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Freitag, 10.02.2012
Intelligente Kleidung bei Kiefernzapfen abgeschaut
Miniborsten übernehmen die automatische Lüftung
Eine neue Art „intelligenter“ Kleidung passt sich mithilfe eines von der Natur abgeschauten Prinzips an wechselnde Temperaturen an. Die von Forschern der Universität Bath und des London College of Fashion entwickelten Textilien sind von einem bei Kiefernzapfen vorkommenden System inspiriert: Diese spreizen ihre Schuppen ab, wenn sie ihre Samen freigeben. Die mit aus speziellen Mikrofasern bestehende Kleidung ahmt dieses Verfahren nach und nutzt es um bei Wärme kühlende Luft hineinzulassen, bei Kälte aber auszusperren.

Frau mit
Frau mit "intelligenter" Kleidung
© University Of Bath
Die Schuppen von Kiefernzapfen öffnen sich, wenn der Zapfen vom Baum fällt, um die Samen freizugeben. Zwei Schichten von steifen, in verschiedenen Richtungen verlaufende Fasern ermöglichen diesen Öffnungsmechanismus: Wenn der Zapfen trocken wird, dehnt sich die Innenseite der Schuppen stärker aus als die Außenseite und biegt dadurch die Schuppe nach außen – der Zapfen öffnet sich. Ein ähnliches Prinzip haben die Wissenschaftler jetzt auch für Textilien entwickelt.

Die “smarten” Textilien, die nach Ansicht der Wissenschaftler schon in wenigen Jahren auf dem Markt verfügbar sein könnten, bestehen aus einer oberen Schicht aus winzigen, nur ein Zweihundertstel Millimeter dicken Borsten eines wasserabsorbierenden Materials, wie beispielsweise Wolle. Wenn der Träger der Kleidung warm wird und schwitzt, reagieren die winzigen Borsten im Material und stellen sich auf, so dass Luft von außen durch das Material passieren kann, um die Haut zu kühlen. Wenn der Träger sich genügend abgekühlt hat und aufhört zu schwitzen, senken sich die Borsten wieder und formen eine undurchlässige, isolierende Barriere.

Die unter Schicht der Kleidung ist dagegen nicht porös und schützt daher vor Regen unabhängig davon, ob die Borsten gerade offen oder geschlossen sind. Die Technologie wurde vom Zentrum für Biomimetic an der Universität Bath entwickelt. Hier suchen Wissenschaftler gezielt nach Anregungen in der Natur, um sie in neue Technologien umzusetzen. Der Leiter des Zentrums, Julian Vincent erklärt: „Die neue intelligente Kleidung wird das Leben seiner Träger viel angenehmer machen, weil sie automatisch zur Regulierung der Körpertemperatur beiträgt. Wir haben uns in der Natur umgesehen und kamen auf die Idee, als wir beobachteten, wie Kiefernzapfen auf Trockenheit reagieren, indem sie sich öffnen.“

Das Design der Textilien hat Veronika Kapsali, eine Designstudentin am London College of Fashion übernommen. „Es macht großen Spaß an einem Projekt zu arbeiten, das eine fundamentale Änderung in der Kleidung bringen könnte“, erklärt sie. „Es liegt jetzt an mir, aus dem neuen Material etwas zu schaffen, das sowohl cool als auch innovativ aussieht. Ich sehe dies als faszinierende Schnittstelle zwischen Design und Technologie.“ Das Material könnte ein breites Anwendungsspektrum haben und für Mäntel, Hüte, Handschuhe, Shirts, Hosen oder Kleider eingesetzt werden.

Die intelligente Kleidung wurde dafür ausgewählt, als eines von acht Projekten Großbritannien bei der Expo 2005 in Japan zu repräsentieren. Das Motto der im September des nächsten Jahres stattfindenden Weltausstellung ist „Die Weisheit der Natur“.
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