• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 28.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Masern breiten sich in Deutschland rapide aus

Impf-Müdigkeit führt zu einem besorgniserregenden Anstieg der Fallzahlen

Die Impfmüdigkeit der Deutschen hat Folgen: Seit Anfang des Jahres grassiert erneut eine Masern-Epidemie, wie die Gesundheitsbehörden melden. Betroffen sind vor allem Erwachsene, die als Kinder nicht oder nur einmal gegen die Infektion geimpft worden sind. Auch Mumps-Fälle nehmen wieder zu. Beide Infektionen können schwerwiegende und bleibende Folgen verursachen - diese sogenannte Kinderkrankheiten sind alles andere als harmlos. Mediziner appellieren, fehlende Impfungen dringend nachzuholen.
Masern-Virus - seine Gefährlichkeit wird von vielen unterschätzt

Masern-Virus - seine Gefährlichkeit wird von vielen unterschätzt

Masern gelten häufig als typische Kinderkrankheit. Aber auch Erwachsenen können sich mit diesem Virus anstecken. Wer erkrankt, bekommt mit viel Glück nur einen Hautausschlag, Fieber und grippe-ähnliche Symptome. Aber in einigen Fällen nimmt die Krankheit einen weitaus schwereren Verlauf. Bei immerhin jedem Tausendsten verursacht sie eine schwere Hirnentzündungen mit oft bleibenden Folgen. Ebenfalls einer von Tausend stirbt sogar an den Masern. Weltweit ist das Masernvirus für 140.000 Todesfälle jährlich verantwortlich. Ein wirksames Heilmittel für die Masern gibt es nicht.

Erhöhtes Risiko durch unbegründete Angst vor Impf-Folgen


Vor der Krankheit und ihren schwerwiegenden Folgen schützen kann nur eine Impfung. Deshalb sollen alle Kinder im zweiten Lebensjahr die sogenannte Masern-Mumps-Röteln Kombinations-Impfung (MMR) bekommen - eigentlich. Doch gerade in Deutschland weigern sich viele Eltern, ihren Nachwuchs impfen zu lassen - aus Angst vor Nebenwirkungen. Diese bestehen meist nur aus einer leichten lokalen Reizung an der Impfstelle, können aber auch vorübergehend leichte Magen-Darm-Beschwerden oder Erkältungssymptome auslösen.

Masern-Impfung bei einem Kleinkind

Masern-Impfung bei einem Kleinkind

Ärzte sehen in der übertriebenen Angst vieler Eltern ein großes Problem, da sie ihre Kinder damit bewusst der Gefahr einer schweren, im Extremfall sogar tödlichen Infektion aussetzen. Zudem sind in einem Umfeld, in dem nur wenige Geimpft sind, auch diejenigen stark gefährdet, die aus gesundheitlichen Gründen - beispielsweise Allergien - nicht selbst geimpft werden können. Auch Säuglinge verlieren so den Schutz der "Herdenimmunität". Hinzu kommt, dass viele Kinder zwar die erste Impfung mit dem Kombinationsimpfstoff erhalten haben, nicht aber die für einen ausreichenden Schutz nötige zweite Impfung.


Nach aktuellen Erhebungen ist in Deutschland daher nur rund ein Drittel der Bevölkerung gegen Masern immunisiert - viel zu wenig, um gegen einen Ausbruch und eine schnelle Verbreitung der Krankheit zu schützen. Während in den USA gut 95 Prozent der Kinder geimpft werden - genügend, um die Krankheit langfristig auszurotten - hinkt Deutschland weit hinterher.

Schon jetzt fünf Mal mehr Fälle als im letzten Jahr


Das belegen auch die aktuellen Fallzahlen: Seit Anfang dieses Jahres sind bereits knapp 1.000 Masernfälle den Gesundheitsbehörden gemeldet worden - das ist jetzt schon fünf Mal mehr als im gesamten letzten Jahr. 2012 erkrankten 166 Personen an einer Masern-Infektion. Ausbrüche grassieren momentan vor allem in Bayern und Berlin, aber auch in anderen Regionen Deutschland sind Fälle aufgetreten, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. „Aktuell besorgen uns Ausbrüche bei Erwachsenen“, erklärt Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie (GfV). In fast der Hälfte der gemeldeten Fälle waren die Betroffenen zwanzig Jahre alt oder älter.

Besorgniserregend sei auch die aktuelle Zunahme der Mumpserkrankungen, erklärt Mertens. Bei vielen Infizierten verursacht diese Krankheit nicht nur die typischen "Hamsterbacken", sie befällt auch das zentrale Nervensystem – meist mit gutartigem Ausgang. Allerdings kann es in manchen Fällen zu einseitiger oder beidseitiger bleibender Taubheit kommen. Verantwortlich für den Anstieg der Fallzahlen sind auch hier die zu niedrigen Impfquoten bei der zweiten MMR-Kombinations-Impfung, sagen die Experten.

Wer als Kind die nötigen Impfungen nicht erhalten hat, kann dies aber nachholen: „Wir empfehlen allen nach 1970 geborenen Personen, bei denen der Impfstatus unklar ist oder die nur eine MMR-Impfung erhalten haben, dringend die zweite Impfung nachzuholen, wie die Ständige Impfkommission (STIKO) es empfiehlt“, sagt Mertens.
(Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften / RKI, 12.07.2013 - NPO)
 
Printer IconShare Icon