• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 26.07.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Marihuana-Konsum kann den IQ senken

Erste umfangreiche Studie zeigt besonders starke Auswirkungen von Cannabis auf das Denkvermögen von Jugendlichen

Langjähriges Rauchen von Marihuana könnte die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen. Das zeigt nun erstmals eine umfangreiche und langjährige Studie mit rund 1000 Probanden. Ein internationales Forscherteam zeichnete dafür den Intelligenz Quotienten (IQ) und Cannabis-Konsum der Testpersonen vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter auf. Beim Vergleich der Altersgruppen nahm der IQ am deutlichsten bei Jugendlichen ab, die regelmäßig das Rauschgift inhalierten. Laut den Berichten enger Freunde der Probanden zeigten diese zudem ein schlechtes Erinnerungsvermögen und erheblich mehr Probleme sich zu konzentrieren. Diese Ergebnisse bestätigen früheren Annahmen, dass Cannabis vor allem im Jungendalter, wenn das Gehirn sich gerade noch entwickelt, neurotoxisch wirken kann, erklären die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Cannabis-Pflanze

Cannabis-Pflanze

Cannabis ist die meist konsumierte, illegale Droge auf der Welt. Da es nicht nur als Suchtmittel, sondern auch zu therapeutischen Zwecken dient, sei es wichtig dessen Effekte auf den ganzen Körper zu kennen, schreiben Madeline Meier von der Duke University in Durham und ihre Kollegen. Dabei hätte sich durch frühere Studien bereits der Verdacht erhärtet, dass jahrelanger, starker Cannabis-Konsum das Denkvermögen beeinträchtigt. Die meisten dieser Studien seien jedoch wenig aussagekräftig, da sie den IQ der Probanden erst erfassten, als diese schon jahrelang Cannabis geraucht hatten, um die Ergebnisse dann mit gleichaltrigen Nicht-Rauchern zu vergleichen. So konnten diese Studien nicht ausschleißen, dass die Cannabis-Konsumenten nicht schon von vornherein Voraussetzungen für einen niedrigeren IQ hatten, erklären die Forscher. Neben einer kleinen Studie mit nur rund 100 Testpersonen, sei dies damit die erste umfangreiche Untersuchung, welche die Intelligenz bereits im Kindesalter und damit vor der ersten Cannabis-Zigarette erfasst.

Rund 1000 Probanden wurden befragt


Insgesamt begleiteten die Wissenschaftler 1004 Neuseeländer aller sozialer Gruppen vom Kindesalter bis ins Erwachsenenalter. Erste IQ Tests mussten die Probanden bereits mit sieben absolvieren und ein letztes Mal im Alter von 38 Jahren. In der letzten Studienphase wurden auch Freunde der Probanden befragt, wie sie deren Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit einschätzen. Den jeweiligen Cannabis-Konsum der einzelnen Personen, erfassten die Forscher mit Hilfe von regelmäßigen Interviews.

Das Ergebnis der Studie war: Bei Studienteilnehmern, die kein Cannabis rauchten, stieg der IQ leicht vom Kindes- bis hin zum Erwachsenenalter. Bei jenen, die das Rauschmittel über drei oder mehr Jahre hinweg nahmen, verschlechterten sich die geistigen Fähigkeiten hingegen deutlich, sagen die Forscher. Einige hätten beim letzten Test bis zu sechs IQ Punkte weniger erlangt, so dass ihr IQ beispielweise von 100 auf 94 sank.


Besonders Jugendliche zeigen Folgeschäden


Dabei wirkte sich die Droge stärker auf jene Personen aus, die bereits im Jugendalter regelmäßig Joints rauchten. Den Berichten ihrer Freunde zufolge, hatten diese auch im Alltag mehr Probleme aufmerksam zu bleiben und sich zu konzentrieren. Selbst bei Studienteilnehmern, die ihren Cannabis-Konsum nach der Jugend reduzierten, oder gar ganz mit dem Rauchen aufhörten, blieben die geistigen Fähigkeiten eingeschränkt, berichten die Wissenschaftler.

Die Ergebnisse der Studie unterstützten die gängige Annahme, dass Cannabis neurotoxisch wirkt, schreiben die Forscher. Dabei könnte die Droge vor allem bleibende Schäden bei Jugendlichen hinterlassen, da deren Gehirn noch in der Entwicklung sei. (doi: 10.1073/pnas.1206820109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 28.08.2012 - INR)