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Samstag, 01.10.2016
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Gentechnik in Biogemüse nachgewiesen

Test: 17 von 37 Gemüsesorten enthielten fremdes Erbgut

Bisher schien die Sache klar: Wer sicher gehen wollte, keine gentechnisch veränderten Lebensmittel zu kaufen, griff zur Bio-Ware. Doch jetzt zeigt eine Stichprobe des ZDF-Verbrauchermagazins "WISO" bei großen Bioketten: 17 von insgesamt 37 Biogemüse-Proben erwiesen sich als gentechnisch verändert. Die Sorten waren Hybride, die mittels Zellfusion produziert wurden. Das ist in der EU zwar auch für Bioware zugelassen, deutsche Bioverbände wie Demeter und Bioland lehnen solche Hybridsorten jedoch eigentlich strikt ab.
Biogemüse - manchmal ist doch Gentechnik drin

Biogemüse - manchmal ist doch Gentechnik drin

Das Biogemüse für den Test stammte aus verschiedenen Filialen der Biomärkte Alnatura, denn´s, Basic, BioCompany und tegut. Bei ihrer Stichprobe wiesen die Experten in Labortests in mehreren Gemüsesorten fremdes Genmaterial nach. In Bio-Chicorée fanden sie die Erbsubstanz der Sonnenblume, in Bio-Blumenkohl und Brokkoli die Erbsubstanz des japanischen Rettichs. Beim frischen Brokkoli waren 60 Prozent und beim Chicorée 40 Prozent der Proben positiv, also gentechnisch verändert. Auch im Tiefkühlgemüse wurde "WISO" fündig.

Fremde Gene machen steril und steigern den Ertrag


Bei den betroffenen Gemüsesorten handelt es sich um so genannte CMS-Hybride. CMS steht für "Cytoplasmatische Männliche Sterilität". CMS bewirkt, dass sich die Pflanzen nicht mehr selbst bestäuben, stattdessen wachsen die Erträge. Um sich diese Eigenschaft in der Zucht von Hybriden zunutze zu machen, wird CMS auf Blumenkohl, Brokkoli oder Chicorée übertragen. Das geschieht mittels Zellfusion, einem Verfahren der Gentechnik.

Das Resultat ist eine Zelle, die die Erbsubstanz zweier verschiedener Arten enthält. Nach der EU-Freisetzungsrichtlinie zählt die Zellfusion zur Gentechnik. Für CMS-Hybride formuliert die Richtlinie allerdings eine Ausnahme. Daher dürfen konventionelle Landwirte, aber auch Biobauern, die nach EU-Standard produzieren, CMS-Hybride anbauen und vermarkten.


Demeter reagierte sofort


Die deutschen Bioverbände wie Demeter und Bioland lehnen CMS-Hybride jedoch strikt ab. "Wir garantieren: Kein Einsatz von Gentechnik", schreibt denn´s auf seiner Internetseite. Und Alnatura proklamiert im Internet: "Bio-Produkte werden ohne Gentechnik erzeugt. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen oder deren Derivaten ist in der Bio-Landwirtschaft und -Verarbeitung verboten."

Demeter hat aufgrund der "WISO"-Recherche sofort reagiert. Auch in einer Probe des Demeter-Tiefkühlblumenkohls der Marke "Natural Cool Blumenkohl" hatte das Labor fremde DNA gefunden. Gegenüber "WISO" sagte der Vorstand, Alexander Gerber, dass das Unternehmen die Zellfusionstechnik ablehne und Demeter ein Fehler passiert sei. "Wir haben sofort die Ware vom Markt genommen. Sie ist nicht mehr verfügbar. Und wir haben die Kontrollen auf allen Betrieben intensiviert."

Mehr dazu bei WISO
(ZDF, 05.08.2013 - NPO)
 
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