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Donnerstag, 26.05.2016
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Europa: Immer mehr Tote durch resistente Erreger

Forscher prognostizieren 17.000 Sterbefälle im Jahr 2015 durch nur zwei Keime

Infektionen mit Krankheitserregern, die gegen nahezu alle gängigen Antibiotika resistent sind, werden in Europa in den nächsten Jahren drastisch steigen. Das berichtet ein britisch-niederländisches Forscherteam im Fachmagazin „PloS Medicine“. Bereits im Jahr 2007 seien mehr als 8.000 Menschen in Europa durch zwei gefährliche Krankenhauskeime gestorben, sagen die Wissenschaftler. Bis zum Jahr 2015 könnte sich diese Zahl auf 17.000 Todesfälle mehr als verdoppeln.
Multiresistente Bakterien der Art Staphyoloccus aureus (MRSA)

Multiresistente Bakterien der Art Staphyoloccus aureus (MRSA)

Die Behandlung von Patienten, die mit den multiresistenten Bakterien infiziert waren, habe in europäischen Ländern zudem für Kosten von insgesamt 62 Millionen Euro gesorgt, berichten Marlike de Kraker vom Centre for Infectious Disease Control der Niederlande in Bilthoven und ihre Kollegen.

Staphylococcus aureus und Escherichia coli im Visier


Für ihre Studie hatten die Forscher die Belastung durch resistente Stämme der Bakterienarten Staphylococcus aureus (MRSA) und Escherichia coli in 31 Ländern Europas ausgewertet. Beide Keime sind besonders in Krankenhäusern verbreitetet und führen dort immer wieder zu schweren, kaum behandelbaren Infektionen. Man habe diese Stämme für die Untersuchung gewählt, da sie gute Marker für die Gesamtverbreitung von Mehrfachresistenzen unter Krankheitserregern seien, sagen die Wissenschaftler.

„Die Vorhersagen für die kommenden Jahre sind verstörend“, meinen de Kraker und ihre Kollegen. Zwar werde man Infektionen mit dem Krankenhauskeim MRSA zunehmend besser eindämmen können, dafür steige aber die Zahl der Krankheitsfälle durch Bakterien wie Escherichia Coli, die selbst gegen Antibiotika der dritten Generation resistent seien. Insgesamt seien rund 97.000 Krankheitsfälle zu erwarten.


Europäisches Überwachungssystem sammelt Meldungen zu Resistenzen


Für ihre Studie hatten die Forscher im Rahmen des BURDEN-Projekts Daten zu Infektionen, der Dauer der Krankenhausaufenthalte und der Todesfälle ausgewertet. Die Daten stammten einerseits aus Erhebungen des Projekts, zum anderen aus der Datenbank des European Antibiotic Resistance Surveillance System (EARSS). An dieses Überwachungssystem melden Gesundheitsbehörden und Kliniken europäischer Länder das Vorkommen resistenter Erreger.

27.711 Menschen seien 2007 europaweit an einer Infektion mit dem Krankenhauskeim MRSA erkrankt, berichten die Forscher. 5.503 starben daran. Am höchsten war die Erkrankungsrate dabei in Portugal, Großbritannien und Frankreich, am niedrigsten in Island und Norwegen. Resistente Stämme von Escherichia coli waren dagegen in der Türkei und Großbritannien besonders stark verbreitet. Von insgesamt 15.183 Fällen waren 4.440 Türken und 2.821 Briten. Der Krankheitserreger habe europaweit für 2.712 zusätzliche Todesfälle gesorgt, berichten die Forscher.

Krankheitsfälle in Deutschland unterschätzt


Für Deutschland seien im Jahr 2007 2.484 MRSA-Fälle gemeldet worden, das entspreche einem Anteil von etwa drei Einwohnern pro 100.000. An einer Infektion mit resistenten Escherichia coli litten im gleichen Zeitraum 1.921 Menschen.

Die deutschen Werte seien aber vermutlich deutlich zu niedrig, meinen die Forscher. Da in Deutschland MRSA erst ab 2009 meldepflichtig gewesen sei, habe man für dieses Land nur rund 20 Prozent der Bevölkerung erfasst. In anderen Ländern reiche die Abdeckung bis zu 100 Prozent. (PloS Medicine, 2011; doi:10.1371/journal.pmed.1001104)
(PloS Medicine / dapd, 12.10.2011 - NPO)