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Sonntag, 23.07.2017
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Forscher entdeckt in Laos einen Riesen-Weberknecht

In einer Höhle gefundenes Spinnentier hat eine Beinspannweite von 33 Zentimetern

Ein deutscher Spinnenforscher hat in Laos einen bisher unbekannten Riesen-Weberknecht entdeckt. Das achtbeinige Spinnentier hat eine Beinspannweite von 33 Zentimetern. Der noch namenlose Weberknecht gehört damit zu den größten Vertretern seiner Gattung. Den Rekord hält noch immer eine Art aus Südamerika mit etwas mehr als 34 Zentimetern Beinspannweite. Der neu entdeckte Weberknecht wurde in einer Kalksteinhöhle im Süden von Laos gefunden - ähnlich wie zuvor schon weitere ungewöhnlich große Gliederfüßer. Dazu gehörten unter anderem ein Hundertfüßer von fast 40 Zentimetern Länge und eine Riesenkrabbenspinne mit 15 Zentimeter langen Beinen.
Der in Laos neu entdeckte Weberknecht hat besonders lange Beine

Der in Laos neu entdeckte Weberknecht hat besonders lange Beine

"Welche Mechanismen oder Faktoren für diese Häufung des Riesenwuchses verantwortlich sind, ist noch unklar", erklärt der Entdecker des Weberknechts, der Spinnenforscher Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt in einer Mitteilung des Instituts. Eine Erklärungsmöglichkeit sei das potentiell langsamere Wachstum in den Höhlen. Die Tiere nehmen zwar langsamer an Größe zu, wachsen aber dafür länger als sonst.

Allerdings gibt es auch für diesen Riesenwuchs Grenzen, wie der Forscher erklärt: Ab einer gewissen Größe gelangt nicht mehr genügend Sauerstoff in das Körperinnere der Spinnen, Weberknechte und anderen Gliederfüßer. Zu lange Beine wiederum sind ab einer gewissen Länger eher hinderlich - sie können bei der Flucht oder dem Beutefang nicht mehr schnell genug bewegt werden. Die Tiere würden dann buchstäblich über ihre eigenen Füße fallen.

Entdeckt in einer Drehpause


Entdeckt hat der Spinnenforscher den neuen Weberknecht fast schon durch Zufall: Denn eigentlich war er im April für Filmaufnahmen einer großen Fernsehproduktion nach Laos gereist. "In den Drehpausen habe ich in den Höhlen der südlichen Provinz Khammouan Spinnentiere gesammelt", erzählt der Wissenschaftler. In einer der Höhlen habe er den Weberknecht mit den enormen Ausmaßen entdeckt. Zunächst schlummerte der Fund zwischen anderen Tieren und wurde erst beim Sortieren und Etikettieren als einmalig erkannt.


"Bei dem Versuch, das Tier systematisch zu bestimmen und ihm einen wissenschaftlichen Namen zuzuordnen, stieß ich aber schnell an meine Grenzen", sagt Jäger. Denn der Wissenschaftler beschäftigt sich überwiegend mit Riesenkrabbenspinnen - Weberknechte gehören nicht zu seinem Spezialgebiet. Auch eine herbeigerufene Spezialistin, Ana Lucia Tourinho vom National Institute for Research of the Amazon (INPA) im brasilianischen Manaus, die zurzeit im Labor des Senckenberger Arachnologen gastiert, konnte nur feststellen, dass es sich wahrscheinlich um die Gattung Gagrella aus der Familie der sogenannten Sclerosomatidae handelt.

Vertreter dieser Weberknecht-Familie sind in fast allen Lebensräumen zu finden. Wie der Forscher berichtet, sind sie in der natürlichen Nahrungskette wichtige Räuber. Auch für Verhaltensforscher und Evolutionsbiologen seien die langbeinigen Tiere interessant: Zum Beispiel präsentiert das Männchen dem Weibchen während der Balz ein Braut-Geschenk, welches seine Fitness signalisieren soll. Erst wenn das Weibchen dieses Geschenk akzeptiert, kommt es zur Paarung.

"Es ist schade, dass wir so einen besonderen Fund nicht befriedigend - das heißt bis zur Art - identifizieren können", meint Jäger. Weil es an geschulten Taxonomen fehle - das sind auf die Bestimmung von Organismen spezialisierten Biologen - blieben viele Funde unbearbeitet. Der Senckenberger Spinnenforscher möchte nun mit seiner brasilianischen Kollegin und in Kooperation mit weiteren Forschern die Familie der Sclerosomatidae in einer Fallstudie mit herkömmlichen und molekularen Methoden eingehend untersuchen. Die Ergebnisse sollen dann auf andere Gruppen und Regionen übertragbar sein. "Wir möchten verhindern, dass in Zukunft erneut Experten zur Bestimmung solch einzigartiger Tiere fehlen", erläutert Jäger.
(Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 17.10.2012 - NPO)
 
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