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Freitag, 01.07.2016
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Zellen eines Tumors sind genetisch verschieden

Krebstherapie erfasst häufig nur Teile der entarteten Zellen

Ein neuer Fund könnte erklären, warum manche Krebstumore trotz Chemotherapie wiederkommen: Ein streuender Tumor gibt nicht nur eine Zellsorte ans Blut ab, sondern ganz verschiedene. Bis zu fünf genetisch unterschiedliche Zellsorten haben US-amerikanische Forscher im Blut von Brustkrebspatientinnen entdeckt. Sie schließen daraus, dass auch die Geschwulst selbst mehrere Zelltypen enthalten könnte. Eine Biopsie gebe daher nicht immer Aufschluss über alle Merkmale eines Tumors. Zukünftig müsse man möglicherweise auch die Krebstherapien entsprechend anpassen, denn verschiedene Zelltypen könnten auch unterschiedliche Therapieansätze erfordern, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "PloS ONE".
Krebszellen

Krebszellen

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie erstmals die Aktivität von 95 verschiedenen Genen bei den im Blut zirkulierenden Zellen von Brustkrebspatientinnen analysiert. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: "Schon in einer einzigen Blutprobe einer Patientin fanden wir heterogene Populationen von zirkulierenden Tumorzellen", sagt Studienleiterin Stefanie Jeffrey vom Stanford University Medical Center in Kalifornien.

Einige der wandernden Zellen hatten Gene angeschaltet, die es ihnen erleichterten, sich an neuen Orten im Körper anzusiedeln, berichten die Forscher. Andere zeigten dagegen ein völlig anderes Muster der Genaktivität und waren gutartiger, weniger fähig, in neuem Gewebe zu überleben.

Einfluss auf Wirksamkeit der Krebstherapie


Die Unterschiede erstreckten sich auch auf Gene, die beeinflussen, ob eine Tumorzelle auf eine bestimmte Therapie reagiert oder nicht, wie die Forscher schreiben. So waren einige Krebszellen bei einer Patientin beispielsweise HER2-positiv: Sie trugen an ihrer Oberfläche eine bestimmte Andockstelle, die den Tumor für eine Antikörperbehandlung empfindlich macht. Andere Zellen des selben Tumors wiesen diese Andockstelle jedoch nicht auf. Nach der Therapie mit dem Antikörperpräparat habe man diese Tumorzellen weiterhin im Blut der Patientin nachgewiesen, berichten die Forscher.


Das zeige, dass es möglicherweise nötig sei, mehrere verschiedene Therapien anzuwenden, um einen Krebstumor endgültig und vollständig aus dem Körper zu entfernen. Noch müsse man weitere Forschungen durchführen, bevor diese Erkenntnisse auch den Krebspatienten zu Gute kommen könnten. Aber ein erster Schritt hin zu einer differenzierteren Therapie sei gemacht, meinen die Forscher. Als nächsten Schritt wiederholen sie nun ihre Studie auch an Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs.

Wirkstoff-Forschung müsste angepasst werden


Auch für die Krebsforschung und die Suche nach neuen Medikamenten könnte die neue Erkenntnis Auswirkungen haben: Denn bisher werden neue Wirkstoffe an meist nur wenigen standardisierten Krebszelllinien ausprobiert. Als die Forscher das genetische Profil der Tumorzellen ihrer Patientinnen mit dem der standardisierten Brustkrebs-Zelllinien verglichen, fanden sie keine Übereinstimmungen. "Unser Ergebnis deutet daraufhin, dass diese Zellen als Modelle für streuende Krebsarten nicht so hilfreich sind wie angenommen", sagt Jeffrey.

Für ihre Studie isolierten die Forscher zunächst alle gestreuten Krebszellen aus dem Blut von insgesamt 50 Brustkrebspatientinnen. Dann analysierten sie die Aktivität von 95 Genen in diesen Zellen, um mögliche Abweichungen zu finden. "Die meisten Forscher analysieren nur ein paar Gene oder Proteine auf einmal, meist, indem sie ihren Proben fluoreszierende Antikörper zugeben", erklärt Jeffrey. Diese Antikörper lassen dann alle Krebszellen aufleuchten, zeigen aber keine Unterschiede zwischen ihnen.
(PloS ONE, 08.05.2012 - NPO)