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Samstag, 10.12.2016
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Enzymblockade schützt vor Alzheimer-Erkrankung

Versuch an Mäusen liefert neue Ansatzstelle für Therapie

Ein Forscherteam hat einen Mechanismus entdeckt, der vor der Alzheimer-Krankheit schützen könnte. Die Wissenschaftler hemmten bei Mäusen ein Enyzm und konnten so die Ausbildung von Ablagerungen aus fehlgefalteten Proteinen verhindern. Diese so genannten Plaques sind für die Lern- und Gedächtnisstörungen von Alzheimer-Patienten mitverantwortlich.
Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer

Geschrumpftes Gehirn nach Alzheimer

Mehr als 1,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von einer Demenzerkrankung betroffen. Bereits der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer (1864-1915), nach dem die Demenzerkrankung benannt ist, stellte im Gehirn von verstorbenen Patienten massenhaft zugrunde gegangene Nervenzellen und auffällige Eiweißablagerungen – so genannte „Plaques“ – fest. Er vermutete, dass diese Ablagerungen mit der „Krankheit des Vergessens“ ursächlich im Zusammenhang stehen. „Ein wesentlicher Bestandteil der Plaques ist das Amyloid beta, welches im Gehirn von Alzheimer Patienten vermehrt vorliegt“, berichtet der Sprecher der Forschergruppe Michael T. Heneka von der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Bonner Universitätsklinikums.

Aminosäure Tyrosin im Visier


Dieses Amyloid beta besteht wie auf einer Perlenschnur aufgereiht aus einer Kette von 40 bis 42 Aminosäuren. Davon ist eine einzige - das Tyrosin - an Position zehn der Reihe bei all den Lebewesen zu finden, die im höheren Alter eine Plaquebildung im Gehirn aufweisen. „In der nun veröffentlichten Studie beschreiben wir erstmals eine Veränderung dieses Tyrosins, nachdem es von den Gehirnzellen hergestellt wurde“, berichtet Heneka. „Dieses Tyrosin fördert die Neigung des Amyloid beta, Plaques zu bilden, und beschleunigt die Ablagerung des Eiweißes.“

Stickoxid-Enzym verantwortlich


Die veränderte Form des Tyrosins entsteht durch Stickoxide. „Es kommt sowohl im Kern der Plaques von älteren Alzheimer-Patienten als auch bei Mäusen mit der Alzheimer-Krankheit vor und scheint so etwas wie der Kondensationskeim für die Ablagerungen zu sein“, sagt der Bonner Neurologe. Die Forscher machen für die Bildung dieser Plaques die Stickoxidsynthase 2 (NOS2) verantwortlich. Es handelt sich dabei um ein Enzym, das durch entzündliche Vorgänge bei der Alzheimer Krankheit stimuliert wird und dann lang anhaltend große Mengen an Stickoxid produziert, das wiederum das Tyrosin verändert. Die Schlüsselrolle des Enzyms fanden die Wissenschaftler in Experimenten heraus.


Genblockade verringert Plaques


Wenn die Wissenschaftler bei Mäusen das Gen für NOS2 ausschalteten oder es mit der Substanz „L-NIL“ hemmten, wurde die Gesamtmenge an Amyloid beta als wesentlicher Bestandteil der Plaques drastisch reduziert. „Die Tiere wurden dadurch gleichzeitig vor Lern- und Gedächtnisstörungen geschützt“, berichtet Heneka. „Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Hemmung des NOS2 den Verlauf der Alzheimer-Krankheit nachhaltig verbessern könnte und stellt somit einen potentiell therapeutischen Ansatz dar.“

Ob der Hemmstoff „L-NIL“ tatsächlich eine neue Behandlungsmöglichkeit für Alzheimer-Patienten darstellt, müsse jedoch erst noch in weiteren Tests geklärt werden, sagt der Bonner Wissenschaftler. (Neuron, 2011; DOI 10.1016/j.neuron.2011.07.001)
(Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 12.09.2011 - NPO)
 
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