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Weihrauch kann künftig schonender geerntet werden
Neue Erkenntnisse zum Verlauf der Leitungen im Stamm erleichtern die Harzgewinnung
Weihrauch war bereits im Altertum eine kostbare Gabe - deshalb sollen auch die drei Weisen aus dem Morgenland dem neugeborenen Jesus dieses würzig riechende Harz geschenkt haben. Aber auch heute noch ist Weihrauch ein echter Wirtschaftsfaktor. Wie sich das Harz zukünftig schonender für den Baum ernten lässt, hat ein internationales Forscherteam jetzt herausgefunden. Die Botaniker analysierten erstmals genau das komplexe Leitungssystem, mit dem der Baum sein Harz in der Rinde verteilt.
Weihrauch-Klumpen.
Weihrauch-Klumpen.
© gemeinfrei Weihrauch-Klumpen.
Weihrauch wird von Bäumen der Art Boswellia produziert. Gewonnen wird es, indem die Rinde dieser Bäume angeritzt wird und das heraustropfende Harz aufgefangen wird. Dieses sogenannte Tapping wird typischerweise an mehreren Stellen des Stammes gleichzeitig durchgeführt. Ein einziger Baum kann so pro Jahr 200 bis 350 Gramm des beim Verbrennen stark riechenden Stoffs abgeben. Hauptexporteur für Weihrauch ist Äthiopien, aus diesem Land gelangen jedes Jahr rund 4.000 Tonne Weihrauch auf den Weltmarkt. Doch die hohe Nachfrage nach dem Harz könnte langfristig das Überleben der Boswellia-Bäume gefährden, warnt jetzt das niederländisch-äthiopische Forscherteam.

Ständige Verletzung macht Bäume anfälliger
"In einigen Gebieten hat die große Nachfrage nach Weihrauch bereits zu einer Übernutzung der Bäume geführt", erklärt Motuma Tolera von der Universität Wageningen in den Niederlanden. Normalerweise werde das Tapping währender Trockenzeit rund acht bis zwölf Mal pro Baum wiederholt - Tendenz steigend. Das ständige Anritzen erzeuge aber Wunden im Stamm und mache die Bäume so anfälliger für Schadinsekten. Je mehr Wunden, desto anfälliger werde der Baum. Einige Bäume gingen dadurch sogar zugrunde. "Das ist schlecht für die Bäume, aber auch für die Menschen in diese Regionen, die von der Weihrauchernte leben", so der Botaniker.

Eines der Probleme bei den bisherigen Erntemethoden sei die geringe Kenntnis über die genaue Architektur der Harzleitungen, erklären die Forscher. Deshalb habe man dieses Leitungssystem nun genauer untersucht. "Was wir gefunden haben ist ein dreidimensionales Netzwerk von miteinander verbundenen Kanälen in der inneren Rinde", erklärt Tolera. Die meisten dieser Leitungen lägen innerhalb einer nur sieben Millimeter dicken Rindenzone. Diese sorge für den Transport des Harzes im Baum. Einige zusätzliche Kanäle verbinden zudem dieses Leitungsgeflecht mit dem Inneren des Stammes.

Historische Zeichnung des Weihrauchs und seiner Blüten
Historische Zeichnung des Weihrauchs und seiner Blüten
© Historische Zeichnung aus Köhler's Medizinal-Pflanzen (1897) Historische Zeichnung des Weihrauchs und seiner Blüten
Diese neuen Erkenntnisse könnten die Harzernte künftig effektiver und für den Baum schonender machen, sagen die Forscher. Denn bisher beginne man mit einem nur flachen Einschnitt, der dann sukzessive immer wieder neu aufgerissen werde und allmählich vertieft. Dadurch bleibe nahezu ständig eine Wunde am Baum. Am meisten Weihrauch fließe dabei meist erst nach fünf bis sieben Runden des Tappings. "Ein Schnitt, der schon am Anfang tiefer geht, könnte das Harz dagegen sehr viel effektiver ausfließen lassen", sagt Tolera. Dadurch reduziere sich auch die Anzahl der Schnitte und damit der Schaden für die Bäume. Die Weihrauchernte könnte dadurch reichhaltiger und dennoch schonender ausfallen. (Annals of Botany, doi: 10.1093/aob/mcs236)
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