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Dienstag, 24.01.2017
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HIV: Zahl der Neuinfektionen sinkt deutlich

Neue Modellierung des Robert Koch-Instituts liefert präzise Schätzungen für Deutschland

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist deutlich gesunken. Das zeigt eine neue Modellierung des Robert Koch-Instituts anlässlich des Welt-AIDS-Tags, die eine genauere Schätzung des Infektionszeitpunktes als bisher ermöglicht. Für das Jahr 2011 werden demnach 2.700 Neuinfektionen erwartet - 2.250 bei Männern und 450 bei Frauen. Der höchste Wert für HIV-Neuinfektionen lag nach dem neuen Modellierungsverfahren im Jahr 2006 bei rund 3.400 Infektionen und geht seitdem zurück.
Befallene Zelle mit freigesetzte HI-Virenpartikeln (grün)

Befallene Zelle mit freigesetzte HI-Virenpartikeln (grün)

„Zu den wichtigsten Ursachen für diese positive Entwicklung gehören die intensivierte Prävention und die zunehmend frühere Diagnose und Behandlung HIV-Infizierter, die dann weniger infektiös für ihre Sexualpartner sind“, sagt Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch- Instituts (RKI). „Aber eine HIV-Infektion ist nach wie vor nicht heilbar, auch wenn sie mit Medikamenten meist gut behandelbar ist“, unterstreicht Burger.

Und Manuel Izdebski aus dem Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) meint: „Der Rückgang der Neuinfektionen ist eine höchst erfreuliche Nachricht. Die sinkenden Neuinfektionszahlen sind ein Erfolg der hervorragenden HIV-Prävention in Deutschland. Die Menschen wissen gut Bescheid, wie sich eine Infektion vermeiden lässt und schützen sich mehrheitlich konsequent.“

Keine Entwarnung


Zur weiteren Vorsicht mahnt nach Angaben des RKI jedoch die gegenwärtig wieder steigende Zahl der Syphilisfälle bei Männern, die die Zahl der HIV-Neuinfektionen negativ beeinflussen könnte. Syphilis-Erkrankte stecken sich leichter mit HIV an und können HIV auch leichter übertragen.


In Deutschland leben dem RKI zufolge insgesamt etwa 73.000 Menschen mit HIV oder AIDS. Diese Zahl steigt seit Mitte der 1990er Jahre, da die Zahl der Neuinfektionen höher ist als die Zahl der Todesfälle. Das RKI geht nach den Ergebnissen der Modellrechnung davon aus, dass bei etwa 14.000 der insgesamt 73.000 HIV-Infizierten die Infektion noch nicht diagnostiziert worden ist.

Für das Jahr 2011 erwarten die Seuchen-Experten etwa 500 Todesfälle bei HIV-Infizierten. Die am stärksten von HIV betroffene Gruppe sind nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben, 45.000 der in Deutschland mit HIV oder AIDS lebenden Personen gehören zu dieser Gruppe.

Präzisere Schätzung


Die Zahl der HIV-Neuinfektionen, die oftmals unbemerkt erfolgen, ist nicht identisch mit der Zahl der HIV-Neudiagnosen, da HIV-Infektion und -Test zeitlich weit auseinander liegen können. Die aktualisierte Schätzung zu Stand und Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland unterscheidet sich von früheren Schätzungen hauptsächlich dadurch, dass der Zeitabstand zwischen HIV-Infektion und HIV-Diagnose genauer in die Schätzungen einfließt, so das RKI. Für frühere Schätzungen musste vereinfachend davon ausgegangen werden, dass der Diagnosezeitpunkt dem Infektionszeitpunkt entspricht.

Die neue Methode modelliert den tatsächlichen Verlauf der Epidemie laut dem RKI sehr viel genauer, da der Infektionszeitpunkt jetzt auf Grundlage des klinischen Stadiums und der CD4-Zellzahl zum Zeitpunkt der HIV-Diagnose geschätzt werden kann. Bei einer HIV-Infektion verringert sich mit der Verschlechterung des Immunsystems die Anzahl der CD4 tragenden Immunzellen.

Weniger Neuinfektionen und weniger AIDS-Tote weltweit


Auch weltweit scheint der Kampf gegen HIV und AIDS Erfolge zu zeigen. Die belegen die gestern veröffentlichten Zahlen von UNAIDS. Zwischen den Jahren 2005 und 2010 sind die Todesfälle im Zusammenhang mit HIV/Aids demnach um 21 Prozent zurückgegangen. Mit weltweit 2,7 Millionen Menschen ist die Zahl der Neuinfektionen weltweit auf den niedrigsten Stand seit dem Höhepunkt der Epidemie Mitte der 1990er Jahre gesunken.

„In besonders stark betroffenen Ländern wie dem Kongo, Burkina Faso oder Nigeria konnte im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der infizierten Jugendlichen um mehr als ein Viertel gesenkt werden.“, erklärt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung.

HIV/Aids in Entwicklungsländern trifft vor allem Frauen


Trotz der Erfolge finden laut UNAIDS noch immer weltweit sieben von zehn Neuinfektionen in Afrika südlich der Sahara statt - hier infizieren sich täglich mehr als 5.200 Menschen neu mit dem Virus. Mit einem Anteil von 59 Prozent an den Infizierten sind Frauen hier besonders betroffen.

„Da viele Frauen aufgrund ihrer gesellschaftlich geringen Stellung die Verwendung von Kondomen oft nicht durchsetzen können, brauchen sie Präventionsmethoden, die sie unabhängig von der Zustimmung des Mannes anwenden können - zum Beispiel Mikrobizide“, erklärt Bähr. „Auch Aids-Impfstoffe, selbst mit partieller Wirksamkeit, sind ein zentrales Instrument im Kampf gegen Aids. Deshalb appelliere ich an die Bundesregierung, verstärkt in die Erforschung und Entwicklung von Aids-Präventionsmethoden zu investieren.“

Globalen Fonds stärken


Darüber hinaus sei es wichtig, eine verlässliche Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria zu garantieren. „Der Globale Fonds ist ein nachweislich effizientes Instrument zur Erreichung des Millennium-Entwicklungsziels 6, indem er wichtige Aktivitäten im Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose ermöglicht“, so Bähr.

„In weniger als zehn Jahren hat der Globale Fonds 6,5 Millionen Leben gerettet. Deshalb muss Deutschland als zweitgrößter Geber des Globalen Fonds zu seinen Zusagen stehen und seiner Verantwortung gerecht werden.“
(Robert Koch-Institut / Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) / Deutsche AIDS-Hilfe, 22.11.2011 - DLO)
 
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