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Donnerstag, 30.03.2017
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Lichtempfindliche Moleküle gegen Hautkrebs

Tumorzellen werden durch per Licht aktivierte Antikörper ausgehungert

Eine Kombination von Licht und Antikörpern kann gewisse Formen von Krebs komplett zum Verschwinden bringen. Das zeigt jetzt eine Studie britischer und Schweizer Forscher im Fachmagazin „British Journal of Cancer“. In Experimenten koppelten sie lichtempfindliche Moleküle mit einem Antikörper und ließen sie gezielt zu Tumorblutgefäßen transportieren. Durch Licht aktiviert, zerstörten die Antikörper daraufhin die Blutzufuhr des Tumor und hungerten ihn aus.
Krebszellen

Krebszellen

Hautkrebs ist besonders in Europa und Nordamerika eine stark zunehmende Krebsart, seine Häufigkeit stieg seit 1980 um fast das Vierfache. Am Schwarzen Hautkrebs, dem Melanom, erkranken allein in Deutschland pro Jahr rund 15.000 Menschen, rund 2.000 sterben jährlich daran. Bei vielen Krebsarten versuchen Mdiziner heute, die Tumore zu bekämpfen, indem sie dessen Blutzufuhr unterbinden und ihn damit aushungern. Doch diese Verfahren wirken bisher nur bedingt und sind manchmal nicht zielgerichtet und effektiv genug.

Tumor verhungert


Ein Forscherteam um Dario Neri, Professor für Biomakromoleküle an der ETH Zürich und Kollegen der University of Hull entwickelte jetzt ein neues Therapieverfahren gegen Hautkrebs, dass effektiver wirken könnte als bisherigen. Es basiert auf lichtempfindlichen Molekülen, die an Antikörper gekoppelt sind. Diese Antikörper erkennen spezifisch Tumorblutgefäße und lagern sich an diese an. Werden die Moleküle mit Licht angeregt, so entsteht aus ihnen ein reaktives Sauerstoffradikal. Radikale sind bekannt dafür, dass sie Zellen irreparable Schäden zufügen. Die chemisch modifizierten Antikörper zerstören in der Folge die Blutgefäße des Krebses und schneiden ihm so die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen und Sauerstoff ab.

Dadurch verhungern die Krebszellen in großer Zahl und die Tumore verschwinden vollständig. Zudem unterdrückt die Behandlung mit lichtempfindlichen Molekülen das neuerliche Tumorwachstum in den folgenden 100 Tagen nach der Therapie. Allerdings braucht es die Mithilfe des körpereigenen Immunsystems: Der Tumor starb mi Experiment nur dann ab, wenn natürliche Killerzellen als wichtiger Bestandteil des Immunsystems vorhanden waren. Blockierten die Forschenden deren Produktion im Körper, verschwand der Tumor nicht vollständig, sondern schrumpfte nur. Die Wissenschaftler wollen deshalb klären, welche Rolle das Immunsystem bei diesen Vorgängen spielt.


Effektivere Therapie in Aussicht


Der Ansatz, die Blutzufuhr des Krebses zu unterbinden, ist indes nicht neu. Entsprechende Medikamente sind auch bereits zugelassen und werden in der Klinik angewendet. Indem aber lichtempfindliche Moleküle mit dem Antikörper als Lokomotive gezielt zum Tumor transportiert werden, kann eine Krebsbehandlung effektiver und mit geringerer Medikamentendosis durchgeführt werden. Das verbessert die Heilungschancen und reduziert potenzielle Nebenwirkungen. Die neue Therapieform könnte möglicherweise invasivere Behandlungen, wie Bestrahlung oder chirurgische Eingriffe, ersetzen, hoffen die Forscher.

Weitere Tests an Mäusen nötig


Die neuen Moleküle dürften für Patienten allerdings noch länger nicht verfügbar sein, da sie bisher erst an Mäusen getestet wurden. Dennoch sind die Forscher vom Potenzial der Methode zur Behandlung der häufigsten Formen von Hautkrebs überzeugt. „Diese Studie ebnet uns den Weg zur Entwicklung einer neuen Klasse von Antikörper-Therapien“, erklärt Neri. An dieser Studie maßgeblich beteiligt waren auch Forscher der Universitäten Zürich und Hull. Letztere synthetisierten die lichtempfindlichen Moleküle. (Br J Cancer. 2011 Mar 29;104(7):1106-15)
(ETH Zürich, 13.04.2011 - NPO)
 
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