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Samstag, 01.11.2014
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Neandertaler lernten Schmuckherstellung von unseren Vorfahren

Rund 40.000 Jahre alte Fundstücke liefern neue Hinweise auf Kultur der letzten Eiszeitmenschen

Die Neandertaler könnten sich die Kunst der Schmuckherstellung von unseren Vorfahren abgeschaut haben. Darauf deutet eine neue Datierung von rund 40.000 Jahre alten Funden aus der Grotte de Renne in Frankreich hin. Diese Höhle ist einer der wenigen Orte weltweit, an denen Schmuckstücke und Neandertaler-Fossilien eng beieinander gefunden wurden. Bisher war jedoch umstritten, ob dieser Schmuck von den Eiszeitmenschen stammt oder von den später in diese Gegend Europas eingewanderten modernen Menschen. Die neue Datierung spreche nun aber gegen einen späteren Ursprung der Fundstücke. Der Schmuck sei in etwa gleich alt wie ein in der Nähe entdecktes Neandertalerskelett, berichten Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und ihre Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Von Neandertalern vor rund 40.000 Jahren hergestellter Körperschmuck

Nach Ansicht der Forscher sprechen Alter und Abfolge der Funde dafür, dass die Neandertaler die Schmuckherstellung kennenlernten, als sie mit den ersten modernen Menschen in Kontakt kamen. "Die Schmuckstücke entstanden zu einer Zeit, als der Homo sapiens schon im Süden Europas Fuß gefasst hatte", schreiben Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und seine Kollegen. Die weiter nördlich lebenden letzten Neandertaler könnten daher durchaus Kulturtechniken und Verhaltensweisen von den Neuankömmlingen übernommen haben, bevor sie wenige Jahrtausende später endgültig ausstarben. "Sehr wahrscheinlich standen die beiden Menschengruppen vor mehr als 40.000 Jahren in kulturellem Austausch", sagt Hublin.

Auch diese Knochenartefakte wurden vor rund 40.000 Jahren von Neandertalern bearbeitet

Auch diese Knochenartefakte wurden vor rund 40.000 Jahren von Neandertalern bearbeitet

Ringe, Anhänger und Spangen aus Elfenbein


Lange Zeit galten Schmuck und Ornamente als Erfindung der ersten modernen Menschen. In den 1950er Jahren aber wurden in der Grotte du Renne im französischen Burgund zahlreiche Neandertalerzähne gemeinsam mit einfachen Ringen, Anhängern und Spangen aus Elfenbein und anderen Materialien gefunden. Dies galt zunächst als Beleg dafür, dass auch die Eiszeitmenschen schon solche schmückenden Gegenstände herstellten. "Ob diese Schmuckstücke aber tatsächlich von den Neandertalern stammten, ist bis heute umstritten", erklären die Wissenschaftler.

So wiesen britische Forscher im Jahr 2010 enorme Altersunterschiede zwischen den verschiedenen Fundstücken aus der sogenannten Châtelperronien-Schicht in der Grotte du Renne nach. Dies sprach ihrer Ansicht nach dafür, dass die Schmuckstücke von modernen Menschen stammten und erst nachträglich durch das Aufwühlen des Untergrunds mit den Neandertaler-Relikten vermischt worden waren.

Kollagen aus fossilen Knochen datiert


Um dies zu überprüfen, haben Hublin und seine Kollegen nun erneut Fundstücke aus der Châtelperronien-Schicht und den darüber und darunter liegenden Ablagerungen geborgen und mittels modernster Technologie datiert. Zudem datierten sie auch ein Neandertaler-Skelett, das im nahegelegenen Saint Césaire gefunden worden war. Für ihre Analyse extrahierten die Forscher das Kollagen aus den fossilen Knochenresten und führten damit eine Radiokarbonmessung durch. Bei einer solchen Messung wird das Verhältnis verschiedener Isotope des Kohlenstoffs in einer Probe untersucht. Da sich dieses im Laufe der Zeit verändert, können Forscher daraus auf das Alter kohlenstoffhaltiger Proben schließen.

Das Ergebnis: Die 31 Proben aus der Châtelperronien-Schicht waren alle zwischen 35.500 und knapp 41.000 Jahren alt. Ausreißer, die auf eine Vermischung der Schichten hindeuteten, habe es dagegen nicht gegeben, sagen die Forscher. Die Datierung des Neandertaler-Skeletts von Saint Césaire habe ein Alter zwischen rund 40.500 und 42.000 Jahren ergeben. Die Neandertaler lebten demnach zur Entstehungszeit der Schmuckstücke noch in der Gegend und könnten daher deren Schöpfer sein, wie die Wissenschaftler erklären. (doi:10.1073/pnas.1212924109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 30.10.2012 - NPO)

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