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Montag, 26.09.2016
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Mehr Bettgeflüster nach gutem Sex

Das beim Orgasmus freigesetzte Kuschelhormon Oxytocin löst die Zunge

Je besser der Sex, desto enthüllender das Bettgeflüster: Ein Orgasmus verleitet tatsächlich dazu, Geheimnisse oder sehr persönliche Dinge zu verraten. Das belegt ein Experiment von US-Forscherinnen. Der Grund für die Indiskretionen: Das beim Orgasmus ausgeschüttete Kuschelhormon Oxytocin löst die Zunge und nimmt die Angst, zu viel preiszugeben. Alkohol bewirkt überraschenderweise das Gegenteil: Er hemmt das Bettgeflüster.
Junges Liebespaar

Junges Liebespaar

James Bond wusste Bescheid: Durch Sex lassen sich am ehesten Geheimnisse hervorlocken. Denn das entspannte Kuscheln nach dem Orgasmus löst die Zunge und schwächt die Selbstkontrolle. Es animiert dazu, sich Dinge zu erzählen, die man sonst vielleicht eher für sich behalten würde. Was diese Neigung zum postkoitalen Bettgeflüster hervorruft, erforschen Amanda Denes von der University of Connecticut und ihre Kollegen schon seit einigen Jahren.

Löst das Kuschelhormon die Zunge?


"Es ist naheliegend, dass mit dem Orgasmus verbundene neurobiologische Reaktionen eine wichtige Rolle dafür spielen, wie mitteilsam wir nach sexueller Aktivität sind", so die Forscherin. Eine dieser Reaktionen beruht auf dem Kuschelhormon Oxytocin: Dieser Botenstoff fördert Vertrauen und Zuwendung, dämpft aber auch Angst und Aggression. Schon länger ist bekannt, dass Oxytocin beim Orgasmus in größerer Menge ausgeschüttet wird.

"Menschen, die diese Schwemme solcher prosozialer Hormone erfahren, könnten daher auch dazu neigen, freimütiger Informationen preiszugeben", vermuten die Forscher. Denn wenn das Kuschelhormon Ängste nimmt und positiv stimmt, dann beeinflusst dies wahrscheinlich auch die Einschätzung darüber, wie sicher es ist, sich dem anderen zu öffnen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn man nur kuschelt oder Sex hat, ohne zum Orgasmus zu kommen, müsste das Bettgeflüster dann auch weniger intim und offen ausfallen.


Mehr Enthüllungen nach befriedigendem Sex


In einem Experiment haben die Wissenschaftler genau dies nun untersucht. Dafür baten sie 253 weibliche und männliche Versuchspersonen, zwei Wochen lang an ein spezielles Online-Tagebuch zu führen. Immer, wenn sie mit ihrem Partner sexuell aktiv waren, sollten sie anschließend in einem
eigens dafür erstellten Fragebogen angeben, ob sie einen Orgasmus hatten und dann ihr Bettgeflüster nach Kriterien wie Tiefe, Offenheit, Stimmung und Intimität einordnen.

Das Ergebnis der insgesamt 637 ausgefüllten Tagebücher war eindeutig: "Personen, die einen Orgasmus erlebten, enthüllten gegenüber ihrem Partner mehr Informationen über sich selbst als diejenigen, die keinen erlebten", berichten die Forscher. Dinge, die die Probanden sonst nicht erzählen würden, gingen ihnen nach eigenen Aussagen dann leichter über die Lippen. Sie fühlten sich zudem geborgener und sicherer und hatten weniger das Gefühl, durch ihre Enthüllungen verletzlicher zu sein.

"Das Bettgeflüster könnte damit sogar eine entscheidende Rolle für die Enge und Qualität der Beziehung spielen", meint Denes. Denn wenn wir uns dabei unserem Partner öffnen, vertieft dies die Bindung. Das postkoitale Wohlgefühl kann es zudem erleichtern, auch wunde Punkte in der Beziehung anzusprechen.

Alkohol hemmt Bettgeflüster


Die Experimente enthüllten aber noch einen weiteren, überraschenden Effekt: Entgegen den Erwartungen löst Alkohol, der vor dem Sex genossen wurde, die Zunge nicht. Ganz im Gegenteil: Das Bettgeflüster fiel danach oberflächlicher und weniger positiv aus, wie die Forscher berichten. Erklären lässt sich dies mit der neurologischen Wirkung des Alkohols: "Oxytocin kann als Stimulanz oder 'upper' angesehen werden, denn es löst Gefühle der Hochstimmung und Euphorie aus, Alkohol wirkt dagegen eher als 'downer'", so Denes und ihre Kollegen.

Alkohol hebt daher die positive Wirkung des Oxytocins nach dem Sex teilweise auf. Möchte James Bond seinen Bettpartnerinnen Geheimnisse entlocken, dann sollte er ihnen den Drink davor wohl besser vorenthalten. (Communication Monographs, 2014; doi: 0.1080/03637751.2014.926377)
(Taylor & Francis, 04.07.2014 - NPO)
 
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