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Montag, 27.06.2016
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Bienenseuchen bedrohen Hummeln

Tödliche Krankheiten der Honigbienen breiten sich nun auch unter wilden Hummeln aus

Den wilden Hummeln droht Gefahr – und das ausgerechnet von ihren nahen Verwandten, den Honigbienen. Denn diese stecken die Wildbienen mit tödlichen Krankheitserregern an, wie ein deutsch-britisches Forscherteam herausfand. Ein tödliches Bienenvirus und ein parasitischer Einzeller sind bereits unter Hummeln verbreitet. Sie könnten Mitschuld am Niedergang auch der für die Bestäubung so wichtigen Wildbienen haben, so die Forscher in "Nature".
Hummel: Durch Bienenkrankheiten gefährdet

Hummel: Durch Bienenkrankheiten gefährdet

Weltweit kämpfen viele Bienenvölker um ihr Überleben, ganze Stöcke sind plötzlich verwaist. Als Ursache gelten neben den schädlichen Auswirkungen von Pestiziden vor allem zwei Krankheiten: Die Infektion mit dem Flügeldeformationsvirus (DWV) stört die Umwandlung der Larven zur geflügelten Jungbiene und lässt sie mit verkrüppelten Flügeln sterben. Der parasitische Einzeller Nosema ceranae befällt vor allem Arbeiterinnen und löst tödliche Veränderungen der Verdauungsorgane aus. Bisher allerdings galten beide Krankheiten als spezifisch vor allem für Honigbienen.

Sind auch Hummeln bedroht?


Aber auch die Bestände von Wildbienen und Hummeln schwinden. Matthias Fürst von der Royal Holloway University of London und seine Kollegen hatten den Verdacht, dass auch dafür die Bienenkrankheiten mitverantwortlich sein könnten. "Honigbienen teilen ihre Sammelplätze oft mit wilden Bestäuberinsekten, das könnte die Übertragung von Krankheitserregern erleichtern", erklären die Forscher. Saugt eine Hummel Nektar von einer Blüte, die zuvor von einer infizierten Honigbiene besucht wurde, besteht potenziell Ansteckungsgefahr.

Hummeln und Honigbienen besuchen oft die gleichen Blüten

Hummeln und Honigbienen besuchen oft die gleichen Blüten

Wie groß diese Gefahr tatsächlich ist, haben die Forscher zunächst in Laborversuchen untersucht. Dabei stellten sie fest, ob sich Hummeln mit dem Flügeldeformationsvirus und dem Nosema-Einzeller anstecken lassen. Wie sich zeigte, war dies für beide Erreger der Fall. Im nächsten Schritt führten die Wissenschaftler eine großangelegte Beprobung an 26 Standorten in Großbritannien durch. Sie sammelten dabei an jedem Probenort zehn Honigbienen und 20 Hummeln und prüften, ob diese mit einem der beiden Erreger infiziert waren.


Ansteckung schon im Gange


Das Ergebnis: Eine Ansteckung von Bienen zu Hummeln ist offenbar schon in vollem Gange. Überall dort, wo viele infizierte Honigbienen vorkamen, fanden die Forscher auch vermehrt infizierte Hummeln. Zwar könne ihre Studie die Übertragung von Honigbiene zu Hummel nicht direkt belegen, die Verteilung der Erreger mache dies aber sehr wahrscheinlich, konstatieren sie.

Das Flügeldeformationsvirus war dabei durchschnittlich in rund 36 Prozent der Bienen und in 11 Prozent der getesteten Hummeln präsent. Nosema-Infektionen waren dagegen deutlich seltener und erreichten in beiden Arten weniger als zehn Prozent. "Auch wenn unsere Daten aus Großbritannien stammen, die Voraussetzungen für eine solche Epidemie finden sich weltweit", betonen Fürst und seine Kollegen.

Jungbiene mit verkrüppelten Flügeln und fehlgebildetem Hinterleib

Jungbiene mit verkrüppelten Flügeln und fehlgebildetem Hinterleib

Bienenhandel schleppt Erreger ein


Nach Ansicht der Forscher ist die Übertragung von Krankheiten überall dort, wo Bienenvölker gehalten werden, wahrscheinlich sogar eine der Hauptursachen für den Schwund von Hummeln und andern Wildbienen. Der globale Handel mit Bienenvölkern und kommerziell gehaltenen Hummeln könnte die Ansteckungsgefahr noch verstärken und zur Ausbreitung der Epidemie beitragen. "Die Importe von Bienenkolonien und die Hygiene strenger zu kontrollieren, wäre sinnvoll - ist aber erfahrungsgemäß schwer umzusetzen", so Fürst und seine Kollegen.

Umso wichtiger ist es ihrer Einschätzung nach, zumindest sicherzustellen, dass diejenigen, die mit Honigbienen umgehen, das Wissen und die Methoden beherrschen, um eine Infektion ihrer Kolonien zu erkennen. Das sei der erste Schritt, um die Honigbienen und ihre wilden Verwandten vor der Bedrohung durch diese Krankheiten zu bewahren, so die Forscher. (Nature, 2014; doi: 10.1038/nature12977)
(Nature, 20.02.2014 - NPO)