• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 26.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Warum Entzündung müde macht

Entzündungsbotenstoff greift in Kommunikation mit dem Gehirn ein

Patienten mit entzündlichen Erkrankungen oder Infekten leiden oft zusätzlich an Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und sogar Depressionen. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass ein Botenstoff diese Symptome auslöst. Er steuert die Kommunikation zwischen Immunsystem und Gehirn und bewirkt damit auch die neurologischen Symptome. Die jetzt im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlichten Ergebnisse erklären auch, warum bereits eingesetzte Medikamente wirken.
Gehirnaktivität mit Arthritis (ohne) und nach Behandlung

Gehirnaktivität mit Arthritis (ohne) und nach Behandlung

Bei der rheumatoiden Arthritis, einer Autoimmunkrankheit, leiden Menschen unter entzündeten Gelenken und damit verbundenen starken Schmerzen. Hinzu kommen in vielen Fällen Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Depressionen. Bekannt war bisher, dass diese Symptome im zentralen Nervensystem entstehen. Wie jedoch die Immunabwehr und die Entzündung in den Gelenken das Nervensystem beeinflussen, konnte die Wissenschaft bisher nicht erklären.

Blick ins Gehirn von Mäusen mit chronischer Entzündung


Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsklinikums Erlangen um den Mediziner Professor Georg Schett haben jetzt herausgefunden, was diese Symptome auslöst. Für ihre Studie untersuchten die Forscher Patienten mit rheumatoider Arthritis, sowie Mäuse, die aufgrund eines Gendefektes eine ganz ähnliche Erkrankung zeigen. Mithilfe einer speziellen Aufnahmetechnik für die funktionelle Magnet- Resonanztomographie an narkotisierten Mäusen konnten die Forscher jetzt neue Erkenntnisse gewinnen.

Bei der Analyse der Aufnahmen von Mäusehirnen entdeckte das Team, dass ein wesentlicher Entzündungsbotenstoff – der so genannte Tumor-Nekrosefaktor alpha – zwischen Immunsystem und Gehirn vermittelt und dabei auch die Schmerzwahrnehmung entscheidend beeinflusst. Diesen Effekt konnten die Forscher auch beim Menschen beobachten.


Medikamentenwirkung aufgeklärt


„Interessanterweise werden Medikamente, die den Tumor-Nekrosefaktor alpha hemmen, schon weltweit erfolgreich zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt“, erklärt Schett. „Warum aber diese Therapien so rasch zu einer Linderung dieser chronischen Erkrankung führen, war bisher unbekannt. Dabei dämpfen die Medikamente die Schmerzen und steigern das Wohlbefinden noch bevor die Entzündung abgeklungen ist.“ Diese Wirkung können die Erlanger Forscher nun erklären: Hemmt man den Tumor-Nekrosefaktor, verringert sich die Schmerzempfindlichkeit im Gehirn, und auch die psychischen Veränderungen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit werden positiv beeinflusst.

„Unsere Forschungsergebnisse lassen sich vermutlich auf eine ganze Reihe von entzündlichen Erkrankungen oder auch Infektionen übertragen“, so Schett. „Die Erkenntnisse tragen dazu bei, die Mechanismen von Erkrankungen des Immunsystems aufzuklären. Sie zeigen aber gleichzeitig auch, dass mit Hilfe moderner Techniken der Bildgebung neue Therapien gegen unterschiedlichste chronische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis entwickelt und analysiert werden können.“ (PNAS, 2011; doi: 10.1073/pnas.1011774108)
(Universität Erlangen-Nürnberg, 04.02.2011 - NPO)
 
Printer IconShare Icon