Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Alzheimer-Bösewicht spielt Heldenrolle bei MS
Plaques auslösendes Eiweiß verringert die Symptome der Autoimmun-Erkrankung
Was die Betroffenen bei Alzheimer krank macht, könnte Menschen mit Multipler Sklerose (MS) vielleicht einmal helfen. Diese gewagte These stellen US-amerikanische Wissenschaftler nach Versuchen mit Mäusen auf, die unter einer MS-ähnlichen Krankheit litten. Denn als sie diesen Tieren das Eiweißfragment Abeta injizierten, den Hauptbestandteil der typischen Proteinklumpen im Gehirn von Alzheimer-Patienten, verschlimmerte sich deren Zustand nicht etwa, sondern verbesserte sich überraschenderweise. Diesen Effekt könnte man für eine neue MS-Therapie möglicherweise kopieren. Ein Einsatz des Proteins Abeta als Medikament ist dagegen eher unwahrscheinlich - das Risiko, dadurch doch Alzheimer auszulösen, wäre vermutlich zu hoch. Über ihre Arbeit berichten Jacqueline Grant von der Stanford University und ihre Kollegen im Fachmagazin "Science Translational Medicine".
Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer
Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer
© NIA/NIH Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer
Abeta, auch beta-Amyloid genannt, gilt als Hauptverursacher von Alzheimer. Bei dieser Krankheit lagern sich mehrere der kurzen Eiweißfragmente zusammen und bilden dichte Proteinklumpen, sogenannte Plaques, die nach der gängigen Theorie zum Tod der Nervenzellen im Gehirn führen. Allerdings kommt Abeta auch in den Gehirnen von Menschen vor, die nicht unter Alzheimer leiden. Es scheint beispielsweise im normalen Alterungsprozess ebenso zu entstehen wie bei Verletzungen des Gehirns oder bei Entzündungen. Geringe Mengen zirkulieren zudem im Blut. Auch bei Multipler Sklerose findet sich Abeta im Zentralen Nervensystem - und zwar vor allem an den Stellen, an denen das Immunsystem fälschlicherweise die fettartige Schicht um die langen Fortsätze der Nervenzellen angreift und dort eine Entzündung hervorruft. Welche Funktion das kleine Eiweißmolekül jedoch hat und welche Rolle es bei MS spielt, ist unklar.

Überraschende entzündungshemmende Funktion
Grant und ihr Team wollten daher wissen, was passiert, wenn man den Abeta-Spiegel im Blut absichtlich erhöht. Dazu injizierten sie Mäusen mit einer künstlich hervorgerufenen Hirnentzündung, die der bei MS gleicht, das Eiweißfragment in den Bauchraum. Doch ihr Verdacht, die Behandlung würde die Krankheit verschlimmern, bestätigte sich nicht - im Gegenteil: Nach den Injektionen ging es den Tieren sichtlich besser. Ihre Lähmungserscheinungen verringerten sich, und die Entzündungswerte wurden ebenfalls besser. Die Behandlung konnte sogar den Ausbruch der Krankheit verzögern, zeigten weitere Tests. Alzheimer bekamen die Mäuse von den Injektionen nicht: In ihren Gehirnen tauchten keinerlei Abeta-Plaques auf, berichtet das Team.

Tatsächlich scheint die Behandlung überhaupt nichts mit den Vorgängen im Gehirn zu tun zu haben, sondern vielmehr das Immunsystem zu beeinflussen, erläutern die Forscher. Denn die für die Attacken bei MS verantwortlichen Immunzellen entstehen nicht im Gehirn, sondern werden im Körper scharfgemacht und wandern dann erst ins Zentrale Nervensystem ein. Das nach den Injektionen im Blut zirkulierende Abeta bremst diesen Prozess offenbar aus, so dass der Angriff im Gehirn mit weniger Wucht erfolgt. Es wirke damit ähnlich wie moderne MS-Medikamente, die ebenfalls die weißen Blutkörperchen außerhalb des Gehirns abfangen oder blockieren, schreiben die Forscher. Bestätigt wurde diese Vermutung durch weitere Tests - unter anderem mit gentechnisch veränderten Mäusen, die kein Abeta herstellen konnten. Bei diesen Tieren schritt die Krankheit sehr viel schneller fort und war stärker ausgeprägt, berichtet das Team.

