder zu ermitteln, haben diesen Zusammenhang erwartet", sagt Arden. "Was uns aber überraschte, war der Zusammenhang von Zeichnung mit der Intelligenz zehn Jahre später."

Die Kinder, die mit vier Jahren die vollständigsten Figuren zeichneten, schnitten auch als Jugendliche im Intelligenztest meist besser ab. An den Zeichnungen lässt sich daher zumindest teilweise vorausahnen, wie gut die geistigen Leistungen der Kinder später sein werden. Wie die Forscher berichten, ist die Korrelation aber nicht stark, sondern eher mittel, sie liegt bei 0,20. "Eltern müssen sich daher keine Sorge machen, wenn ihr Kind schlecht zeichnet", betont Arden. "Die zeichnerische Fähigkeit bestimmt nicht die Intelligenz, es gibt noch zahlreiche andere Faktoren, sowohl genetische als auch umweltbedingte, die später die Intelligenz noch beeinflussen."

Es liegt auch in den Genen


Aber die Studie ergab auch eine erbliche Komponente, die Zeichnen und Intelligenz zu verknüpfen scheint: Die eineiigen Zwillinge glichen sich sowohl im Zeichentest als auch in der Intelligenz deutlich mehr als die zweieiigen. Auch der Zusammenhang zwischen dem Malen mit vier Jahren und der Intelligenz zehn Jahre später stimmte bei den genetisch identischen eineiigen Zwillingen besser überein.

"Das bedeutet aber nicht, dass es ein Zeichengen gibt", so Arden. "Wir sind noch weit davon entfernt zu verstehen, wie die Gene so komplexe Verhaltensweisen wie das Zeichnen beeinflussen." (Psychological Science, 2014, in press)
(King's College London, 20.08.2014 - NPO)