• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 22.09.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Sexual-Lockstoff führt hungrige Raupen zum Futter

Entgegen bisherigen Annahmen reagieren auch Mottenlarven schon auf das Pheromon

Der Sexual-Lockstoff von Schmetterlings-Weibchen zieht nicht nur ihre Männchen an: Auch hungrige Raupen erkennen diesen Geruch und finden ihn unwiderstehlich - vermutlich weil er ihnen geeignetes Futter anzeigt. Das haben französische Forscher an der Eulenfalterart Spodoptera littoralis, einem am Mittelmeer und in Afrika verbreiteten Pflanzenschädling, herausgefunden. Sowohl männliche als auch weibliche Raupen seien im Experiment gezielt auf eine Duftquelle mit dem Lockstoff hingekrochen. Von zwei Futterangeboten wählten die Larven zudem immer jenes, unter das zuvor der Weibchenduft gemischt worden war, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications".
Afrikanischer Baumwollwurm, die Raupe der Eulenfalterart Spodoptera littoralis

Afrikanischer Baumwollwurm, die Raupe der Eulenfalterart Spodoptera littoralis

Dieses Ergebnis sei völlig unerwartet. Denn bisher habe man angenommen, dass die Jugendstadien von Schmetterlingen noch gar keine Geruchssensoren für Sexual-Lockstoffe besäßen. Jetzt zeige sich, dass die Larven sogar zwischen dem Duft von artverwandten und artfremden Weibchen unterscheiden können.

"Die unerwartete Reaktion der Raupen weckt die Frage, wozu diese noch lange nicht geschlechtsreifen Jungtiere auf einen Sex-Lockstoff reagieren sollten", schreiben Erwan Poivet vom französischen Nationalinstitut für landwirtschaftliche Forschung (INRA) in Versailles und seine Kollegen. Es könne dabei noch nicht darum gehen, einen Partner zu finden. Die Forscher vermuten aber, dass die Raupen den Lockstoff als Hilfe bei der Futtersuche nutzen: Während erwachsene Schmetterlinge Tausende von Riechsensoren auf ihren Antennen tragen, sind es bei den Raupen nur wenige Dutzend. Ihre Antennen sind zudem weitaus kürzer und primitiver aufgebaut als die der Erwachsenen. "Für eine Larve ist es daher nicht einfach, die komplexen Pflanzendüfte zu entschlüsseln und die für sie geeignete Nahrungspflanze zu erkennen", erklären die Wissenschaftler. Der Duft der Weibchen, den diese auf den Blättern hinterlassen, könne den Larven aber dabei helfen.

Da viele Pflanzenschädlinge zu den Schmetterlingen gehören, ließe sich die neue Erkenntnis möglicherweise auch für den Pflanzenschutz nützen, sagen die Forscher. Beispielsweise indem man die Raupen mit Hilfe des Duftstoffs von gefährdeten Kulturpflanzen weglocke.


Kriechtests in der Duftstoff-Arena


Für ihre Studie hatten die Forscher Experimente mit Larven des Afrikanischen Baumwollwurms (Spodoptera littoralis) durchgeführt. Sie prüften, ob Raupen verschiedenen Alters auf den Sexual-Lockstoff der eigenen Art und den der verwandten Kohleule (Mamestra brassica) zukrochen. In einem weiteren Versuch testeten sie, ob die Larven Futter mit Lockstoff-Beimischung gegenüber reinem Futter bevorzugten. In beiden Fällen habe man sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Larven eine klare Vorliebe für den Sexual-Lockstoff der eigenen Art festgestellt, berichten die Forscher. Diese sei in allen Larvenstadien gleich stark gewesen.

Als nächstes untersuchten Poivet und seine Kollegen die Sensoren auf den Antennen der Larven näher. Dabei zeigte sich, dass einige Riechzellen in Anwesenheit des Lockstoffs aktiv wurden, nicht aber wenn sie mit anderen Düften in Kontakt kamen. Wie die Forscher berichten, hatten bisherige Untersuchungen ergeben, dass nur ausgewachsene Schmetterlinge die auf Sexual-Lockstoffe spezialisierten Sensoren auf den Antennen tragen. Jetzt zeige sich, dass das zwar stimme, dass aber bei den Larven andere Riechsensoren diese Aufgabe übernommen hätten. (doi:10.1038/ncomms2050)
(Nature Communications, 05.09.2012 - NPO)
 
Printer IconShare Icon