Starke Zweifel an Sicherheit des Ansatzes
Während die Wissenschaftler um Grant es durchaus für möglich halten, dass irgendwann einmal Abeta oder ein ähnliches Proteinfragment als Medikament eingesetzt werden könnte, sind andere Forscher eher skeptisch. Die beiden Münchner Neurobiologen Reinhard Hohlfeld und Hartmut Wekerle geben beispielsweise in einem Kommentar zu bedenken, dass eine Erhöhung von Abeta im Blut exakt das Gegenteil dessen ist, was aktuell in klinischen Studien als Behandlung für Alzheimer getestet wird. Es sei nicht abzusehen, welche Folgen eine solche Erhöhung beim Menschen habe und ob nicht doch Abeta-Fragmente ins Gehirn gelangen und dort als Keim für eine Alzheimer-Erkrankung fungieren könnten. Die unerwartete Janusköpfigkeit des Eiweißschnipsels sei jedoch hochinteressant und werde vermutlich zu einem besseren Verständnis der Vorgänge bei beiden Krankheiten führen. (doi: 10.1126/scitranslmed.3004586)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Alzheimer, Multiple Sklerose, MS, Entzündungen, Proteine, Plaques, Eiweiß, Autoimmun-Erkrankungen, Abeta, beta-Amyloid
Weitere News zum Thema
Erste Stammzellen aus einem Klon-Embryo (16.05.2013)
Forscher überwinden entscheidende Hürde zum therapeutischen Klonen
Forscher bremsen Parkinson bei Mäusen aus (24.04.2013)
Neuer Wirkstoff könnte auch beim Menschen schädliche Ablagerungen im Gehirn verhindern
Menschliche Zellen machen Mäuse schlauer (08.03.2013)
Eingepflanzte Hilfszellen unseres Gehirns verhelfen Mäusen zu geistigen Höhenflügen
Alkoholismus-Enzym entdeckt (18.01.2013)
Neprilysin könnte künftig Therapieansatz für Alkoholismus darstellen
Ist Alzheimer doch eine Prionen-Erkrankung? (16.01.2013)
Auch das Tau-Protein kann seine Fehlfaltung auf andere Eiweiße übertragen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Rätsel Altern
Dossiers zum Thema
Rätsel Hirnschwund
Auf der Suche nach den Ursachen von Alzheimer und Parkinson
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
Altern mit Köpfchen
Wie der Geist lange fit bleibt
Apoptose – der programmierte Zelltod
Die Lizenz zum Töten
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Das Geheimnis der Hundertjährigen
Auf der Suche nach den Ursachen von Altern und Langlebigkeit
News des Tages
Früher gab es Palmen in der Antarktis
Einige Amazonas-Bewohner sind immun gegen Tollwut
Alzheimer-Bösewicht spielt Heldenrolle bei MS
Neue Methode lässt Fingerabdrücke leuchten
Bücher zum Thema
Alzheimer
Spurensuche im Niemandsland von Michael Jürgs
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Zukunft Gehirn
Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen von Peter Gruss und Tobias Bonhoeffer (Herausgeber)
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Volkskrankheiten
Gesundheitliche Herausforderungen in der Wohlstandsgesellschaft
Zukunft Altern
Individuelle und gesellschaftliche Weichenstellungen von Hans-Werner Wahl und Andreas Kruse
Top-Clicks der Woche
1. Zucker macht Goldgewinnung "grün"
2. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
3. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
4. Die Minoer kamen nicht aus Afrika
5. Merkmale des seltensten chemischen Elements enträtselt